Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel Künstlerhaus Edenkoben: „Gedenken“ an die toten Dichterfreunde

Maßgeblich für das Künstlerhaus: Huchel-Presiträger Gregor Laschen.
Maßgeblich für das Künstlerhaus: Huchel-Presiträger Gregor Laschen. Foto: privat

„Sterben die Sänger, / singe ich weiter. // Sterbe ich selber, / singen sie mich“, heißt es in Arnfrid Astels Gedicht „Zikaden“. Im Brotberuf Journalist, wurde er in München geboren. Er starb vergangenes Jahr in Trier. Und gilt trotzdem als saarländischer Dichter. Astel war ein guter Freund des Künstlerhauses Edenkoben. Dort wird er jetzt am Sonntag posthum gewürdigt.

Erinnerung an Spiritus Rector Gregor Laschen

„Gedenken“ ist die Veranstaltung betitelt, die Astel zusammen mit anderen Toten ehrt, die zeitlebens dem Haus verbunden waren, so wie Hans Bender (1919 bis 2015), der genialische Anthologie-Herausgeber und subtile Minimalist. Oder maßgeblich wie Gregor Laschen, dem der heutige Status als international beachtete Institution mit zu verdanken ist. Laschen war lange Jahre der künstlerische Spiritus Rector in Edenkoben, ein herzenswarmer Mann, Erfinder der einflussreichen Übersetzerwerkstatt „Poesie der Nachbarn“. Er selbst wurde 1996 für seinen Gedichtband „Jammerbugt Notate“ mit dem bedeutenden Huchel-Preis geehrt.

Harigs Reflexionen

Moderatoren des literarischen Requiems sind der preisgekrönte Dichter und künstlerische Leiter des Hauses, Hans Thill, und Michael Braun, Heidelberger aus Hauenstein, Kerr-Preisträger für Literaturkritik, der auch für die RHEINPFALZ schreibt. Beide sind mit allen Geehrten bekannt gewesen, mitunter befreundet sogar. Sie werden an Ludwig Harig (1927 bis 2018) erinnern, einen der Hauptvertreter der Konkreten Poesie und Autor wichtiger Romane wie „Ordnung ist das halbe Leben“, in denen er mit großer Unbedingtheit noch einmal seine Zeit als glühender Jung-Nazi und Schüler einer nationalpolitischen Erziehungsanstalt überdenkt.

Anthologie über Hauskater Nero

Der vielfach ausgezeichnete Leningrader Poet Oleg Jurjew wird zur Sprache kommen, 2018 gestorben, mit 59. Gedichte werden zu hören sein, Interpretationen, Anekdoten – Jurjew zum Beispiel hat dafür gesorgt, dass eine eigene Anthologie über den Edenkobener Hauskater Nero erschienen ist. Bei Rolf Haufs (1935 bis 2013) wird bestimmt noch einmal seine Lakonie aufscheinen, sein Witz, seine Melancholie. Bei Kito Lorenc (1938 bis 2017) schließlich wird es um seine sorbischen Wurzeln gehen. Auch Peter Handke schätzte ihn. Im Netz sieht und hört man so den aktuellen Literaturnobelpreisträger Gedichte von Lorenc rezitieren. „Sterbender Häher“ zum Beispiel. „Immer“, heißt es darin, „geht es um die Liebenden oder die Sterbenden, in ihnen nur lebt die Welt ganz“.

Termin

„Gedenken“, am 8. Dezember im Künstlerhaus Edenkoben, Beginn: 11 Uhr. www.künstlerhaus-edenkoben.de

Gedenken auch an ihn: Ludwig Harig.
Gedenken auch an ihn: Ludwig Harig. Foto: dpa
Ein Freund: Oleg Jurjew
Ein Freund: Oleg Jurjew . Foto: Suhrkamp verlag / Schorr
In Erinnerung geblieben: Arnfrid Astel.
In Erinnerung geblieben: Arnfrid Astel. Foto: uni saarbrpcken
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