Kultur
Kaiserslautern: Pfalztheater-Orchester erobert barockes Terrain
Ein zum großen Teil aus Musikern und Musikerinnen des Theaterorchesters gebildeter Klangkörper hatte Repräsentanten der historischen Aufführungspraxis – wie die zweite Blockflötistin Marie Deller und die Geigerin Barbara Mauch-Heinke – in seine Reihen eingeladen. Werke wie Händels Orchestersuite „Wassermusik“ oder das erste Brandenburgische Konzert von Bach profitierten vom stets fordernden Dirigat des Pioniers für Alte Musik, Michael Schneider: Dieser ist Mitbegründer der Camerata Köln und leitet das Barockorchester „La Stagione Frankfurt“. Seine charismatische Persönlichkeit mit dem Hang zum straffen rhythmischen Impuls, dem gestalterischen Nachdruck und bewegten Tempi und spannungsgeladenen, an Intensität niemals nachlassenden Sätzen übertrug sich auf alle Pulte.
Bach und Vivaldi mit Bravour und Geist
Zusammen mit der Flötistin Marie Deller gab er Kostproben seines virtuosen Könnens auf der Alt-Blockflöte im vierten der Brandenburgischen Konzerte. Zum herausragenden Höhepunkt geriet aber dann das Concerto für Sopranino-(Piccolo-) Blockflöte von Vivaldi: Auf engstem Raum liegen die winzigen Tonlöcher des Instruments beieinander, und Michael Schneider zauberte faszinierende virtuose Figurationen, brillante Umspielungen und im Largo elegante Auszierungen hervor, con bravura und con spirito!
Nur mit hauseigenen Musikern – lediglich am Cembalo die Schneider-Schülerin Sabine Bauer – war auch dem rhythmisch heiklen sechsten Brandenburgischen Konzert ein achtbarer Erfolg beschieden: Die ungewöhnliche Besetzung ohne Bläser und Violinen, dafür mit Bratschen als führende Stimme, sowie Gamben, Celli und Generalbass, und die eng geführten rhythmischen Verschiebungen sorgten zwar für bestrickende Klangreize; mitunter aber auch gelegentlich für kleinste Unsicherheiten im Zusammenspiel. Insgesamt aber eines der besten Konzerte der letzten Jahre der Städtischen Reihe mit Beteiligung des Pfalztheater-Orchesters.