Kultur Dichter dran

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„Poesie der Nachbarn“, die Übersetzerwerkstatt im Künstlerhaus Edenkoben, ist international renommiert. Und das seit Jahrzehnten. Vielleicht ist es sogar das Projekt des Moments. Europa bewegt sich ja – und das auch bedingt durch gegenseitiges Unverständnis – beinahe ständig an der Nahstelle einer möglichen Auflösung. In Edenkoben aber rückt man näher zusammen. Was passiert dort? Zu erleben sind Dichterinnen und Dichter aus zwei Ländern, die tagelang gebeugt über Manuskripten sitzen. Im Garten, im Kaminzimmer, in einer Ecke des Veranstaltungssaals. Ausgewählt hat sie der künstlerische Leiter des Künstlerhauses, Hans Thill, der selbst ein hochdekorierter Lyriker ist. Diesmal kommt zum Beispiel die in Ungarn geborene Deutsch-Schweizerin Zsuzsanna Gahse, schon eine große alte Dame der Lyrik und der literarischen Übersetzung, 2017 Preisträgerin des Italo-Svevo- und des Werner-Bergengruen-Preises. Der im Banat geborene Leiter des Literaturhauses Berlin und Übersetzer, Ernest Wichner, dichtet ebenfalls mit. Dazu kommen die Jungen, die Berlinerin Katharina Schultens, die im rheinland-pfälzischen Sieg geboren ist, eine Saalfeld- und Landeskunstpreiträgerin, und Nancy Hünger aus Weimar, deren Gedichtbände so wunderbare Titel wie „Ein wenig Musik zum Abschied wär nett“ tragen. Aus Deutschland sind außerdem dabei der auch als Verleger reüssierende Ulf Stolterfoht und der Darmstädter Uwe-Johnson-Preisträger Jan Koneffke. Aus Italien erwartet werden die Lyriker/innen Carmen Gallo, Domenico Arturo Ingenito, Federico Italiano, Francesco Maria Tipaldi, Marco Giovenale und Elisa Biagini. Der bekannteste unter ihnen ist Federico Italiano, der an Unis in Innsbruck und München lehrt und einmal unter die besten sechs Dichterinnen und Dichter Italiens unter 40 gewählt wurde. Morgen wird er 42. Es ist die 31. Ausgabe dieser besonderen Völkerverständigung mittels Versen, bei der deutschsprachige Schriftsteller die Gedichte von anderen, von Franzosen, Spaniern, Türken, Letten, Finnen, Isländern nachdichtet. Beim vergangenen Mal waren syrische Dichter/innen zu Gast in der Pfalz, was viel Aufsehen erregte. Dieses Mal sind es Autor/innen aus dem politisch bewegten Italien. Eine wortwörtliche Übersetzung von Chiara Caradonna von der Universität Heidelberg wird dabei allen helfen, sich besser zu verstehen. Wie ist das gemeint? Was hat das zu bedeuten? Am Ende hat man sich auch über die Gemeinsamkeiten und Mentalitätsunterschiede unterhalten. Über Identitätsfragen. Oft wunderbare neue Gedichte entstehen. Die Übersetzungen sind Nachdichtungen eigentlich, in Worten gelebtes Europa. Sie bleiben. Aufgehoben in einer Anthologie, die im Wunderhorn Verlag erscheinen wird. Termine Deutsch-italienische Lesung der Nachdichtung am Sonntag, 1. Juli, 11 Uhr im Künstlerhaus Edenkoben. Am Montag, 2. Juli, 19 Uhr, im Theaterkeller des FTSK, in Germersheim.

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