Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel „Die Vögel“-Hauptdarstellerin Tippi Hedren wird 90 Jahre alt

Vom Reklamemodell zur Schauspielerin: Tippi Hedren.
Vom Reklamemodell zur Schauspielerin: Tippi Hedren. Foto: imago images / Prod.DB

Es ist eine bizarre Verherrlichung, die Alfred Hitchcock in seinen Filmen einem Frauentyp angedeihen lässt, der majestätisch, statuarisch dekorativ und vor allem blond zu sein hat. Die Idealverkörperung der „Hitchcock-Blondine“ war Tippi Hedren, der er im Film „Die Vögel“ zu ewigem Ruhm verhalf. Sie wird am Sonntag 90 Jahre alt.

Der Meisterregisseur des feinsinnigen Grusels ohne übernatürliche Zutaten hat ein Frauenbild kreiert, an dem sich Generationen von Schriftgelehrten abgearbeitet haben. Aktricen wie Grace Kelly, Janet Leigh, Kim Novak, Eva Marie Saint und sogar Doris Day drängte er in eine doppelbödige Spielart von Weiblichkeit, die sich mit verführerischer Eleganz zwischen Opfertum und Schurkerei schlängelt.

Glamour und bedrohliche Geheimnisse

In ihrem Sex-Appeal wirken sie immer wie Mäuschen und Flittchen, Kumpel und Gegner zugleich, zuweilen auch wie Clown und Domina, treudoof und berechnend, begehrenswert und hexenhaft, sphynxisch und zupackend. Selbst wenn er etablierte Stars wie Ingrid Bergman, Marlene Dietrich oder Joan Fontaine inszenierte, schien hinter der Glamour-Fassade ein auf Männer bedrohlich wirkendes Geheimnis auf.

Hitchcock machte Hedren zum Star

Im Fall von Tippi Hedren war die Sache ähnlich und doch anders. Sie wurde erst von Hitchcock zum Star gemacht, nachdem sie zuvor als Modell für Reklamefotos reüssiert hatte. Da sie langbeinig und hoch gewachsen war, besetzte er sie 1962 für seine Verfilmung der Kurzgeschichte „Die Vögel“ von Daphne DuMaurier als selbstbewusst-zickige Millionärstochter, deren Kühle ihre fordernde Sexualität nicht verbirgt. Sie ist es, die den attraktiven Advokaten Rod Taylor in einem Zoogeschäft zum Flirt auffordert. Aber sie ist es auch, die zur mythisch überhöhten Opferfigur der Vogel-Invasion wird.

Der Regisseur diktierte Hedrens Erscheinungsbild

Als Star war sie gänzlich das Geschöpf Hitchcocks. Er ordnete an, dass ihr Vorname in einfache Anführungszeichen zu setzen sei, also ,Tippi’, gab ihr einen langfristigen Vertrag und diktierte ihr Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit. In seinem nächsten Film „Marnie“ (1964) besetzte er sie als sexuell unempfindsame, unter einem Trauma leidende Kleptomanin.

Zudringlichkeiten zu Protokoll gegeben

Dass er hinter den Kulissen zudringlich geworden sei, gab Tippi Hedren schon lange vor der – von ihr unterstützten – Me-too-Bewegung zu Protokoll. Irgendwann entzog sie sich dem Zugriff ihres sadistischen Pygmalion – und ruinierte damit ihre weitere Karriere. 1966 spielte sie eine Nebenrolle in Charlie Chaplins Alterswerk „Die Gräfin von Hongkong“, 1980 die Gattin eines Tierforschers im Großkatzen-Spektakel „Roar“.

Auch im wahren Leben widmet sie sich bis heute dem Wohlergehen von Löwen und Tigern. Im Bildgedächtnis des 20. Jahrhunderts bleibt sie fest verankert als Herrin der Vögel.

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