Tipp Hack goes Punk: Vernissage der Raymond-Pettibon-Schau in Ludwigshafen

Sein berühmtestes Cover (hier ein Ausschnitt) entstand 1990 für die Sonic-Youth-LP „Goo“.
Sein berühmtestes Cover (hier ein Ausschnitt) entstand 1990 für die Sonic-Youth-LP »Goo«.

Bei der Vernissage am Samstag wird aufgelegt: Hartes Zeug, Punk. Das Museum zeigt den US-Kunststar Pettibon als Zeichner von Plattencovern.

Raymond Pettibon ist in der Kunstszene weltberühmt. Wer den US-Künstler nicht kennt, kennt ihn vielleicht aus dem Plattenregal: als Zeichner der Hülle der „Goo“-Platte von Sonic Youth. Einer Noise-Rock-Band. Sehr cool, die Werkschau mit Pettibons Album- und Kassettencovern im Wilhelm-Hack-Museum. „Nervous Breakdown: Raymond Pettibon – Album Covers“ heißt die Ausstellung, die auf der Sammlung des früheren Modeberaters und Werbemanns Stefan Thull aus Heppenheim beruht. Nervenzusammenbruch: Der Titel verspricht nicht zu viel. Die Zeichnung des titelgebenden Covers jedenfalls zierte die 1979 erschienene EP der legendären Hardcore-Punkband Black Flag, der Band von Raymond Pettibons Bruder Greg. Sie zeigt eine Schlägereiszene aus dem Rock’n’Roll-Film „Blackboard Jungle“ aus dem Jahr 1955; Sidney Poitier hatte darin seine erste Filmrolle. Es geht um Rebellion. Pettibons Arbeiten sind keine hübschen Hüllen, sondern visuelle Kurzschlüsse: Zeichnungen, in denen Text und Bild einander belauern, Pop in Paranoia kippt, A- und B-Seite des American Dream aufscheinen. Die Plattenhülle als Kunstform: Das Museum knüpft mit dem „Kabinettstück“ an den eigenen Bestand von Künstlerschallplatten an.

Erst Mathe, dann Hardcore

Dass Pettibon, dessen Werk in großen internationalen Häusern und Schauen ausgestellt wird, ausgerechnet über Cover berühmt wurde, war nicht abzusehen, aber folgerichtig. Ursprünglich hatte der manische Zeichner und Leser BWL studiert und ein Jahr als Mathelehrer gearbeitet. Aber kaum jemand hat die Ästhetik von Punk, Pop und US-typischer Gegenwartsneurose nebenbei so präzise auf den Punkt gebracht. Im Museum wird sichtbar, dass diese Blätter nie bloß Verpackung waren, eher Haltung, Störung, Kommentar. Wer hingeht, bekommt keine Nostalgieschau, sondern eine Art Crashkurs darin, wie laut man mit dem Zeichenstift sein kann. Außerdem ist der auf Deutsch und Englisch erschienene Katalog ein Ereignis. (Ausführlicher Bericht folgt.)

Termine

Vernissage ist am Samstag, 25. April, 17 bis 20 Uhr im Hack-Museum, unter anderem mit einem Gespräch mit Max Dax, Robert Eikmeyer und Ulrich Loock, moderiert von René Zechlin. Timo von Anker legt auf. Die Schau läuft bis zum 20. September.

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