Kultur
Nachruf: Mannheimer Sängerlegende Franz Mazura gestorben
Einer der ganz großen Sängerdarsteller des Musiktheaters hat die Bühne für immer verlassen: Mit 95 Jahren starb der Bassbariton Franz Mazura, eine Institution nicht nur am Mannheimer Nationaltheater und bei den Bayreuther Festspielen, sondern auf schlichtweg allen großen Bühnen dieser Welt.
Selbst im Spätherbst seiner Sängerkarriere vermochte dieser Sänger noch Glanzpunkte zu setzen: als Schigolch in Alban Bergs „Lulu“, als Diener in der „Elektra“ von Richard Strauss, als Hans Schwartz in Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“. Aber diese Auftritte vermochten natürlich nur andeutungsweise zu vermitteln, welch herausragender Wagner-Interpret Franz Mazura zu seinen Glanzzeiten war. Sei es als Alberich im „Ring des Nibelungen“, sei es als Klingsor oder Gurnemanz im „Parsifal“, um nur drei Partien zu nennen, in denen Mazura auf allen großen Bühnen dieser Welt, sei es in Salzburg, in München, in Paris, Berlin, Wien oder New York, und eben vor allem auch auf dem Grünen Hügel brillierte. Doch man würde diesem herausragenden Sänger nicht gerecht werden, wenn man ihn ausschließlich auf das Wagner-Fach reduzieren würde. Die Partien der Bösewichte Scarpia in Puccinis „Tosca“ und Don Pizarro in Beethovens „Fidelio“ gehörten auch zu seinen Paraderollen.
Warmherziger Star mit Bodenhaftung
Bei den Bayreuther Festspielen konnte man ihn in den Pausen ebenso treffen wie an „seinem“ Nationaltheater. Und begegnete dabei stets einem hellwachen Geist, einem warmherzigen, klugen, aber auch sehr humorvollen Menschen. Einer Künstlernatur durch und durch, der sein ganzes Leben in den Dienst der Musik gestellt hat. Und dabei stets bescheiden, bodenständig blieb, nie zu Starallüren neigte. Die haben Bässe seit je den Tenören und Primadonnen überlassen.
Spontan einen Mannheimer „Parsifal“ gerettet
Gerade in Mannheim erzählt man sich unzählige Geschichten über den großen Franz Mazura. Eine geht so: Das Mannheimer Nationaltheater hat ja einen legendären „Parsifal“ aus den 1950er-Jahren im Programm, die Deutschlands älteste Operninszenierung ist. Klar, dass auch Mazura die Partie des Gurnemanz in dieser Inszenierung häufig gesungen hat. Das wussten auch die Theater-Verantwortlichen bei einer Aufführung, in der einer von Mazuras Nachfolger den Gurnemanz sang, aber mit Ende des ersten Aufzugs kapitulierte. Ersatz musste her. Also fuhr man in der Pause in den nicht weit entfernten Wohnort Mazuras, nach Edingen-Neckarhausen, überzeugte den „Franz“, der dann den zweiten Aufzug (in dem Gurnemanz nicht auftritt) zur kurzen Vorbereitung nutzte, um im letzten Aufzug vom Mannheimer Publikum gefeiert zu werden.
Der Region immer verbunden
Geboren wurde Franz Mazura 1924 in Salzburg, seine Ausbildung erhielt er an der Musikhochschule in Detmold. Erste Engagements führten in nach Kassel, Mainz und Braunschweig, ehe er in Mannheim seine eigentliche künstlerische Heimat fand. Er blieb der Region und dem Theater bis zum Ende treu. Ein großer Verlust.