Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: Fotoprojekt „Gute Aussichten“ zeigt Arbeiten von Karl Hubbuch und Malte Sänger

In den 60er Jahren in einem Park in Rom entstanden: mehrfarbige Zeichnung Karl Hubbuchs.
In den 60er Jahren in einem Park in Rom entstanden: mehrfarbige Zeichnung Karl Hubbuchs. Foto: Emanuel Raab/Gute Aussichten

Neue Wege beschreitet das Fotoprojekt „Gute Aussichten“ bei seinem elften „Heimspiel“ in seinem Domizil im Haardter Schloss in Neustadt: Neben Arbeiten des jungen Fotokünstlers Malte Sänger, einem der „Gute Aussichten“-Preisträger 2018/19, sind Zeichnungen und Fotografien des 1979 verstorbenen Karlsruher Neorealisten Karl Hubbuch zu sehen.

Die Kombination von Fotografie und Zeichnung ist neu bei „Gute Aussichten“, ebenso wie die von aktueller und historischer Kunst. Doch für Josefine Raab, die Gründerin des Projekts, das jedes Jahr die besten Abschlussarbeiten deutscher Akademien und Hochschulen im Bereich Fotografie auszeichnet, ist die strikte Trennung der Gattungen ohnehin obsolet. Viele Fotografen inspirierten sich an der Malerei, und viele bildende Künstler nutzten auch die Fotografie für ihre Arbeit. Ein Musterbeispiel dafür ist für Raab Karl Hubbuch (1891-1979), der neben Otto Dix und George Grosz zu den prägende Persönlichkeiten der „Neuen Sachlichkeit“ gehörte. „Das war ein Künstler, der alles ausprobierte“, erklärt sie.

Kombination von Fotografie und Zeichnung

In der Ausstellung in Haardt sind nun Zeichnungen (und einige Druckgrafiken) sowie Fotografien Hubbuchs zu sehen. Die grafischen Arbeiten stellt die Karlsruher Galerie Axel Demmer zur Verfügung, die (allerdings recht kleine) Auswahl an Fotografien das Stadtmuseum München, das den lange kaum bekannten Fotonachlass des Künstlers, der als Kunstprofessor vornehmlich in Karlsruhe wirkte, vor einigen Jahren erworben hat. Karl Hubbuch beschäftigte sich vor allem in den 20er- und 30er-Jahren mit der Fotografie, wohl angeregt durch seine Frau Hilde und deren Freundin Ellen Auerbach, die später beide bedeutende Fotografinnen wurden. Hilde Hubbuch ist auf den Bildern, allesamt witzig inszenierte Atelierszenen in stark kontrastiertem Schwarz-Weiß, auch mehrfach an der Seite des Künstlers zu sehen.

Spontan hingeworfene Skizzen

Die Zeichnungen wiederum teilen sich in spontan hingeworfene Skizzen auf der einen und sehr detailreich ausgeführte Arbeiten auf der anderen Seite. Immer jedoch steht dabei der Mensch im Zentrum, ob bei einem in der kargen Nachkriegszeit rasch auf ein amerikanisches Kalenderblatt geworfenen Akt, einer nur als Fragment ausgeführten Gruppe Tanzender, einer Massenszene bei einem Radrennen oder einem einsamen Gast im Café. Auf einer in den 60er-Jahren in einem römischen Park entstandenen Farb- und Bleistiftzeichnung mit einer Balustraden-Sphinx mit prallen Brüsten wiederum ist an der Seite ein Fotograf zu sehen – vielleicht der Künstler selbst, so Raabs Vermutung.

Menschen und ihre Schicksale

Um Menschen und ihre Schicksale geht es auch in den Arbeiten von Malte Sänger, der Auszüge aus seiner „Abdrücke“ betitelten Diplomarbeit an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung vorstellt. Der 1987 in Frankfurt geborene Fotograf durchforschte dafür öffentlich zugängliche Social-Media-Profile von Menschen auf der Flucht. Die digitalen Spuren dieser Posts, wie Datum, Uhrzeit, Ort und Smartphone-Typ verknüpft er mit Satellitenaufnahmen der lokalisierten Landschaften, kleinen selbstverfassten Texten und den Bildern, die die Flüchtenden selbst veröffentlicht haben. Die wiederum sind chemisch nicht fixiert, verblassen also im Lauf der Zeit, so wie die Menschen, die sie erzeugt haben. „Kein weiteres Bild hochgeladen“, heißt es jeweils am Ende der einzelnen Mini-Serien. Um die Spuren, die Menschen im digitalen Raum hinterlassen, ging es dem Künstler, der schon zweimal mit dem Deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet wurde, auch schon in früheren Serien. In einer davon rekonstruierte er zum Beispiel die zum Teil hochintimen Daten ausrangierter Computer-Festplatten, die er zum Schrottpreis erworben hatte.

Die Ausstellung

Das „Gute Aussichten-Heimspiel 11“ wird am Samstag, 7. Dezember, um 15 Uhr im Haardter Schloss, Mandelring 35, in Neustadt eröffnet. Eine weitere Möglichkeit zur freien Besichtigung besteht am Sonntag, 8. Dezember, 15-18 Uhr. Danach ist die Schau bis 29. März nach Vereinbarung unter 06321/9706799 oder info@guteaussichten.org zu besichtigen.

Malte Sänger verarbeitet in seiner Serie „Abdrücke“ die auf Social Media Kanälen gefundenen Handyfotos von Migranten.
Malte Sänger verarbeitet in seiner Serie »Abdrücke« die auf Social Media Kanälen gefundenen Handyfotos von Migranten. Foto: Sänger
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