Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Popstar Mark Forster über seine Liebe zum FCK und zur Pfalz

Vermisst die Bühne, die Konzerte: Popstar Mark Forster, hier im Sommer 2019 bei einem Open Air im saarländischen Losheim am See.
Vermisst die Bühne, die Konzerte: Popstar Mark Forster, hier im Sommer 2019 bei einem Open Air im saarländischen Losheim am See.

Der aus dem nordpfälzischen Winnweiler stammende, mittlerweile in Berlin lebende Popstar Mark Forster veröffentlicht am Freitag sein fünftes Album. Es soll eine sehr persönliche Geschichte der vergangenen zwei Jahre werden. Mit der RHEINPFALZ spricht der 38-Jährige über seine neue Platte „Musketiere“, die Krise der Veranstaltungsbranche, magische Momente, seine Liebe zum FCK und sein Heimspiel.

Am Sonntag gastiert der 1. FC Kaiserslautern in der Dritten Liga bei Viktoria Berlin. Werden Sie Ihrem Lieblings-Fußballverein vor Ort im Stadion die Daumen drücken?
Das ist schon eine Weile her, dass der FCK letztmals in Berlin gespielt hat. Ich werde

es versuchen. Es haben mich schon einige gefragt, ob ich komme. Ich habe aber rund um die Album-Veröffentlichung einige Termine. Grundsätzlich verfolgen wir Musiker ja Fußballspiele mit Fans im Stadion, gerade zuletzt bei der Europameisterschaft, mit gemischten Gefühlen.

Sie sprechen die großen Sorgen, die Krise der Veranstaltungsbranche an.
Genau. Es ist jetzt schon das zweite Jahr in Folge, das im Prinzip komplett flach fällt. Langsam wird es für alle extrem. Ich verstehe es natürlich, dass man in einer globalen Pandemie keine großen Festivals stattfinden lassen kann. Aber ich verstehe das Ungleichgewicht nicht; warum darf ein Fußballspiel vor so vielen Menschen stattfinden, Kulturveranstaltungen mit stimmigen Konzepten fallen dagegen immer wieder aus? Viele Kulturschaffende haben das Gefühl, sie werden vergessen. Gleichzeitig will man niemanden in Gefahr bringen, will nicht etwas machen, was man gerade nicht machen sollte. Es ist hart. Wir dürfen unseren Beruf nicht so ausüben, wie wir ihn lieben.

Keine Strandkorbkonzerte

Sie haben sich dagegen entschieden, wie Kollegen von Ihnen Strandkorbkonzerte zu spielen. Warum?
Ich finde es cool, dass so etwas gemacht wird. Sicher kann auch da eine Stimmung entstehen. Für mich ist es aber nicht das, was ich unter einem Konzert verstehe und auch fühle. Ich glaube, ich kann das einfach nicht so gut vor Autos oder Strandkörben.

Zurück zum FCK: Was trauen Sie den Roten Teufeln in dieser Saison zu?
Ich mag die Mannschaft. Ich bin total froh, dass der Kern der Truppe geblieben ist, dass Spieler wie Daniel Hanslik, Felix Götze und natürlich Jean Zimmer weiterhin für den FCK spielen. Ich habe mich sehr auf diese Saison gefreut. Jetzt sind sie holprig gestartet. Aber ich glaube, dass da richtig was gehen kann.

Das Heimspiel auf dem „Betze“

Sind Sie eigentlich mit FCK-Spielern in Kontakt?
Ja, da gibt es ein paar. Jean Zimmer ist seit ein einigen Jahren ein richtiger Kumpel von mir. Wir sind in einem regen Austausch. Deswegen läuft es so gut. Ich habe jetzt wieder Einfluss auf die Mannschaft (lacht).

Eigentlich hätten Sie ja schon im vergangenen Jahr ihr Heimspiel im Fritz-Walter-Stadion gehabt. Das wurde coronabedingt zunächst auf dieses Jahr und nun auf den 11. Juni 2022 verschoben. Ist es weiterhin für Sie das Größte, ein Konzert auf dem „Betze“ geben zu dürfen?
Natürlich! Verrückt. Ich war so kurz davor, im Stadion, auf dem Betzenberg ein Konzert spielen zu dürfen. Nicht irgendwie als Programmpunkt in einer Halbzeit, sondern ein eigenes Konzert, für das die Leute kommen. Das ist für mich nach wie vor unvorstellbar. Dann kam eine globale Pandemie dazwischen. Nun ist es noch abstrakter, sich das vorzustellen. Wenn wir das im Stadion nun machen werden, wird das für mich der Moment sein, wo das Leben wieder richtig losgeht. Ich hoffe sehr, dass es nächstes Jahr soweit sein wird.

„Rede nicht darüber, was bei mir zu Hause los ist“

Ist die Zeit aktuell vor der Album-Veröffentlichung vergleichbar wie kurz vor Weihnachten?
Nein, finde ich nicht. Das ist eher so, wenn du viele Leute zu einer Party eingeladen hast, hast alles vorbereitet, die Chips bereitgestellt, die Drinks kalt gestellt und wartest auf den ersten Gast im Partyraum.

