Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Klaviertrios mit Weltklasse-Solisten im BASF-Feierabandhaus

Jean-Yves Thibaudet
Jean-Yves Thibaudet

So was gibt es nicht alle Tage: Jean-Yves-Thibaudet (Klavier), Lisa Batiashvili (Geige) und Gautier Gautier Capuçon (Cello) mit einem Klaviertrio-Abend in Ludwigshafen.

Lisa Batiashvili ist ohne Frage eine ganz hervorragende Geigerin, viel gerühmt für ihre makellose Virtuosität und dekoriert mit zahlreichen Preisen. Beim Pianisten Jean-Ives Thibaudet verhält es sich ganz ähnlich, auch er hat eine bemerkenswerte Solokarriere gemacht und zusammen mit so ziemlich allen bedeutenden Orchestern der Welt musiziert. Und auch der Cellist Gautier Capuçon, dessen musikalische Ausdrucksfähigkeit immer wieder gelobt wird, zählt genau wie seine beiden KollegInnen auf seinem Instrument zur Weltspitze.

Lisa Batiashvili
Lisa Batiashvili

Der Abend begann mit dem Klaviertrio Nr. 1 c-Moll, das Dmitri Schostakowitsch im zarten Alter von 17 Jahren komponierte, während seines Studiums in St. Petersburg. Das Werk ist einsätzig und mit einer Aufführungsdauer von knapp einer Viertelstunde untypisch kurz. Charakteristisch sind ein Klagemotiv, das gleich zu Beginn vom Cello vorgestellt wird, ein vital-temperamentvolles erstes und ein lyrisches zweites Thema. Schon hier zeigt sich das Besondere an der Handschrift der Interpreten: Sie gehen künstlerischen Extremsituationen nie aus dem Weg. Es gibt eine Stelle im Cellopart, die Gautier Capuçon so vorsichtig und leise spielte, dass man sich fragte: Spielt der denn überhaupt? Ja, das tut er. Dieser extremen Zurückhaltung stehen Temperaments-Explosionen besonders von Lisa Batiashvili gegenüber, die stürmischer nicht sein könnten.

Gautier Capuçon
Gautier Capuçon

Es mag ein Zufall sein, aber es ist ein Zufall mit Aussagekraft: Zwei der drei Werke an diesem Abend entstanden ganz am Anfang der jeweiligen kompositorischen Laufbahn, und sie wurden erst viel später komplettiert. Schostakowitschs erstes Klaviertrio erlebte erst 1983, also acht Jahre nach dem Tod des Komponisten, seine endgültige Fassung – inklusive jener 22 Takte, die Schostakowitschs Schüler Boris Titschenko aus den nachgelassenen Manuskripten ergänzt hatte. Im Falle des 1880 entstandenen Klaviertrios G-Dur des 18-jährigen Claude Debussy fehlten lange Zeit gleich drei komplette Sätze, die erst 1982 im Nachlass eines Debussy-Schülers auftauchten. Dem Werk wurde mehrfach der Vorwurf der Süßlichkeit gemacht. Ebenso könnte man aber auch von Klarheit und melodischer Schönheit sprechen, die Streicher-Kantilenen verschmelzen aufs Wunderbarste miteinander, sie begleiten sich gegenseitig.

Ein ganz anderes Kaliber ist Antonín Dvořáks drittes Klaviertrio f-Moll – der Gegenentwurf zur von Dvořák lange gepflegten slawischen Volkstümlichkeit. Dvořák verehrte Brahms, und in diesem Trio verleiht er dieser Verehrung tönenden Ausdruck. Es handelt sich nicht nur um die substanziellste Komposition dieses Konzertabends, sondern auch um eines der gewichtigsten Werke Dvořáks überhaupt. Hier erwiesen sich die ins Extreme zielenden Interpretationen der drei Musizierenden als absolut angemessen – gleichgültig, ob es sich um die selbstverständlich perlenden Klavier-Kaskaden von Jean-Ives Thibaudet handelt, um den sehnig-sinnlichen Cello-Ton von Gautier Capuçon oder um die quirlige, hochvirtuose Geigenbehandlung von Lisa Batishvili. Eine Zugabe gab es auch: den Soundtrack einer Filmmusik, die in dieser Form zum ersten Mal erklang. Eine Uraufführung als Zugabe: das gibt es auch nicht alle Tage.

Mehr zum Thema
x