Sankt Ingbert RHEINPFALZ Plus Artikel Moses schreibt saarländische Schulgeschichte

Franziska Weller kann seit wenigen Wochen dank Begleitung durch Moses und ihren Helfer Christoph Lehnen trotz ihrer Erkrankung d
Franziska Weller kann seit wenigen Wochen dank Begleitung durch Moses und ihren Helfer Christoph Lehnen trotz ihrer Erkrankung den Unterricht an einer normalen Schule besuchen. Klassenlehrer Michael Weiland unterstützt das,

„Ich bin unglaublich froh, dass Moses jetzt mit in die Schule darf. Das gibt mir ganz viel Sicherheit.“ Die 16-jährige Franziska Weller aus Dudweiler besucht seit Anfang November das Berufsbildungszentrum (BBZ) St. Ingbert in Begleitung ihres Labradorrüden Moses: Er ist der erste Assistenzhund überhaupt an einer Schule im Saarland.

Ganz vorne in der ersten Reihe am mittleren Tisch sitzt Franzi, so nennen sie alle, rechts von ihr am Boden auf einer eigens genähten Decke liegt Moses. Ganz ruhig, aber hoch aufmerksam. Auf seinem Rücken trägt der schwarze Rüde ein neongelbes Dreieckstuch, dessen Aufschrift unmissverständlich seine Funktion verrät: Er ist ein speziell ausgebildeter Assistenzhund. Im Fall der Epilepsie-Patientin Franzi hat er die Aufgabe, sie zu warnen, bevor sie einen Anfall bekommt, und nötigenfalls sogar fremde Hilfe für die Jugendliche zu holen. Erst seit sie Moses an ihrer Seite hat, kann sie wie andere Kinder in ihrem Alter eine ganz normale Schule besuchen und muss nicht mehr wie bisher zu Hause unterrichtet werden. Zu groß war bisher die Gefahr eines überraschenden Epilepsieanfalls.

Streicheln ist tabu

Neben Franzi in der Bank sitzt Christoph Lehnen. Er ist im doppelten Sinne entscheidend für den Erfolg des Projektes: Einerseits begleitet er Franzis Schulbesuche als Integrationshelfer, zum anderen ist er Hundetrainer der Kirkeler Hundeschule „Discovery Dog“ und hat Moses in den vergangenen zwei Jahren an der Seite von Franzi ganz individuell auf seine anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet. Er erklärt: „Moses kann riechen, wenn Franzi Stress hat und ein epileptischer Anfall bevorsteht. Dann stupst er sie mit der Nase an. Reagiert sie nicht mehr auf seine Warnung, dann weiß er auch, wie er Hilfe bei anderen holen kann.“

Dass Moses Franzi in die Schule begleitet, lässt ihre 15 Mitschüler in der zehnten Klasse ziemlich unbeeindruckt: Den meisten ist das ziemlich egal, schließlich stört der brave Vierbeiner absolut nicht. Und Angst macht er auch niemandem. Trotzdem: Streicheln ist tabu. Nicht, weil das irgendwie gefährlich wäre, sondern einfach, weil Assistenzhunde während ihrer Arbeit von niemandem angefasst und damit abgelenkt werden sollen.

Klassenlehrer anfangs skeptisch

„Ich hätte mir schon gewünscht, er wäre etwas kleiner“, erzählt Klassenlehrer Michael Weiland, der Hunde eigentlich überhaupt nicht mag, über die erste Begegnung. Deswegen war er zunächst zwar alles andere als begeistert, ist aber jetzt absolut davon überzeugt, dass es eine richtig gute Sache ist und Franzi und Moses die Klasse wirklich bereichern. Auch die Schüler und deren Erziehungsberechtigte wurden im Vorfeld befragt: Hätte es Vorbehalte oder gesundheitliche Bedenken gegeben, hätten die jeweiligen Schüler problemlos in eine Parallelklasse wechseln können, versichert Weiland.

„Wir sind sehr froh, dass wir Franzi so den Schulbesuch bei uns ermöglichen können“, freuen sich Schulleiterin Nicole Luckas und die für den Fachbereich Berufsbildung I, Übergangssystem, verantwortliche Sabine Remmlinger. Es habe schon einige Monate gedauert, bis alle Formalitäten geklärt gewesen seien, was sich aber im Nachhinein damit erkläre, dass Moses eben der Präzedenzfall war, wie Nicole Luckas erst durch die redaktionelle Anfrage beim Ministerium erfuhr.

Könnte Schule machen

„Der Assistenzhund am BBZ St. Ingbert ist nach unserer Kenntnis der einzige Hund mit dieser Funktion im Saarland. Bisher gibt es darüber hinaus nur eine weitere diesbezügliche Anfrage“, erklärte der stellvertretende Pressesprecher des saarländischen Ministeriums für Bildung und Kultur, Fabian Bosse, gegenüber der RHEINPFALZ. Aber das kann sich bald ändern, denn das Ministerium stehe dem Einsatz von Assistenzhunden „sehr offen gegenüber, weil sie Kindern und Jugendlichen, aber auch Lehrkräften und Mitarbeitern mit Krankheiten oder Behinderungen in Schulen und der Verwaltung Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen und damit einen wichtigen Beitrag zur Inklusion leisten.“

Kleines Bonmot am Rande: Moses ist ein waschechter Pfälzer. Er stammt aus der Labradorzucht „Faithful Paws“ („Treue Pfoten“) in Steinbach am Glan. Züchter Mario Scheuer, aus dessen Kennel schon einige Therapie-, Schulbegleit- und Rettungshunde stammen, ist besonders stolz, dass sein Moses nun im Saarland Schulgeschichte schreibt.

Deutlicher Hinweis darauf, dass Moses eine besondere Aufgabe hat: das neongelbe Tuch.
Deutlicher Hinweis darauf, dass Moses eine besondere Aufgabe hat: das neongelbe Tuch.
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