Sie haben vor zwei Jahren damit begonnen, eine Songliste zu erstellen. Nun ist mit „Musketiere“ ein Album daraus geworden. Wie oft haben Sie diese Liste geändert – gerade auch mit Blick auf die Corona-Pandemie, die auch Ihr Leben komplett verändert hat?
Ein Album ist immer ein Prozess. Eigentlich hatte ich gar nicht vor, ein Album zu produzieren. Ich habe dann während des ersten Lockdowns „Übermorgen“ geschrieben. Das war der Startschuss. Es ist wie immer bei mir: Das Album handelt von den letzten beiden Jahren, davon, was in dieser Zeit bei mir passiert ist. Das war eine sehr spezielle, interessante Zeit. Etwas anders ist diesmal, dass es wie eine Geschichte ist. Vom ersten bis zum letzten Song wird eine Story erzählt.

Sie haben sich dazu entschlossen, über Ihr Privatleben nicht zu reden, aber darüber zu singen. Wie schwer fällt dies, wenn Sie in Berlin gefühlt keinen Schritt vor die Tür setzen können ohne fotografiert oder gefilmt zu werden?
Es fühlt sich für mich, ehrlich gesagt, nicht so schlimm an. Ich glaube auch, dass das die Leute gar nicht so sehr interessiert, wenn ich zum Bäcker gehe. Ich muss damit umgehen. Ich habe mir irgendwann überlegt, dass ich darüber, was bei mir zu Hause los ist, nicht reden möchte, aber in Liedern genau darüber singen will. Ich bin in Songs maximal offen, rede in Interviews aber nicht darüber.

Ein ganz spezieller Chor

Sie haben sich wieder dazu entschieden, mit Streichern und Chorgesang zu arbeiten.
Ich mag es sehr, wenn viele Menschen zusammen Musik machen. Wenn 15 Köpfe gemeinsam ein Lied singen oder ihre Streichinstrumente anstimmen, dann passiert etwas Magisches. Bei dieser Platte konnte ich nicht wie sonst reisen. Zuvor hatte ich gefühlt eine Weltreise unternommen, um bestimmte Chöre oder Menschen zu treffen und aufzunehmen. Diesmal haben wir das allermeiste in Berlin aufgenommen, was auch toll war. Ich wollte wieder einen Gospelchor dabei haben. So habe ich nun die besten Sänger angerufen, die mir eingefallen sind. Fast alle haben zugesagt, und es ist ein großartiger Chor entstanden. Da sind ein paar wunderbare Momente im Studio entstanden.

Wie sehr sind Sie bei einer Albumproduktion Perfektionist?
Ich bin nicht wie Bruce Springsteen, der von seiner Band verlangt, 300 Versionen einzuspielen. Wenn das nach 20 Versionen für mich noch totaler Quatsch ist, dann sind wir auf einem falschen Dampfer. Ich habe für dieses Album zum Beispiel mehrere Streichorchester ausprobiert. Ich konnte wegen Corona nicht nach London zu Rosie Danvers. Also haben wir es mit einigen Orchestern aus Deutschland probiert. Aber ich konnte es irgendwie nicht fühlen. Am Ende haben wir uns dazu entschieden, es doch mit Rosie zu machen – über eine Videokonferenz.

„Ich liebe es, in Winnweiler zu sein“

Wie sehr fehlt Ihnen die Pfalz, fehlt Ihnen Winnweiler, wo Sie aufgewachsen sind, Kaiserslautern, wo Sie geboren wurden?
Ich war schon eine Weile nicht mehr da. Normalerweise schaue ich mal vorbei, wenn ich in der Nähe bin. Ich bin aber gerade nicht unterwegs, sondern die allermeiste Zeit in Berlin. Es ist kein Geheimnis: Ich liebe es, in Winnweiler zu sein, liebe es, in Kaiserslautern auf dem „Betze“ zu sein. Ich liebe es am allermeisten, in einem Radius von 100 Kilometern um Winnweiler herum Konzerte zu spielen. Das sind für mich alles Heimspiele. Natürlich bin ich aber weiterhin mit allen meinen Kindheitsfreunden in Kontakt. Ich setze mich da auch für Projekte ein, die karitativer Art sind. Da wird in nächster Zeit noch was kommen.

Mark Forsters neue Single: Eine Botschaft.

Zur Person: Mark Forster

Die vorab veröffentlichte Single „Musketiere“ gab schon einmal einen Einblick in das gleichnamige fünfte Studioalbum von Mark Forster. Hierbei handelt es sich um eine emotionale Botschaft an seinen kleinen Sohn – da sind sich seine Fans sicher. Schon als Kind begann Forster, der mit bürgerlichem Namen Marek Cwiertnia heißt und in Kaiserslautern geboren wurde, mit dem Klavierspielen, später auch mit dem Schreiben von Songs. Seine ersten musikalischen Schritte machte er in der Nordpfalz am Winnweilerer Wilhelm-Erb-Gymnasium mit seiner Schulband „Geropoco“.

Später zog es ihn als Pianist, Sänger und Songwriter nach Berlin, wo er unter anderem Musik und Jingles für das Fernsehen schrieb. Mit seiner ersten Single „Auf dem Weg“ landete Forster 2012 einen Ohrwurm. „Au Revoir“, seine erste Single aus seinem zweiten Album „Bauch und Kopf“, wurde 2014 zum Sommerhit. Der heute 38-Jährige ist regelmäßiger Gast in Fernsehshows, ist Jurymitglied bei „The Voice“ und zählt zu den aktuell erfolgreichsten deutschen Popmusikern.

Der doppelte Forster: Der Popstar steht bei Madame Tussauds in Berlin neben seiner Wachsfigur.
Der doppelte Forster: Der Popstar steht bei Madame Tussauds in Berlin neben seiner Wachsfigur.
Herzig: So sieht das Cover des neuen Albums aus.
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