DVD-Tipp RHEINPFALZ Plus Artikel Großer Spaß: Adolph Adams Oper „Postillon de Lonjumeau“

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Jeder Opernliebhaber kennt das Lied des Postillon de Lonjumeau mit seinem spektakulären hohen D, aber kaum jemand die ganze gleichnamige Oper von Adolphe Adam, uraufgeführt 1836. Nun ist die entzückende, ungemein witzige und spritzige musi-kalische Komödie erstmals auf DVD erschienen, in einer herrlich verrückten Produktion der Opéra de Rouen Normandie – aufgezeichnet 2019 in der Pariser Opéra Comique.

Alles beginnt mit einer wunderbar idyllischen Bauernhochzeit im Jahr 1760. Doch dann singt der Bräutigam auf Drängen der Festgesellschaft erneut sein berühmtes virtuoses Lied. Das hört der für die Bespaßung am Hof Ludwigs XV. Verantwortliche und engagiert Chapelou für viel Geld und Ruhm nach Paris. Erst zehn Jahre später trifft er als Saint-Phar die noch vor der Hochzeitsnacht ohne Nachricht verlassene Madeleine unter dem Namen Madame de Latour wieder. Weil der Filou auch ihr die Hochzeit verspricht, landet er beinahe wegen Bigamie am Galgen. Doch die Ehefrau rettet ihn, nachdem sie ihn in einem wunderbaren Showdown gehörig hat zappeln lassen.

Musik zwischen Rossini und Offenbach

Allein diese Handlung mit brillanten, gesprochenen Dialogen auf Französisch ist einem Feydeau, Marivaux oder Molière ebenbürtig. Doch die hinreißend ironische Musik – irgendwo zwischen Rossini und Offenbach – veredelt das Ganze noch einmal. Vor allem die beiden Hauptpartien sind ebenso anspruchsvoll wie dankbar.

Und diese beiden sind ein ideales Paar: Der famose Tenor Michael Spyres, eigentlich ein Baritenore, also ein Sänger mit fulminanter Höhe und sinnlicher Bariton-Tiefe, aber auch ein herrlich selbstironischer Darsteller, und Florie Valiquette, ein leichter, ungemein beweglicher Sopran mit Spielwitz. Ob solistisch oder in Duetten, die zum Schwersten und zugleich Schönsten zählen, das die leichte musikalische Muse zu bieten hat: das Entzücken kennt beim Zuhören und Zuschauen keine Grenzen. Denn Regisseur Michel Fau gibt im psychedelischen Farbrausch des Bühnenbilds von Emmanuel Charles und angesichts der überbordenden Kostüme von Modeschöpfer Christian Lacroix dem Affen so richtig Zucker, lässt keine Gelegenheit für Slapstick wie Situationskomik aus und spielt auch selber noch das Dienstmädchen Rose.

Eine pralle Boulevard-Komödie

Anfangs sprengt diese geballte Ladung Boulevard-Komödie den Bildschirm ein wenig, doch bald ist das Vergnügen grenzenlos und man fragt sich, warum die herrliche französische Opéra comique zwar ein Dauerbrenner war in Paris und auch hierzulande viel gespielt wurde, heute aber nicht mehr zum Kern-Repertoire neben den entsprechenden Werken Rossinis und Donizettis zählt. Mit dieser DVD könnte sich das für Adolphe Adams Meisterwerk ändern.

Denn auch das wunderbar moussierende Orchestre de l’Opéra de Rouen Normandie sorgt unter Sébastien Rouland für musikalischen Hochglanz und eine lustvolle Ausformung der detailreichen, brillanten Partitur.

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