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Ein neuer Asterix – mit Überraschung
Die Überraschung ist wirklich gelungen. Dass im Herbst 2023 ein neues Asterix-Album erscheint – nix Besonderes, der zweijährliche Rhythmus ist fest etabliert. Dass der französische Verlag schon lang vorher mit der Werbekampagne beginnt und erste Appetithäppchen der nächsten Geschichte mit den unbeugsamen Galliern gewährt – ganz normal. Aber dass mit der Ankündigung des 40. Bandes auch ein neuer Autor vorgestellt wurde, verblüffte dann doch alle. Und bei einem französischen Heiligtum und internationalen Bestseller wie Asterix ist das so Aufsehen erregend wie der Austausch des Fußball-Nationaltrainers.
Dazu ein kurzer comic-historischer Abriss: 1959 erfinden René Goscinny und Albert Uderzo die pfiffige Figur mit dem kräftigen (nicht dicken!) Freund. Die Serie wird rasch Kult. Szenarist Goscinny stirbt 1977 sehr früh mit 51 Jahren. Nach zwei Dutzend gemeinsamen Alben macht Zeichner Uderzo allein weiter. 2011 legt er den Stift nieder und die Gallier in die Hände von Didier Conrad (Zeichnungen) und Jean-Yves Ferri (Text). Fünf amüsante Geschichten stammen seitdem aus dessen Feder. Er bewies dabei viel Respekt für Konventionen der Serie, wusste aber gleichzeitig, sie behutsam zu modernisieren. Die Verkaufszahlen war auch gut, allein 1,4 Millionen deutschsprachige Exemplare gingen bislang vom jüngsten Band über den Ladentisch.
Markenzeichen: absurder Humor
Warum Ferri nicht weitermacht? Er wolle eine Auszeit nehmen, um sich einem anderen Projekt zu widmen, erklärte der 63-Jährige. Es geht um einen anderen französischen Nationalhelden. Ferri hat bereits das satirische Album „De Gaulle am Strand“ gemacht und sich darin sehr lustig ausgemalt, wie der ehemalige Staatspräsident sich im Urlaub zu entspannen versucht und doch ganz der General bleibt. Jetzt soll es um de Gaulle im London der 1940er Jahre gehen. Eine Aufgabe wie Asterix lässt dafür allerdings keinen Raum.
Daher gab es ein Casting des Verlags, in dem sich Fabrice Caro, genannt Fabcaro, durchsetzte. Er wird nun der vierte Asterix-Autor. Caro schreibt Comics und Romane, die sich oft durch einen absurden Humor auszeichnen. Ins Deutsche übersetzt wurde er bislang nicht. Der 49-Jährige lebt bei Montpellier. Den Geist und die Sprache der Serie will er „respektvoll erhalten“, sagte er.
Der Segen der Uderzo-Tochter
Den Segen von Uderzo-Tochter Sylvie, die streng über das Erbe des vor zwei Jahren gestorbenen Vaters wacht, hat Caro. „Ein neuer Szenarist ist auch eine Möglichkeit, frische Ideen einzubringen“, wird sie zitiert. Fabcaro bringe „ein Körnchen Verrücktheit“ mit. Uderzo persönlich hatte noch Ferri als seinen Nachfolger auserwählt.
Angesprochen wurde Fabcaro vom Verlag vor einem Jahr. Seine Geschichte, die am 26. Oktober 2023 erscheinen wird, hat er wohl schon fertig. Über den Inhalt wird natürlich noch nichts verraten. Eine erste Seite wurde gezeigt, die aber nicht aus dem Album stammt, sondern nur zu Werbezwecken entstand.
„Absolut eingefühlt“
Selbst Übersetzer Klaus Jöken hat von dem personellen Wechsel erst jetzt erfahren. Bei der Übertragung der ersten Seite ins Deutsche habe er nicht gemerkt, dass der Text von einer anderen Hand stammt, erzählte er der RHEINPFALZ : „Man muss sagen, dass sich Fabcaro absolut in den Asterix eingefühlt hat.“
Ziemlich sicher ist, dass die Gallier nach ihrer Reise in den Fernen Osten („Asterix und der Greif“) im üblichen Wechsel wieder ein Abenteuer in ihrem Dorf erleben. Wie es danach weitergeht, ist offen. Der neue Autor drückte sich in einem Interview mit „Le Parisien“ so aus, als würde er weitermachen wollen, aber dass Ferri Vorrang habe. Der wiederum sagte, dass er schon „reichlich tolle Ideen für die nächsten Abenteuer“ habe. Spätestens 2025 wissen wir mehr.