Kunst-Initiative RHEINPFALZ Plus Artikel „Ein Bernhard für die Pfalzgalerie“: Über ein himmelschießendes mäzenatisches Projekt

Darum geht es: Franz Bernhards „Aufragende“ soll bald vorm Museum Pfalzgalerie stehen.
Darum geht es: Franz Bernhards »Aufragende« soll bald vorm Museum Pfalzgalerie stehen.
Für den guten Zweck: Barbara-Klemm-Foto von Franz Bernhard.
Für den guten Zweck: Barbara-Klemm-Foto von Franz Bernhard.
Zwei von fünf Kleinplastiken, die Michael Dekker beisteuert.
Zwei von fünf Kleinplastiken, die Michael Dekker beisteuert.
„Kleine von Franz“ von Robert Schad, Auflage elf.
»Kleine von Franz« von Robert Schad, Auflage elf.
Tastende Linienführung: Zeichnung von Franz Bernhard, die zugunsten der Aktion „Ein Bernhard für die Pfalzgalerie“ verkauft wird
Tastende Linienführung: Zeichnung von Franz Bernhard, die zugunsten der Aktion »Ein Bernhard für die Pfalzgalerie« verkauft wird.

„Ein Bernhard für die Pfalz“, nennt sich eine Bürgerinitiative, die dem Kaiserslauterer Museum Pfalzgalerie die Skulptur „Aufragende“ des Jockgrimer Bildhauers Franz Bernhard schenken will. Kosten: 55.000 Euro. Gebraucht wird dafür jetzt die Unterstützung der Pfälzerinnen und Pfälzer. Gelingt es? Über ein himmelschießendes Vorhaben.

Bestechende Idee. Dass die Pfälzerinnen und Pfälzer ihrem Museum Pfalzgalerie eine Franz-Bernhard-Skulptur schenken. Für den Vorplatz. Durch Kunsterwerb, Spenden, einfach so, weil ihnen das Haus am Herzen liegt. Der Künstler. Beides.

Ein Werk des berühmten, viel bewunderten Wahlpfälzer Bildhauers, des 1934 in Neuhäuser, Böhmerwald geborenen, 2013 verstorbenen Pfalzpreisträgers, Villa-Massimo-Stipendiaten, Documenta-6-Teilnehmers, der seit 1972 in Jockgrim lebte. Des wohl bedeutendsten Künstlers nach Max Slevogt, mit Dauerwohnsitz in der Pfalz.

Gehabt hat diese Idee der Tiefenthaler Bernhard-Freund, Galerist und Kunstprojektemacher Wolfgang Thomeczek schon länger. Genauer: Vor einem Jahr schon, von Anfang an unterstützt vom Kulturausschussvorsitzenden des Bezirkstages, Manfred Geis, dem SPD-Politiker und Ex-Landtagsabgeordneten aus Bad Dürkheim.

Feuer und Flamme

Geis, selbst kunstaffin und ein Sammler, lässt in der Sache seine Erfahrung spielen. Und seine Kontakte. Mittlerweile aber sind auch einige von Bernhards Künstlerkolleginnen und Kollegen, die Bildhauer Robert Schad und Michael Dekker und die Grand Dame der zeitdokumentarischen Fotografie, Barbara Klemm, mäzenatisch involviert. Die Freunde des Museums Pfalzgalerie und ihre Vorsitzende Bettina Bachem sind Feuer und Flamme. Dass die Museumsdirektorin Britta Buhlmann begeistert ist, dass bald ein echter Bernhard vor der Tür steht – geschenkt –, wie auch nicht. Jetzt fehlen noch: die anderen. Der Bürgerinitiative „Ein Bernhard für die Pfalzgalerie“ ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen mitmachen. Bitte loslegen.

Die „Aufragende“, die Skulptur, um die es geht, vibriert jedenfalls per se schon unter Hochspannung. Und sie scheint zu schweben. Ein Stachel schießt meterhoch aus dem Sockel. Ein gegenläufig kragender Stummel hält das Ganze in einem bewegt-bewegenden Gleichgewicht. 2012 ist sie entstanden, naturschön wittert das Cortenstahl vor sich hin.

Die letzte Chance auf einen Bernhard

Maße: vier mal sechs mal zwei Meter und 30 Zentimeter. Ein monumentales Hoffnungszeichen, das wehrhaft spießt. Aufbruch pur. „Kunst mit Wusch“, so wie die Direktorin des Museums Pfalzgalerie, Britta Buhlmann, die Skulptur beschreibt, lässt sich es sich natürlich auch ausdrücken.

Letzte Chance: Die „Aufragende“ ist die einzige Arbeit aus dem der Andreas C.H. Schell-Stiftung gehörenden Nachlass, die noch zu verkaufen ist. Direkt von Bernhards Witwe Lucia, über den Galeristen Wolfgang Thomeczek. Und nur unter der Bedingung, dass sie für das Museum Pfalzgalerie erworben wird. Von Pfälzerinnen und Pfälzern für die Pfalzgalerie. Dass sie nur 55.000 Euro kosten soll, vergleichsweise wenig für Bernhard, dessen Großplastiken wie die „Mannheimerin“ einige Städte mächtig zieren, liegt nur daran, dass Thomeczek auf 35.000 Euro Provision verzichtet. Und dass er, im Gegenteil, viel Zeit und auch Geld investiert, statt zu kassieren. Noch steht Bernhards „anthropomorphes Zeichen“ im Hof des ehemaligen Tiefenthaler Pfarrhauses, in dem Wolfgang und Veronika Thomeczek in einem eleganten, weißen, gläsernen Kubus ihr Kunstkabinett wie einen Kunstverein betreiben – als gemeinnützigen Ausstellungs- und Veranstaltungsraum statt als vorrangig kommerzielles Unternehmen.

