Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Filmfestival Max Ophüls Preis hat wieder die Vor-Corona-Größe

Der Mann und sein Hund: Albrecht Schuch in „Pfau – Bin ich echt?“ von Bernhard Wenger.
Der Mann und sein Hund: Albrecht Schuch in »Pfau – Bin ich echt?« von Bernhard Wenger.

Die Nachwuchsfilmer und das Publikum freuen sich: Das 46. Filmfestival Max Ophüls Preis im Januar kann mit über 150 Filmen wieder aus dem Vollen schöpfen.

Nachwuchsfilme sehen, darüber mit dem Publikum diskutieren, Preise vergeben – das macht das Saarbrücker Filmfestival um den Max-Ophüls-Preis aus. Die 46. Ausgabe findet vom 20. bis 26. Januar statt. Zur Eröffnung gibt es die späte Fortsetzung der No-Budget-Mockumentary „Muxmäuschenstill“, dem vierfachen Preisträgerfilm von 2004: „Muxmäuschenstill x“ von und mit Jan Henrik Stahlberg. Der erste Film ist inzwischen Kult, der Held eigentlich gestorben. War aber wohl doch nicht so, er lag nur im Koma. Mux, der Revolutionär, ist wieder da, will für eine gerechtere Gesellschaft kämpfen und das Land vom Neoliberalismus befreien. Die wilde Komödie hat erst passend zum Tag der Arbeit am 1. Mai Kinostart.

Einer der 13 Filme (Vorjahr: auch 13), die im Spielfilmwettbewerb um den mit 36.000 Euro dotierten Max-Ophüls-Preis laufen, hat einen Star als Hauptdarsteller und schon eine internationale Festivalgeschichte: „Pfau – Bin ich echt“?, der Debütfilm von Bernhard Wenger, war im September beim Festival von Venedig, einem der drei großen europäischen Festivals, in einer Nebenreihe zu sehen und im Oktober bei der Viennale in Wien. Albrecht Schuch (viermal Deutscher Filmpreis) spielt den Mitinhaber einer Agentur, bei der man sich einen Freund mieten kann, wenn man einen braucht. Schuch selbst ist so ein Freund, der alles Mögliche sein kann, nur nicht er selbst. Wahre Gefühle kennt er nicht, so verlässt ihn seine Freundin und der Mann mit dem irren Hund will lernen, was leben heißt – eine skurrile Komödie.

Szene aus dem Eröffnungsfilm „Muxmäuschenstill x“ von und mit Jan Henrik Stahlberg (vorne).
Szene aus dem Eröffnungsfilm »Muxmäuschenstill x« von und mit Jan Henrik Stahlberg (vorne).

Einen deutschen Filmpreis hat auch Sabine Timoteo, die Hauptdarstellerin des zweiten Spielfilms von Anatol Schuster: „Chaos und Stille“. Sie beschließt, ihren Mietern die Miete zu erlassen, trennt sich vom Eigentum und lebt fortan auf dem Hausdach. Das bleibt nicht unbemerkt: Anhänger und Gegner ihrer neuen Lebensform kommen vor das Haus und diskutieren, während die Stadt droht, im Chaos zu versinken.

Jule Böwe, Andreas Döhler und Defa-Star Hermann Bayer (81) sind die bekannten Gesichter in „Rote Sterne überm Feld“, dem Debütfilm von Laura Laabs. In der ostdeutschen Provinz wird eine Leiche aus dem Moor gezogen, und nun rätselt das ganze Dorf, wer das sein könnte. Dabei wird mit subtilem Humor deutsch-deutsche Geschichte verarbeitet.

Bei den anderen Spielfilmen ohne bekannte Namen kann man sich an Themen orientieren. Svenja Böttge, Festivalleiterin seit 2016, nennt gleich drei düstere Filme zum Komplex Trauer – Verlust – Tod („Ich sterbe, kommst Du?“, „Sew Torn“, „Bagger Drama“) und als Hauptthemen Familie, Female Empowerment, queere Identität, Männlichkeitsbilder und magischer Realismus.

