Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel Fesselndes Romandebüt eines Pfälzers: „Im Langboot“ von Dirk O. Hasselmann

Seine Heimaten sind die Pfalz, das Meer und Blieskastel: Autor Dirk O. Hasselmann.
Seine Heimaten sind die Pfalz, das Meer und Blieskastel: Autor Dirk O. Hasselmann. Foto: Privat

Einige dutzend Menschen treiben in einem Langboot auf dem tosenden Meer. Hoffen verzweifelt auf Rettung. Manche von ihnen sind freiwillig unterwegs, manche aus ihrer Heimat vertrieben, doch alle in der Erwartung, nach ihrer gefährlichen Passage ein neues Leben beginnen zu können: Dirk O. Hasselmanns Roman „Im Langboot“ könnte im Heute spielen. Doch der in Bad Dürkheim aufgewachsene und im saarpfälzischen Blieskastel lebende Autor erzählt davon, dass skrupellose Profitgier und Geltungssucht keine aufs Jetzt beschränkten Erscheinungen sind.

Bewegende Einzelschicksale treffen im dunkel-modrigen Rumpf der William Brown zusammen: Im Frühjahr 1841 vertrauen in Liverpools Hafen 65 Passagiere, fast alle aus dem von Hungersnot geplagten Irland, ihr Schicksal der Mannschaft des Segelschiffes an, um auf der anderen Seite des Nordatlantiks eine bessere Zukunft zu haben. Unter ihnen sind auch Margret Edgar samt ihrer zwölfjährigen Tochter Isabella (die einzigen aus wohlhabendem Haus) sowie Frank und Ellen Asken mit ihrer neugeborenen Tochter Mary, die wegen Steuerschulden nach einem kurzen Aufenthalt in einem Arbeitslager aus Irland ausgewiesen wurden.

Skupellose Seefahrer

Sie wissen nicht, dass das Schiff aus Profilierungssucht des Ersten Offiziers eine kürzere und damit rentablere, aber lebensgefährliche Nordroute einschlagen wird. Mit fatalen Folgen. Die William Brown havariert. Mit dem Sinken des Schiffes entlarvt sich das wahre Gesicht der Offiziere. Einige wenige Passagiere retten sich auf das Langboot, auf dem längst nicht Platz für alle ist. Sie besitzen nichts mehr als ihr Leben, ihre Geschichte und das, was sie am Leib tragen.

Ein Mediziner als Schriftsteller

Dirk O. Hasselmann, im Hauptberuf Mediziner und einstiger Schüler des Neustadter Kurfürst-Ruprecht-Gymnasiums, hat seinen Erstling vor allem am Meer, auf Föhr, geschrieben, wo er sich in seinen freien Zeiten so gerne aufhält: Man riecht und schmeckt nahezu die salzige Luft, spürt den kalten Wind, erlebt dank seiner bildreichen, gewandten Sprache die Bedrohlichkeit der ozeanischen Urkäfte. Fesselnd sind seine Schilderungen der materiellen und menschlichen Not – und beklemmend zugleich. Ein klassischer Abenteuerroman mit gesellschafts- und sozialkritischer Note, lesenswert.

Lesezeichen Dirk O. Hasselmann: „Im Langboot“; Roman; Twentysix; 260 Seiten; 11,50 Euro.

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