Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Lisa Bassenge mag Songs mit einfachen Wahrheiten und schönen Melodien

Dieses Foto von Lisa Bassenge ziert auch das CD-Cover.
Dieses Foto von Lisa Bassenge ziert auch das CD-Cover.

Für ihre betörende Stimme und ihre Entdeckungslust wird die Berliner Sängerin Lisa Bassenge gefeiert. Beim neuen Album „Wildflowers“ mischt sie Country und Jazz.

Gratulation zur neuen CD „Wildflowers“, die nach „Borrowed and Blue“ aus dem Jahr 2018 und „Mothers“ von 2020 Ihre Trio-Trilogie mit Jacob Karlzon am Klavier und Andreas Lang am Bass abschließt.
Danke. Mit den CDs ist das ja auch so ein Ding. Wer macht heute noch CDs? Meine ganzen Schüler lachen mich aus, wenn ich ihnen meine CDs zeige. Eine CD hat wirklich nicht mehr diesen Wert, den sie früher einmal hatte. Und ich freue mich, dass das neue Album auch auf Vinyl herauskommt, denn Vinyl ist für mich immer noch ein bisschen wertiger. Das geht mir schon so, seit die ersten CDs auf den Markt gekommen sind.

Sind Sie zufrieden mit „Wildflowers“ oder würden Sie aus heutiger Sicht hier oder da gerne noch was ändern?
Das Album war schon irgendwie ein Schnellschuss, aber ich finde es gut – auch wegen der Art, wie wir arbeiten: Wir treffen uns ein paar Mal und überlegen, wie wir ein Projekt angehen. Dann haben wir ein bis zwei Proben und gehen danach direkt ins Studio, wo wir letztlich entscheiden, wie die Songs arrangiert werden. Das empfinde ich als eine schöne Arbeitsweise, weshalb ich mit dem Album auch sehr zufrieden bin – auch weil es durch nicht so ganz perfekt durchproduziert ist.

Haben Sie die Songs dann auch live im Studio eingespielt?
Ja klar.

Wie lange waren Sie dafür im Studio?
Das ganze Album haben wir in zwei Tagen eingespielt.

Sie arbeiten mit dem Pianisten Jacob Karlzon aus Schweden und ihrem Ehemann, dem dänischen Bassisten Andreas Lang zusammen. Wie kommt es, dass es in Skandinavien so viele gute Jazzer gibt? Haben die eine andere Herangehensweise an die Musik?
Ich finde, dass Musiker aus Skandinavien eine gewisse Weite in der Musik transportieren. So klingt der skandinavische Jazz für mich wie eine Naturlandschaft. Und dass es in Skandinavien so viele exzellente Musiker gibt, liegt unter anderem an den sehr guten Förderprogrammen dort. Der Jazz erfährt in diesen Ländern außerdem eine ganz andere Anerkennung, weshalb dann auch die Förderinstrumente gut greifen.

Weil Sie gerade die Schublade aufgezogen haben: Würden Sie Ihre Musik als Jazz bezeichnen?
Es kommt sicher immer ein bisschen darauf an, wer sie hört. Sie ist vielleicht Jazz, weil improvisierte Teile darin sind, weil ich mit Jazz-Musikern zusammenspiele und weil meine Stimme so einen Klang hat, den man mit Jazz verbindet. Aber Jazz ist ja ein sehr weites Feld, weshalb eine Einordnung immer etwas schwierig ist. Ich glaube nicht, dass Jazzmusiker über mich sagen, ich sei eine Jazzmusikerin – aber Popmusiker sagen vielleicht, dass ich eine Jazz-Musikerin bin.

Welches Konzept steckt hinter Ihrer Album-Trilogie, die mit „Wildflowers“ abschließt?
Das Konzept war für jede Platte ein wenig anders. Das erste Album enthält Lieder, die Andreas und mich verbinden, weil wir in dem Jahr, in dem es herauskam, auch geheiratet haben. Das zweite Album war nur von Frauen geschrieben, und das dritte enthält jetzt einfach Lieder, die ich besonders mag, weil sie ganz tolle Texte haben – mit einfachen Country-Wahrheiten zum Beispiel. Das andere Konzept, das dahinter steht, ist dieser Trio-Sound, der irgendwie einzigartig ist.

