Ludwigshafen
Die Deutsche Staatsphilharmonie begeistert bei der BASF mit Verdis Requiem
Nach der 9. Sinfonie Beethovens nun also ein weiteres großes Werk für Sinfonieorchester und Chor sowie Solisten im Programm der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Mit dem Verdi-Requiem allerdings eines, mit einer dezidiert religiösen Botschaft. Es geht um die letzten Dinge, um den größten Skandal und das größte Rätsel im menschlichen Leben: den Tod. Gerade im „Dies Irae“ („Tag des Zorns“) fährt einem der Schrecken in die Glieder, weil der Tod hier eben so gar keine versöhnliche Perspektive mehr bietet, stattdessen am Ende des Lebens ein strafender und unerbittlicher Gott auf uns wartet.
Eine Totenmesse für Rossini und Manzoni
Es gab zwei äußere Anlässe, die Verdi zu der Komposition bewegten. 1868 starb sein Kollege Gioachino Rossini, und Verdi wollte ihm ein tönendes Denkmal errichten, das jedoch zunächst unvollendet blieb. Als dann aber 1874 mit Alessandro Manzoni der Dichter der italienischen Einheit starb, dessen wunderbarer Roman „I Promessi Sposi“ („Die Verlobten“) so etwas wie den Gründungsmythos des vereinten Italiens festgeschrieben hat, griff Verdi die Arbeit wieder auf. Die Uraufführung seines Requiems fand am ersten Todestag Manzonis am 22. Mai 1874 statt.
Ganz große Oper
Michael Francis, Chefdirigent der Deutschen Staatsphilharmonie, macht aus dem liturgischen Werk eine große Oper – ohne jedoch den religiösen Charakter zu verfälschen. Im Gegenteil: Das Konzert folgt einer ebenso schlüssigen wie emotional nachgerade überwältigenden Dramaturgie. Doch es ist ein fast 80 Minuten langer Weg durch existenzielle Abgründe, ehe wir in dem finalen „Libera me, Domine“ („Errette mich, Herr“) vielleicht so etwas wie Zuversicht und Trost finden. Die Staatsphilharmonie und der Bachchor Mainz werden dabei unterstützt von dem Solistenensemble bestehend aus Susanne Bernhard (Sopran), Anke Vondung (Mezzosopran), Attilio Glaser (Tenor) und Yorck Felix Speer (Bass).
Der Tod kommt zu Beginn als großes Geheimnis, fast wie ein guter Freund, auf den man lange gewartet hat. Es klingt verhalten, wenn auch nicht zuversichtlich, wenn die ersten Textzeilen angestimmt werden: „Ewige Ruhe gib ihnen, Herr“. Doch das ist nur ein Trugbild. Dieser Gott ist ein strafender. „Dies Irae“, der „Tag des Zorns“, der Tag der Rache, bricht über den sündigen Menschen herein in Form von gewaltigen, in Mark und Bein gehenden Schlägen. Francis schont uns da kein bisschen, er spitzt die ungeheure Dramatik der Musik zu und kann sich dabei auf Chor und Orchester verlassen, die sich beide in Bestform präsentieren.
Die letzte Frage bleibt unbeantwortet
Drei Mal greift Verdi auf dieses Thema zurück, drei Mal holt er uns aus der vermeintlichen Sicherheit heraus, in die uns vor allem das überzeugende Solisten-Ensemble gesungen hat. Francis hält sich streng an diesen Kompositionsplan in Form einer Pendelbewegung – und stellt dann konsequent das finale „Errette mich“ als Frage in den Raum, die das Leben nicht beantworten kann. Nur der Tod.