Kultur Fünf, sechs, acht

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Was machen zwei Streichquartette, wenn sie sich treffen? Sie spielen das Oktett von Mendelssohn. Genau so war es beim Konzert des deutschen Armida-Quartetts und des französischen Quatuors Modigliani im Mozart-Saal des Schwetzinger Schlosses bei den Festspielen.

Das Erstaunen über die Werke des Wunderkinds Mozart war und ist groß. Doch ein mindestens ebenso phänomenaler kompositorischer Wunderknabe war Felix Mendelssohn Bartholdy. Zeugnisse davon sind die „Sommernachtstraum“-Ouvertüre des 17-Jährigen und das schon davor geschriebene Oktett op. 20. Dieses wunderbare Stück war Höhepunkt des Doppel-Quartettsabend im voll besetzten Saal, bei dem beide Ensembles am Ende vom Publikum zu recht bejubelt wurde. Beide Quartette, die – wie die erste Hälfte gezeigt hatte – durchaus in unterschiedlicher Weise spielen, fanden hier zu einer großen Homogenität im Klang und vor allem im Charakter, so dass das Werk sowohl in seiner originellen kompositorischen Faktur als auch in seiner musikalischen Poesie aufs Schönste zur Wirkung kam. Allein das leuchtende Feuer des Vortrags war ein Ereignis. Im ersten Teil gab es – nicht zuletzt in Ermangelung weitere Streicheroktette von Rang – etwas kleiner besetzte Kammermusik, bei der sich die Ensembles wechselseitig aushalfen. Mozarts Streichquintett g-Moll KV 516 entstand im Umfeld des „Don Giovanni“ und ist eines seiner expressivsten Stücke. Das Quatuor Modigliani mit Amaury Coeytaux und Loic Rio, Violine, Laurent Marfaing, Viola, und François Kieffer, Cello, spielte mit Bratschisten Teresa Schwamm vom Armida-Quartett und bot eine sehr subtil ausgearbeitete Wiedergabe. Die fünf Musiker vermieden äußerliche Effekte. Sie gaben der Musik ihre Leidenschaft durch eine verinnerlichte Ausdruckshaltung und eine genaue Modellierung des Satzes. Erlesene Feinheit im Ton und minutiös abgestufte Dynamik waren weitere Tugenden eines exquisiten Mozart-Spiels. Beim ersten Streichsextett von Johannes Brahms waren dann die Rollen vertauscht. Jetzt war das Armida-Quartett, zu dem auch Martin Funda und Johanna Staemmler, Violine, und Peter-Philipp Staemmler, Cello, gehören, führend, der Bratscher und der Cellist des Quatuor Modigliani waren die Partner an den zweiten Pulten der unteren Stimmen. Mit viel Intensität und Nachdruck erklang das umfängliche Stücke des jungen Brahms, das ihn bereits als großen Meisters der Kammermusik in der Verbindung von klassischer Form, gelegentlich auch noch barocken Mustern und romantischem Überschwang auszeichnet. Auch hier überzeugte die Gestaltungskunst der jungen Musiker, aber auch der mitreißende Elan ihres Spiels.

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