Serie RHEINPFALZ Plus Artikel Es zählt das Jetzt – Was wir jetzt brauchen: Hunde als Freunde fürs Leben

Freunde fürs Leben.
Freunde fürs Leben.

Vier Pfoten, eine nasse Nase, grundgütige Ehrlichkeit: Ein Hund an seiner Seite ist in diesen Zeiten – neben wahrhaften Menschen-Freunden – das Beste, was einem passieren kann. Aber nur, wenn man ihn mit seinen Bedürfnissen verantwortungsvoll annimmt, so wie er einem selbst völlig vorbehaltlos begegnet. Ach ja: Dies ist kein Plädoyer für den spontanen Lustkauf eines Vierbeiners! Im Gegenteil.

„Hund zum Gassigehen zu vermieten. 30 Euro die Stunde.“ Was mancherorts spaßeshalber, andernorts durchaus ernst in sozialen Medien aber auch via Kleinanzeigen als Lockdown-Umgehungsstrategie angeboten wurde, ist nur ein kleiner Aspekt einer Vermarktungswelle, die aus Hunden in den vergangenen Monaten zunehmend hippe Kaufobjekte gemacht hat. Ein Hund bietet nicht nur das Alibi für das begründete Verlassen der Wohnung bei Ausgangsbeschränkungen. Er ist auch geduldiges Fotomodell.

Selfies mit dem besten Freund des Menschen

Schließlich hat man Zeit, unendlich viele Selfies zu machen, die dank des Niedlichkeitsfaktors von Schnuffel-Wuff viele Klicks und Likes und Kommentare und virtuelle Kontaktmöglichkeiten generieren. Da bietet mancher doch gerne mal den doppelten Preis für einen gefragten Modehund an, um in den übervollen Reservierungslisten von Rassehundezüchtern einen Sprung nach vorne zu machen und die teilweise anderthalbjährige Wartezeit auf einen Hund aus der Wunschverpaarung auf ein paar Monate zu verkürzen.

Traurige Kehrseite: Illegaler Welpenhandel und Qualzuchten boomen, bedienen das kindisch-egoistische „Ich-will-haben-aber-sofort!“ solcher Kaufinteressenten, die jene bislang von allerlei anderen Ablenkungen verdeckte merkwürdige Leere in ihrem Leben so schnell wie möglich füllen möchten – auf brutale, tierverachtende Weise. Mit dem noch traurigeren Nebeneffekt, dass Tierheime überquellen, voll von nicht mehr ganz so niedlich-kleinen, oft unerzogenen Hunden, die den Spontankäufern zu anstrengend oder zu teuer wurden: Denn so ein Welpe macht Arbeit. Viel Arbeit. Kostet Schlaf und Nerven, will erzogen sein, stellt das bisherige Leben auf den Kopf und macht bei der Wahl eines unerlaubten Knabbergegenstandes keinen Unterschied zwischen Designer-High-Heels oder Gummigartenlatsche. Und wenn ein Hund krank ist und in die Klinik muss, kostet das schon mal 1000 oder mehr Euro.

Der Hund mag das Homeoffice nicht

Die Sache mit dem Homeoffice ist kein guter Grund, sich stante pede den „Immer-schon“-Wunsch vom eigenen Hund zu erfüllen, sondern nur ein Pseudoargument, um beim Trend mitzuschwimmen und das verlorene Herdenzugehörigkeitsgefühl zurückzugewinnen.

Wer aber einen Hund hat, der ihn bereits durch Leben begleitet, der weiß um dessen wahren Wert als Freund bei einsamen Spaziergängen, als Kuscheleinheiten einfordernde tröstende Wärmequelle auf dem Sofa, als aufmunternden Quatschkopf, der wild tobend mit Spielzeug durch die Wohnung jagt und einem – verbotenerweise, versteht sich – einen nassen Schleckschmatz auf die Wange drückt, wenn man wegen drückender Sorgen Trübsal bläst.

Stundenlang kann man mit ihm durch die Winterlandschaft spazieren. Er trottet nebenher, nimmt die Natur mit Nase und Ohren wahr, blickt kleinen Vögeln hinterher, die von Zweig zu Zweig hüpfen und lenkt damit automatisch auch die eigene Aufmerksamkeit auf die kleinen, schönen Dinge. Und wenn man beginnt, ihm alles zu erzählen, was einem so einfällt, verrät sein gelegentlicher Blick, dass er zwar nicht wörtlich versteht, was man da so vor sich hinspricht, aber sehr wohl spürt, was in einem vorgeht.

Wenn der innere Schweinehund nach faulen Tagen zu Hause die Oberhand gewonnen hat, ist der äußere Herzenshund die beste Einladung, endlich mal wieder die Laufschuhe anzuziehen und feldein und waldaus einen anspruchsvollen Trail mit ihm zu bewältigen. Und hinterher geht’s ab aufs Sofa zur Schmuserunde (Ja, das ist Glaubenssache, ob der Hund auf die Couch darf oder nicht!).

Sie haben ein eingebautes Schweizer Uhrwerk

Mit seinem eingebauten Schweizer Uhrwerk ist mancher Hund auch der perfekte Taktgeber in ansonsten strukturaufgelösten Corona-Tagesabläufen: Versuchen Sie mal, einem hungrigen Labrador zu erklären, dass er ausnahmsweise mal eine Stunde später sein Futter bekommt! Wohlerzogen, wie er ist, wird er zwar nicht betteln. Aber gucken! Und zwar sowas von! Sterbender Schwan ist lustige Fete dagegen!

Wer braucht schon Schlafmittel oder Zähleschafe, wenn er einen ausgeglichenen, ausgelasteten Hund sein eigen nennt? Spätabendliches sanft-brummelndes Schnarchen auf dem harten Boden neben dem Bett, wo der treue Begleiter sich nähesuchend viel lieber niederlässt als in seinem eigenen orthopädisch-optimierten Hundebett in der Ecke des Raumes, wirkt effizienter als alle anderen Hilfsmittel, um zu innerer Ruhe zu gelangen.

Kurz: Ein Hund lehrt einen jede Sekunde, dass das Jetzt zählt und gar nicht so übel ist, wenn man den Blick auf das lenkt, was man hat, und nicht auf das, was man nicht hat.

36-Kilo-Schoßhund-Kuscheln.
36-Kilo-Schoßhund-Kuscheln.
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