Sind Sie ein Fan von Country-Musik?
Ich mag Country schon immer, wobei dieser Redneck-Country nicht so meine große Liebe ist. Aber ich mag gutes Songwriting, also Leute die fundamentale, einfache Wahrheiten mit schönen Melodien und eingängigen Akkorden verbinden. Das ist etwas, was mir sehr zusagt. Dieses American Songwriting von Willie Nelson, Tammy Wynette oder auch von Dolly Parton, die eine unglaublich tolle Songwriterin ist.

Was ist die Kunst beim Covern von Songs?
Ich versuche immer, den Song zu meinem eigenen zu machen, ihn also so weit in eine Form zu bringen, dass ich einen Bezug dazu finde, dass ich mich innerlich darauf einlassen kann, ich mich damit wohlfühle und dass ich es schaffe, die Aussage des Songs zu meiner eigenen zu machen. Das geht dann weit über das reine Nachspielen hinaus. Ich versuche, eine Version zu schaffen, die mich selbst berührt und mit der ich es schaffe, auch andere zu berühren.

Gehen wir ein paar Jahre zurück: Sie haben ja auch deutschsprachige Alben aufgenommen. Warum singen Sie jetzt ausschließlich Englisch?
Nun, ich schreibe immer noch auf Deutsch und habe da auch wieder ein paar Songs, die ganz bestimmt irgendwann ihren Platz auf einem Album haben werden.

Ist es nicht besonders herausfordernd, in der Muttersprache zu schreiben, denn über die kann man nicht so leicht hinweghören, und dann ist schnell eine Schublade aufgezogen, in der ein Lied wegen Nichtgefallens verschwindet? Da kann die Musik noch so schön sein.
Ich habe gerade mal wieder etwas von Jan Delay gehört und festgestellt, dass das tierisch groovt. In dem Moment habe ich gar nicht auf den Text geachtet. Aber im Grunde ist mir der Text schon sehr wichtig. Deshalb habe ich da auch eine innere Grenze, und mir sind beim Schreiben auch schnell mal Sachen unangenehm.

Heißt das, dass bei Ihrem Songwriting zuerst die Texte entstehen und dann erst die Musik?
Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal entsteht auch beides gleichzeitig oder ich habe eine Idee für eine Melodie über die ich dann einen Text schreibe.

Nach dem Album ist vor dem Album. Wann erscheint das nächste und was wird darauf zu hören sein?
Ich habe gerade ein paar Sachen aufgenommen und würde gerne ein Doppelalbum machen – eine Hälfte Deutsch und eine Hälfte Englisch, denn ich habe in beiden Sprachen ziemlich viel geschrieben. Mal sehen. Wenn ich jetzt noch mehr auf Deutsch schreibe, dann mache ich vielleicht auch noch mal ein ganzes deutsches Album.

Bitte nennen Sie drei Gründe, das Album „Wildflowers“ zu kaufen.
Eine mega-tolle Stimme, ein unfassbar gutes Klavierspiel und ein unglaublich schönes Bassspiel.

Zur Person

Lisa Bassenge, Sängerin und Songschreiberin, musiziert aus Berlin heraus in die ganze Welt. Ihre musikalische Basis ist der Jazz, doch sie ist in ganz unterschiedlichen Stilen und Genres unterwegs. Neben ihrer Solo-Karriere war sie die Frontfrau der Band Nylon und ist es nach wie vor bei Micatone. Lisa Bassenge tourte bereits durch zahlreiche Länder Europas und Asiens. Sie ließ ihre warme Stimme mit der WDR- und der NDR-Bigband erklingen und hat bei ihren Aufnahmen mit Größen wie dem dem Drummer Vinnie Colaiuta (Frank Zappa, Barbra Streisand, Billy Joel) oder dem Produzenten Larry Klein (Joni Mitchell, Melody Gardot) gearbeitet. Mit ihren verschiedenen Projekten hat sie bisher bereits 18 Alben veröffentlicht.

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