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Ermittlerinnen und Königinnen: Der Fernsehkrimi-Check
Der neue RB-„Tatort“ ist weiblich und der nächste BR-„Polizeiruf 110“ wird queer.
Der Däne Mads Andersen ist schon länger nicht mehr im Team, und so ermittelt in Bremen ein weibliches, ungleiches Duo: die schnoddrige Kommissarin Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und die von Leichen faszinierte Kriminaltechnikerin Linda Selb (Luise Wolfram). Jüngst kam noch die Rechtsmedizinerin Edda Bingley (Ex-„Rock’n’Roll Gypsy“ Helen Schneider) ins Team.
Weibliche Perspektiven
In ihrem siebten „Tatort: Solange du atmest“ (11. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste) bekommen es die Ermittlerinnen nach einem Leichenfund in der Weser mit der alleinerziehenden Mutter Rani Ewers (Via Jikeli), deren siebenjähriger Tochter und ihrer Mitbewohnerin Paula zu tun.
Besonders Rani, die Ex des Mordopfers, gerät in ihren Blick, und wir bekommen dafür immer wieder einen anderen Blick geboten: die subjektiv verzerrte Perspektive von Rani. Tatsächlich einschließlich des Lidschlags ihrer Augen, und das kann auf die Dauer schon etwas auf die Nerven gehen. Ganz unspannend ist der „Tatort“ nach einem Drehbuch von Judith Westermann nicht, und doch zu durchschaubar konstruiert, um richtig spannend zu sein.
Die Regie führte die Münchenerin Franziska Margarete Hoenisch, die erst im vergangenen Monat die Dreharbeiten für den neuesten Ludwigshafener „Tatort: Avanti“ abgeschlossen hat.
Ein Mord vor Königinnen
Nicht wie sonst, einen oder auch zwei, sondern gleich sechs Maskenbildner wiederum listet der Vorspann vom BR-„Polizeiruf 110: Ein feiner Tag für den Bananenfisch“ (18. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste) auf. Das sollte unmittelbar mit der schillernd schrillen Drag-Community im Geist fluider Geschlechter zu tun haben, in die der einfallsreiche Münchener Krimi führt.
„Wir werden alle nackt geboren, und der Rest ist Verkleidung“, meint Menora, eine von drei Dragqueens, die in der Innenstadt unfreiwillig einen kaltblütigen Mord beobachten. „Manche mögen’s heiß“ dürfte hier Pate gestanden haben. Gespielt wird Menora vom Heidelberger Mazedonier Božidar Kocevski („Spuren“), der männlichsten Erscheinung unter ihnen. „Die Sweethearts vom Viertel“ nennen sie sich, aber Kommissar Dennis Eden (Stephan Zinner aus den „Eberhoferkrimis“) befindet kurzerhand – „Wahrheit vor woke!“ –, sie seien Männer.
Zusammen mit seiner Kollegin Cris Blohm (Johanna Wokalek) versucht er, die Zeuginnen gleichermaßen zu schützen und zu einer Aussage zu bewegen. Wie schon in ihrem ersten gemeinsamen „Polizeiruf“ wird wieder getanzt. Überhaupt ist reichlich Party in diesem großstädtischen und sehr unterhaltsamen Krimi, der danach aussieht, als wäre Regisseur Dror Zahavi zuletzt bei Dominik Graf in die Schule gegangen. Das könnte aber ebenso an Autor Günter Schütter liegen, der nicht nur für diesen „Polizeiruf“, sondern auch schon für etliche Graf-Filme das Drehbuch verfasst hat.