Kultur
Für immer Biene Maja: Der tschechische Schlager-Sänger Karel Gott wird 80 Jahre alt
Er gilt als „Die goldene Stimme aus Prag“, als „Sinatra des Ostens“. Um die Anzahl seiner verkauften Schallplatten ranken sich Mythen, das reicht von 30 bis 100 Millionen Platten. Am Sonntag feiert Karel Gott seinen 80. Geburtstag
Jedes „e“ ein „ä“. Seit Kindertagen eingebrannt. „Biene Maja“ war Pflichtprogramm, freudig erwartet. Ab 1975 sendete das ZDF die deutsch-japanische Zeichentrick-Verfilmung des Romans von Waldemar Bonsels. Und der Titelsong von Karel Gott hat seitdem die Gehörgänge niemals mehr verlassen. Der Sänger selbst hat ein besonderes Verhältnis zu seinen ganz jungen Hörern und Fans: „Ich habe mich mein ganzes Leben um Erfolg bei Kindern bemüht, denn Kinder sind ein aufrichtiges Publikum – sie sagen, was sie denken.“
Der „Biene-Maja-Hit“
Der „Biene-Maja-Hit“ ist ein irgendwie ganz typischer Gott-Song. Eine schöne, heile, lustige, dank japanischer Trickfilmkünste auch herrlich bunte Anime-Welt besingend. So wie auch „Einmal um die ganze Welt“ oder „Bábicka“ oder „Das Mädchen aus Athen“. Schlager eben, wenngleich der in Pilsen geborene Gott, der 1945 mit seinen Eltern nach Prag kam, sich selbst nie so sah. Zumal er über eine klassische Gesangsausbildung verfügt – was seinem Tenor durchaus auch anzuhören ist.
Die stimmlichen Qualitäten Gotts sind eher zufällig entdeckt worden, denn ursprünglich hat er eine Ausbildung zum Elektroinstallateur gemacht und trat nur als Amateursänger in Prager Cafés auf. 1963 aber gewann er den tschechoslowakischen Musikwettbewerb „Goldene Nachtigall“. Diese Auszeichnung ist ihm dann im Laufe seiner Karriere noch 41 weitere Male verliehen worden, zuletzt 2017.
Politisch wollte Karel Gott nie sein
Politisch wollte Karel Gott nie sein. Seine Lieder sollten unterhalten, Freude bereiten, ablenken auch vom tristen Alltag hinter dem Eisernen Vorhang. Für ihn blieb die Grenze stets offen. Er durfte reisen, durfte seine tschechische Heimat im Ausland vertreten. In der typisch deutschen Samstagabendunterhaltung war er ständiger und auch gerngesehener Gast, im Ost- wie im Westfernsehen. Karel Gott war damals privilegiert – und zahlte auch einen Preis dafür. Er galt Kritikern als Unterstützer des Regimes, tat dies auch offiziell.
So lange der Eiserne Vorhang Europa noch in zwei sich unversöhnlich gegenüberstehende Lager teilte, war Karel Gott im Ostblock dennoch vielleicht der einzige internationale Star. Manche sagen sogar Popstar. Nicht nur dank „Biene Maja“ hat er Kultstatus in West wie Ost. Er trat mit Showgrößen wie Peter Alexander auf, sang Lieder, die Udo Jürgens für ihn komponierte, und sorgte mit eben jener bereits erwähnten Umwandlung des „e“ zu „ä“ für einen leicht exotischen Einschlag im biederen deutschen Unterhaltungsfernsehen. Wie Howard Carpendale oder Bata Illic oder der kürzlich verstorbene Costa Cordalis auch. Die Menschen träumten in ihren Fernsehsesseln, bedrängt von dunklen Eichenholzschränken in den Wohnzimmern, von fernen Welten. Sei es die Goldene Stadt Prag oder eben der Zauberwald von Maja, Willi, Flip und Thekla.
Schlager ist wieder in
Derzeit erlebt der Sänger nach einer schweren Krebs-Erkrankung 2017 so etwas wie einen zweiten Frühling. Liveauftritte sind zwar sehr selten geworden, aber an Ruhestand denkt er noch lange nicht. Für seine neue Studioaufnahme hat er sich mit dem tschechischen Popsänger Krajco zusammengetan und den Song, dessen ins Deutsche übersetzter Titel „Herzen erlöschen nicht“ lautet, bei Youtube veröffentlicht – das Video hat mittlerweile 8,8 Millionen Klicks bekommen.
Schlager ist wieder in, und neben den aktuellen Stars wie Helene Fischer, sind es gerade die Ikonen der 1970er, die auch bei jüngeren Menschen angesagt sind. Egal, ob sie nun Roland Kaiser, Howard Carpendale, Mary Roos oder eben Karel Gott heißen.