Kommentar Kein schlechter Start für neue Berlinale-Chefin

Tricia Tutlle leitete erstmals die Berlinale, Deutschlands einziges A-Filmfestival.
Tricia Tutlle leitete erstmals die Berlinale, Deutschlands einziges A-Filmfestival.

Die neue Chefin hat ihre erste Berlinale weitgehend erfolgreich über die Bühne gebracht.

Tricia Tuttle hatte wahrlich keine einfache Aufgabe: Ausgerechnet zum 75-jährigen Bestehen des einzigen deutschen A-Festivals übernahm sie die Berlinale, in politisch bewegten Zeiten, in denen jedes „falsche“ Wort zum Skandal werden kann. Freundlich, sich selbst zurücknehmend, bisweilen etwas unverbindlich gibt sich die US-Amerikanerin.

Die in der Branche hoch geschätzte 55-Jährige betont gern Gemeinsamkeiten, wirbt für Zusammenhalt, für offene Augen und Herzen sowie ein Sich-Einlassen auf die Komplexität der Welt. Doch manche mögen lieber einfache Wahrheiten. Und so ermittelt der Staatsschutz, da ein chinesischer Regisseur aus einem Brief seines iranischen Darstellers las, der mit einem Hamas-Slogan Israel jedes Existenzrecht abspricht. Das sorgte verständlicherweise für Empörung. Dennoch: Tausende andere Menschen kauften sich wieder Kinokarten, um freudig und neugierig einzutauchen in Geschichten aus aller Welt, in traurige und verstörende, aber auch spannende, tröstliche, mutmachende.

Kein politisches Signal

Der Wettbewerb setzte auf oft hoch symbolische Filmkunst, die Jury entschied sich erfreulicherweise jedoch weitgehend für Filme, die mit einer besonderen Wärme und Menschlichkeit auf ihr Personal blicken. Und sie würdigte Filme, die von Erfahrungen von Frauen erzählen, die nach wie vor seltener im Mittelpunkt großer Kinogeschichten stehen als Männer.

Ein eindeutiges politisches Zeichen wollte die Jury aber nicht setzen. Und so blieb der als Favorit geltende ukrainische Dokumentarfilm überraschend ohne Bär.

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