Kultur Ein Fall für Fans

Nahm so viel Musik auf, dass nun bereits das dritte Album mit Kompositionen erscheint, die für sein viertes Studioalben gedacht
Nahm so viel Musik auf, dass nun bereits das dritte Album mit Kompositionen erscheint, die für sein viertes Studioalben gedacht waren: Jimi Hendrix, hier 1970 auf Fehmarn.

Heute erscheint das Album „Both Sides of The Sky“, das größtenteils unveröffentlichte Aufnahmen von Jimi Hendrix erhält. Diese hatte der Gitarrist zwischen 1968 bis kurz vor seinem Tod 1970 im Studio eingespielt. Wesentlich beteiligt an der neuen Produktion ist Eddie Kramer, der mit Hendrix damals daran gearbeitet hat.

Bevor Jimi Hendrix am 18. September 1970 mit 27 Jahren starb, hatte er sein viertes Studioalbum vorbereitet. Seither wurden diese mehr oder minder weit gediehenen Aufnahmen nach und nach veröffentlicht. Denn das Interesse an der Rock-Ikone ist weiter groß. Nur vier Jahre war der Gitarrist unter eigenem Namen aktiv. In dieser Zeit revolutionierte er das Spiel mit der elektrischen Gitarre. Extrem verzerrte Sounds, der kontrollierte Einsatz von Rückkopplungen und des Vibratohebels für extreme Glissandi, Effektgeräte wie das Wah-Wah Pedal, aber auch eine besondere Spieltechnik prägten seinen Stil: Hendrix war der erste Musiker, der der elektrischen Gitarre eine eigene, unverwechselbare Stimme gab. Auch seine Bühnenshow setzte Maßstäbe: Das Foto vom Monterey Pop Festival 1967, auf dem Hendrix seine brennende Gitarre beschwört, wurde zum Beispiel wahnwitziger Rock-Inszenierungen. Auch das Spielen der Gitarre hinter dem Rücken, oder das Saitenanreißen mit den Zähnen gilt als typisch Hendrix – obwohl er sich das von Blues-Gitarrist T-Bone Walker abgeguckt hatte. Der Berserker auf der Bühne war privat ein eher schüchterner, sehr freundlicher Mensch, wie der Mannheimer Rock-Impresario Fritz Rau, der Hendrix gut kannte, oft erzählte. Aber es war das Gesamtbild aus virtuosem Spiel und spektakulärer Inszenierung, das Hendrix zu einem unsterblichen Gitarrengott werden ließ. Schon zu Lebzeiten war jede Hendrix-Aufnahme Gold wert. Produzent Ed Chalpin, mit dem Hendrix 1965 einen Plattenvertrag abschloss, veröffentlichte praktisch alles, was Hendrix in seinem Beisein aufgenommen hatte – ungeachtet der Qualität. Hendrix war verärgert und distanzierte sich öffentlich – hatte aber keine Handhabe dagegen. Der Gitarrist hat schließlich enorm viel Musik aufgenommen: Des Notenlesens unkundig, waren Aufnahmen für ihn oft das Festhalten von Ideen und Experimenten, nie zur Veröffentlichung gedacht. „Wenn er nicht auf Tour war, war er ständig im Studio“, sagt Produzent Eddie Kramer. Ferner gibt es viele Bootlegs, unautorisierte Mitschnitte von Konzerten. So kommt es, dass inzwischen die posthumen Veröffentlichungen wesentlich umfangreicher sind als das von Hendrix autorisierte Werk. Hendrix` Familie musste bis ins Jahr 1995 darum kämpfen, die Urheberrechte an Musik, Texten, Bildern und dem Namen zu bekommen. Das Familienunternehmen „Experience Hendrix“ einigte sich dann mit dem Branchenriesen Sony und veröffentlichte 2010 „Valleys Of Neptune“ und 2013 „People, Hell And Angels“. Beide Alben enthalten angeblich Stücke, die Hendrix für sein geplantes viertes Studioalbum aufgenommen habe. Die Fachwelt hat beide Platten wohlwollend positiv bewertet. Die Frage, inwieweit die neu geschnittenen und gemischten Aufnahmen Hendrix’ Intention entsprechen, kann erneut aber niemand beantworten. Federführender Produzent ist Eddie Kramer, der mit Hendrix an dessen Studioalben gearbeitet hat. Er zeichnet auch verantwortlich für den Sound des Albums „Both Sides Of The Sky“, das laut Mitteilung der Hendrix-Familie die Trilogie weitgehend authentischer Aufnahmen nun abschließen soll. Die 13 Stücke sollen zwischen Januar 1968 und Februar 1970 entstanden sein. Enthalten ist das erste Zusammenspiel mit Bassist Billy Cox und Drummer Buddy Miles – der späteren Band of Gypsys. Die drei spielen einen Muddy-Waters-Song, „Mannish Boy“. Und man erkennt sofort den Hendrix-Sound, typisch ist auch der Dialog von Stimme und Gitarre. Befreundete Musiker spielen bei einigen Stücken mit, darunter die Gitarristen Johnny Winter und Stephen Stills sowie Saxophonist Lonnie Youngblood. In „Cherokee Mist“ ist Hendrix auf einer Sitar zu hören. Produzent Eddie Kramer empfindet seine Arbeit als „eine Art Archäologie“, sagte er der BBC. Die Aufnahmen seien alle live eingespielt worden und er habe versucht, die besten Stücke zu finden und den Sound optimal herauszuarbeiten. An Hendrix’ Gitarre und Gesang will er nichts verändert haben. Die CD Jimi Hendrix: „Both Sides Of The Sky“ erscheint heute bei Legacy Recordings.

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