Das Motiv des Festivalplakates
Das Motiv des Festivalplakates

Elf Filme wurden in den Dokumentarfilmwettbewerb aufgenommen, zehn in den für mittellange Filme und 23 in den Kurzfilmwettbewerb. Bei Letzterem gibt es mit Maren Eggert, die auch einen Deutschen Filmpreis hat („Icebergs“) und Sylvester Groth („Dog“) wieder zwei prominente Gesichter. Eingereicht wurden 1150 Filme, 151 sind im Programm (Vorjahr: 131), 30 Prozent sind von Frauen.

Mit einem Tribute wird Regisseur Christian Petzold geehrt, sein Hochschulabschussfilm „Pilotinnen“ feierte 1995 beim Max-Ophüls-Festival Premiere, später gewann er dort mehrere Preise. Gezeigt werden „Phoenix“, „Die innere Sicherheit“ und „Transit“. Petzold wird eine Masterclass halten.

Auf Besucher Rücksicht nehmen

Das erstmals wieder üppige Programm jenseits der Wettbewerbe enthält knapp hundert Filme, darunter vier Serien, den neuen SR-Tatort als Premiere, viele Kurzfilme, „Die Dreigroschenoper“ von dem in Saarbrücken geboren Regisseur Wolfgang Staudte und „The Reckless Moment“ von dem Festivalnamensgeber Max Ophüls (1902-1957), dem bedeutendsten Regisseur Saarbrückens.

Die Kartenpreise sind von zehn auf elf Euro gestiegen, ein Teil des Festivals kann wieder gestreamt werden – und im Kinoprogramm gibt es eine Neuerung: Man nimmt auf das geänderte Zuschauerverhalten Rücksicht, denn man hat in diesem Jahr beobachtet, dass die Spätvorstellungen nicht gut besucht waren. „Es gibt keine Filme mehr, die um 23.30 Uhr gestartet werden, spätester Filmbeginn ist 21.30 Uhr“, so Böttger.

Wichtigstes Nachwuchsfestival

Das Filmfestival Max-Ophüls-Preis ist das wichtigste Festival für deutschsprachige Nachwuchsfilmschaffende aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz und noch bedeutsamer, seit die Berlinale 2024 die Reihe „Perspektive deutsches Kino“ einstellte. Anders als im Vorjahr, wo aus Österreich nur zwei Kurzfilme eingereicht wurden, gibt es diesmal aus allen drei Ländern „ausreichend ausgeglichene Einreichungen“, so Böttger. „Wir sind sehr stolz auf diesen Jahrgang, der eine vielfältige Auswahl an berührenden und inspirierenden Geschichten präsentiert“, meinte Programmleiterin Theresa Winkler. Im Vorjahr kamen 37.000 Besucher, vor Corona (2020) über 45.000.

Der Etat des Festivals ist leicht gestiegen auf etwa 1,6 Millionen Euro. Die Summe der Preisgelder beträgt 128.500 Euro. Auch wenn Saarbrücken besser dastehe als andere Festivals, seien angesichts der Kostensteigerungen Anstrengungen nötig, um das Festival 2025 wirtschaftlich ausgleichend zu gestalten, so die Saarbrücker Kulturdezernentin Sabine Dengel.

19 Preise

Das Festival ist nicht nur für die Zuschauer da, auch für die Filmschaffenden, mit denen sie sich austauschen sollen, sichtbares Zeichen: Zu den bisher 18 Preisen kommt ein neuer dazu: eine mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für Stoffentwicklung und Recherche für einen langen Debütfilm, gespendet von der ZDF-Sparte Das keine Fernsehspiel. Es gebe wenig Fördermöglichkeiten in Deutschand in dieser kritischen Phase der Filmentwicklung, meinte Böttger.

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