Jubiläum
Er jagte den Hexer: Zum 100. Geburtstag des Schauspielers Heinz Drache
Der Schauspieler gab im Kino-Zyklus der Gruselkrimis regelmäßig den intellektuellen Polizeifahnder. Das „Typecasting“ – also die Besetzung wiederkehrender Rollen mit Schauspielern, die mit ihrem Filmcharakter identifiziert werden – war ein prägendes Element der 1959 gestarteten Reihe. Wenn auf dem knirschenden Kies feudaler Adelssitze das Grauen umging; wenn meuchelndes Gelichter sich in den Kaschemmen von Soho versammelte; wenn die von bizarren Geheimorganisationen entsandten Killer durch schale Gemäuer spukten; wenn Schurken jedweder Schattierung zu monströsen Untaten schritten – dann war Heinz Drache in der Dauerrolle des Gesetzeshüters alsbald zur Stelle.
Der Scotland-Yard-Ermittler
Im Gegensatz zu seinem smarten Sunnyboy-Kollegen Joachim Fuchsberger, der es sogar auf einige Fälle mehr brachte, verkörperte Heinz Drache einen schnoddrig-nassforschen, fast arrogant wirkenden Scotland-Yard-Ermittler, der seinen Verdächtigen kaltschnäuzig und lässig entgegentrat. Die anderen Serien-Spürnasen wie Siegfried Lowitz, Harald Leipnitz und später Günther Stoll konnten ihm allein schon wegen der Anzahl ihrer Einsätze kaum das Wasser reichen.
Schurken-Darsteller wie Klaus Kinski, Jan Hendriks und der Ex-Catcher Adi Berber oder der lustige Eddi Arent bedienten ein anderes Rollenfach, dito gleißend neurotische Tragödinnen vom Schlage Elisabeth Flickenschildts sowie die ewigen Opfer Karin Dor, Brigitte Grothum, Karin Baal und – gegen Ende der Reihe – die in mancherlei Hinsicht blasse Uschi Glas. Der hoch gewachsene, mit Stoppelfrisur und einer am Theater geschulten Stimme ausgestattete Drache strahlte Kultiviertheit und Durchsetzungsvermögen, Ritterlichkeit und kühl kombinierende Geistesschärfe zugleich aus.
Einstand mit „Der Rächer“
Im Film „Der Rächer“ – seinem 1960 gedrehten Einstand bei Wallace – heftete er sich einem Kopfabschneider auf die Fersen. Er jagte den „Zinker“ (1963) und den „Hexer“ (1964), öffnete „Die Tür mit den sieben Schlössern“ (1962), löste „Das Rätsel des silbernen Dreiecks“ (1966) und wachte in „Das indische Tuch“ (1963) über eine Schar von Schlosserben, denen nacheinander der Garaus gemacht wird. Irritierenderweise ist er in „Der Hund von Blackwood Castle“ (1967) durchaus von Zwielicht umgeben, wenn er sich in einer wenig vorteilhaft beleumundeten Herberge umtut.
Auch im Fernsehen erfolgreich
Den Filmruhm festigte Heinz Drache auch im Fernsehen, wo er – Bloß keine Experimente! - im Durbridge-Mehrteiler „Das Halstuch“ (1962) gleichfalls den Polizeiermittler gab. Damit war der Kaufmannssohn aus Essen, der ab 1947 am Düsseldorfer Schauspielhaus zum engsten künstlerischen Kreis um Gustaf Gründgens gehörte, als Krimistar etabliert.
Differenzierte Rollen wie die eines verbitterten Kriegsheimkehrers in Helmut Käutners Hamlet-Paraphrase „Der Rest ist Schweigen“ (1959) bekam er nur selten, nachdem er auch im internationalen Kino („Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu-Man-Chu“, 1966) als Abenteuer-Macho reüssiert hatte. In den 1980er Jahren schließlich gab er als eleganter Grandseigneur sechsmal den „Tatort“-Kommissar. 2002 starb er 79-jährig an Krebs.