US-Filmpreise RHEINPFALZ Plus Artikel Golden Globes: Steven Spielberg und „The Banshees Of Inisherin“ vorn

Ein Mann und sein Esel: Colin Farrell spielt im dreifach ausgezeichneten Film „The Banshess Of Inisherin“ einen irischen Hirten
Ein Mann und sein Esel: Colin Farrell spielt im dreifach ausgezeichneten Film »The Banshess Of Inisherin« einen irischen Hirten mit eher schlichtem Gemüt, der nicht wahrhaben will, dass sein bester Freund ihn »einfach nicht mehr mag«.

Steven Spielbergs bislang persönlichster Film, „The Fabelmans“, und „The Banshees Of Inisherin“, ein Gleichnis über zwei irische Sturköpfe, haben bei der 80. Verleihung der Golden Globes die beiden Hauptpreise gewonnen. Erstmals seit der Pandemie gab es wieder eine große Gala – und ein wenig Selbstkritik.

Die Golden Globes gelten traditionell als Gradmesser für die Oscarverleihung, obwohl sie die Hauptkategorien doppeln – es wird zwischen Drama und Comedy/Musical unterschieden. Die Preise haben zudem nicht nur wegen der Pandemie zuletzt an Bedeutung verloren. Dass ein Filmkritiker-Klüngel meist älterer weißer Herrschaften als Vertreter von Hollywoods Auslandspresse alles entscheidet, stand ebenso in der Kritik wie die Auswahl der Werke, in denen nicht allzu viel Vielfalt geherrscht habe.

Fragen der Vielfalt

Nun haben zwar wieder Filme nicht mehr junger weißer Männer gewonnen – Spielberg ist 76, der „Banshees“-Regisseur Martin McDonagh 52. Doch waren auch wieder einige Darsteller mit dunklerer Hautfarbe oder asiatischen Wurzeln nominiert, darunter erstmals eine Philippinin (Dolly De Leon für die schwedische Erfolgssatire „The Triangle Of Sadness“) und die Malaysierin Michelle Yeoh, die denn auch als beste Komödiendarstellerin siegte.

Gewann als beste Hauptdarstellerin in einer Komödie: Michelle Yeoh aus „Everything Everywhere All at Once“.
Gewann als beste Hauptdarstellerin in einer Komödie: Michelle Yeoh aus »Everything Everywhere All at Once«.

Aber sind die Nominierungen ihrer Kunst geschuldet oder dienen sie der Quote oder Beruhigung der Gemüter? Diese unbequeme Frage stellte Moderator Jerrod Carmichael zu Beginn der Gala. Er sei nur hier, weil er schwarz sei, scherzte er.

Jerrod Carmichael moderierte die Gala.
Jerrod Carmichael moderierte die Gala.

Es dürfte ihm eine Genugtuung gewesen sein, dass Eddie Murphy für sein Lebenswerk geehrt wurde und es später Preise für afroamerikanische Stoffe gab, etwa die Schul-Comedyserie „Abbott Elementary“, oder für Angela Bassett (beste Nebenrolle in „Black Panther: Wakanda Forever“) und Schauspielerin Zeldana (für die Serie „Euphoria“).

Dreifach prämiert, darunter als beste Komödienserie und für die Hauptdarstellerin: „Abbott Elementary“, hier die Gewinnerinnen (
Dreifach prämiert, darunter als beste Komödienserie und für die Hauptdarstellerin: »Abbott Elementary«, hier die Gewinnerinnen (von links) Janelle James, Quinta Brunson (Hauptrolle), Lisa Ann Walter und Sheryl Lee Ralph.

Die goldenen Weltkugeln werden in 27 Kategorien verliehen. Mit drei Hauptpreisen war der achtfach nominierte Film „The Banshees Of Inisherin“ ein großer Gewinner. Dass der Film als Komödie geführt wird, dürfte das Kinopublikum allerdings verwundern: Viele Zuschauer empfinden den Stoff über das Zerbrechen einer Freundschaft zweier Männer, die auf einer winzigen irischen Insel leben, als düster und keineswegs lustig. Schließlich fließt reichlich Blut. Der Preis für Hauptdarsteller Colin Farrell, der liebevoll-zurückhaltend ein schlichtes Gemüt spielt, geht in Ordnung, wobei der für seinen mitreißenden „Elvis“ zu Recht geehrte Austin Butler ebenfalls im Gedächtnis bleibt.

Austin Butler gewann für die Hauptrolle in der Presley-Biografie „Elvis“.
Austin Butler gewann für die Hauptrolle in der Presley-Biografie »Elvis«.

Auch hätte die mit vielen Songs gespickte Presley-Biografie als Musical durchgehen können und besser als die „Banshees“ in die Kategorie Komödie/Musical gepasst. Auch hat „The Banshees Of Inisherin“ Längen und reicht nicht an die Qualität von Martin McDonaghs Oscarerfolg „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ heran. Als Gleichnis über Ursachen von Krieg aber passt der 1923 spielende Stoff in die Zeit.

Kein Globe für Deutschland

Der deutsche (Anti-)Kriegsfilm „Im Westen nichts Neues“ von Edward Berger, der in erster Linie eine Nominierung für die ungewöhnliche Musik von Volker Bertelmann verdient gehabt hätte, ging dagegen als „Bester nicht-englischsprachiger Film“ leer aus: Hier siegte der argentinische Politthriller „Argentinien, 1985“ über die Aufarbeitung der Militärdiktatur.

Stolz: Steven Spielberg mit seinem Regie-Globe und dem Globe für „The Fabelmans“ als bestes Drama.
Stolz: Steven Spielberg mit seinem Regie-Globe und dem Globe für »The Fabelmans« als bestes Drama.

In die Vergangenheit führt auch Steven Spielbergs Film „The Fabelmans“: Er widmet sich der Geschichte seiner eigenen Familie. Er habe sich lange nicht getraut, so persönlich zu werden, sagte Spielberg bei der Gala. Der Regisseur gilt nun auch als Oscarfavorit, vor der Verleihung (12. März) ist er auch Gast in Berlin: Die Berlinale ehrt ihn im Februar mit einem Goldenen Ehrenbären.

Die wichtigsten Preise

Film: „Die Fabelmans“ (Drama), „The Banshees Of Inisherin“ (Komödie); Hauptdarsteller: Austin Butler, „Elvis“ (Drama), Colin Farrell, „The Banshees Of Inisherin“ (Komödie); Hauptdarstellerin: Cate Blanchett, „Tar“ (Drama), Michelle Yeoh („Everything Everywhere All At Once“); Nebenrolle: Ke Huy Quan („Everything Everywhere All At Once“) und Angela Bassett („Black Panther: Wakanda Forever“); Regie: Steven Spielberg („Die Fabelmans“); Drehbuch: Martin McDonagh für „The Banshees Of Inisherin“; Nicht-englischsprachiger Film: „Argentina, 1985“ (Argentinien); Animationsfilm: „Guillermo del Toros Pinocchio“; Serie: „House Of Dragon“ (Drama), „Abbott Elemtary“ (Komödie); Miniserie „The White Lotus“

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