Rührige Galeristen

Dazu muss man wissen: Die beiden sind ein besonderes Paar. Symbiotisch, freigiebig, für ihre Verdienste von Ministerpräsidentin Malu Dreyer höchstpersönlich zusammen ausgezeichnet mit dem Landesverdienstorden. Sie strahlt Warmherzigkeit aus. Dem weißhaarigen Mann hat sich ein Lächeln ins Gesicht eingeschrieben. Der erfolgreiche ehemalige Messebauer und legendäre Zweibrücker Kunstvereinsvorsitzende ist kunstvernarrt seit seiner Jugend.

Vergangenes Jahr ist er 70 Jahre alt geworden. Dauernd stößt er, von Veronika sanft gebremst, wenn es sein muss, Dinge an. Wie jüngst, als er ermöglicht hat, dass der Leipziger Landschaftsmaler Heinrich Mauersberger im Auftrag der Verbandsgemeinde auf Motivsuche das Leiningerland durchwanderte. Und jetzt die Bernhard-Aktion. Er ist auf eine zugewandte Art sehr überzeugend. Ach ja, Wolfgang Thomeczek ist seit einigen Jahren fast blind. Aber er blickt, was die Kunst betrifft, mehr durch als die meisten.

Kunst im Mondlicht

Es kann also passieren, dass er seine Veronika nachts um vier weckt mit der Bitte, sie möge fotografieren, wie Mondlicht auf die Bernhard-Skulptur im Hof fällt. Wie der Himmel sie zusätzlich dramatisiert. Wolfgang Thomeczek ist ganz verliebt. Trotzdem tut er leichten Herzens alles dafür, dass die „Aufragende“ seinen Hof bald wieder verlassen kann. Wieder auf Tour de Pfalz geht, von Jockgrim, Südpfalz, wo sie erst vor Bernhards Haus, dann als Leihgabe vor dem Rathaus dort stand. Über Tiefenthal nach Kaiserslautern, Westpfalz, um an prominenter Stelle vor dem Museum Pfalzgalerie sozusagen ihre Bestimmung zu finden.

Im September soll es so weit sein. Die Organisatoren wissen auch schon, wie sie bis dahin die Kaufsumme von 55.000 Euro einsammeln wollen. Die Vereinsvorsitzende Bettina Bachem, eine Architektin, hat zugesagt, dass die Freunde der Pfalzgalerie alles abwickeln und spendenquittieren. Außerdem, zum 40. Vereinsjubiläum dieses Jahr, wenn nötig, Geld zuschießen. Rund 45.000 Euro würden zusammenkommen, wenn die teilweise eigens entstandenen Fotos und Plastiken verkauft werden würden, die Barbara Klemm, Robert Schad und Michael Dekker zur Verfügung gestellt haben. Für „umme“. Aus Zuneigung zu Franz Bernhard und mit freundlicher Unterstützung ihres Galeristen Thomeczek. Dazu noch die elf Zeichnungen von Franz Bernhard selbst, die die Andreas C.H. Schell-Stiftung in das Projekt einbringt. Jede kostet 700 Euro.

Die Richtung: aufwärts

Die Preise sind bewusst erschwinglich gehalten – für alle, die helfen wollen wahre Schnäppchen, wie die 850 Euro für die Skulptur „kleine für Franz“, Auflage elf, des international präsenten Bildhauers Robert Schad, der wie Bernhard bei Wilhelm Loth und Barbara Klemms Vater Fritz Klemm an der Kunstakademie Karlsruhe studiert hat. Wie die fünf dynamisch verwickelten Kleinplastiken „Zeichen für Franz“, die der in Ludwigshafen geborene Pfalz-Förderpreisträger und Bernhard-Verehrer Michael Dekker zum Preis von je 700 Euro zur Verfügung stellt. Die 100er-Auflage eines geradezu intimen Fotos von Barbara Klemm, das ihren guten Freund Franz Bernhard, den gelernten Schreiner, in seinem Jockgrimer Atelier zeigt. Wie ein Handwerker in seiner verwunschenen Schlosserwerkstatt sieht der Künstler aus. 250 Euro kostet jedes Foto.

Geld, das gut investiert ist, voller Optimismus. Eine Win-Win-Situation. Direktorin Britta Buhlmann jedenfalls freut sich schon, dass die „Aufragende“ ihrer Institution den Weg weisen wird. Aufwärts. Himmelhoch. Wohin denn auch sonst.

Die Spendenaktion

  • Am 30. Mai gibt es ein „Online-Kunststück“ des Museums Pfalzgalerie mit Vize-Direktorin Annette Reich zum Projekt. Eine Ausstellung mit den Arbeiten von Barbara Klemm, Michael Dekker und Robert Schad folgt. Kaufen kann man die Werke beim Verein Freunde des Museums Pfalzgalerie, E-Mail: freunde@mpk. Kontakt: 0170-7667643. Die „Aufragende“ kann man nach Vereinbarung im Kunstkabinett in Tiefenthal ansehen, Telefon 06351-124021.
  • Spendenkonto: Freunde des Museums Pfalzgalerie. DE5409000000011649.
  • Alle Informationen online auch unter: www.mpk.de/freunde
x