Kultur Der Unvergessene

Elvis bei einem Auftritt in Florida 1956, enthalten im neuen Buch „Elvis Presley – Wo waren Sie, als Elvis starb?“.
Elvis bei einem Auftritt in Florida 1956, enthalten im neuen Buch »Elvis Presley – Wo waren Sie, als Elvis starb?«.

Die 1950er stehen für die Kultur des Aufbegehrens. Der Drang nach Freiheit und die Rebellion gegen die bürgerliche Moral sorgen für den Urknall des Rock`n`Roll. Diese neue musikalische Bewegung verschmilzt Elemente von Blues, Swing und Country mit Erotik. Zum größten Star dieses Sounds wird ein 19-jähriger Lkw-Fahrer aus den Südstaaten der USA: Elvis Presley. Die Mischung ist damals völlig neu und verändert die Musikwelt für immer. Elvis Aaron Presley wurde am 8. Januar 1935 in Tupelo, Mississippi, als Sohn eines Gelegenheitsarbeiters und einer Näherin geboren. Als er zehn Jahre alt wurde, schenkten ihm die Eltern statt des erhofften Fahrrads für 7,90 Dollar eine Gitarre. Der in der Schule oft gehänselte Junge brachte sich die Griffe selbst bei. Im Frühjahr 1954 macht er in Memphis/Tennessee die Bekanntschaft des Produzenten Sam Phillips. Der Besitzer des winzigen Sun Records Studios ist von den sentimentalen Liedern des Sängers zunächst wenig beeindruckt. Als dieser bei einer Session mit Gitarrist Scotty Moore und Bassist Bill Black in einer Pause am Mikrofon herumalbert und spontan die Blues-Nummer „That’s All Right (Mama)“ von Arthur Crudup intoniert, steigen Black und Moore nacheinander mit ein. In dem Moment entdeckt Phillips in Elvis’ Stimme das gewisse Etwas: eine geheimnisvolle erotische Anziehungskraft. Er nimmt den Song auf, die Radiohörer sind begeistert. Von da an ging es steil nach oben – in seiner Karriere wird Presley mehr als eine Milliarde Platten verkaufen. Bereits 1959 hatte Elvis auf einer Party die erst 14-jährige Priscilla Beaulieu kennengelernt. Sie werden später zu einem der berühmtesten Liebespaare der Musikwelt. Heute lässt Priscilla Presley den Kult um den King weiter leben. Zuletzt ließ sie seine Songs vom Royal Philharmonic Orchestra neu einspielen und erzürnte damit viele Hardcore-Fans. „Ich bin verdutzt, wie viele Fans er noch immer hat“, erzählt die heute 71-Jährige beim Interview in Frankfurt. „Es scheint, als würde er von der Öffentlichkeit bis heute umarmt werden. Die Menschen lieben ihn, besonders in Deutschland, Österreich und der Schweiz.“ Seine Musik sei aber ja auch großartig gewesen, fährt sie fort. „Elvis sang anders als jeder Sänger, den ich bis dahin gehört hatte. Frank Sinatra war das Idol meiner Eltern, aber Elvis veränderte alles.“ Als das Paar am 1. Mai 1967 in einer Suite im Alladin Hotel in Las Vegas heiratete, befand Elvis Presley sich in einer Tretmühle. Sein Manager Colonel Parker hetzte ihn von einem Filmprojekt zum nächsten, die formelhaften und mit überschaubarem Aufwand produzierten Hollywood-Streifen hießen „G.I. Blues“, „Flaming Star“ oder „Wild In The Country“, warfen aber veritable Hits wie „Return To Sender“ ab. Als am 1. Februar 1968 Elvis` und Priscillas einziges gemeinsames Kind Lisa Marie geboren wurde, war ihr Vater höchst unglücklich über den Verlauf seiner Karriere. Man weiß heute, dass Presley in seinen letzten Lebensjahren täglich einen Pillencocktail und Unmengen von Fast Food in sich hineinstopfte. Erstaunlicherweise hatte das kaum Auswirkungen auf seine Stimme. „Sobald er sang, war er ganz bei sich“, erzählt einer seiner Wegbegleiter: Ed Enoch, Leadsänger des Stamps Quartet, das für Presley als Backgroundchor fungierte. „Er gab auf der Bühne immer alles – egal, ob er gerade glücklich war oder traurig. Wir alle wussten nichts von seinem seelischen Zustand. Daran sieht man, wie professionell Elvis wirklich war.“ In seinem Todesjahr soll sein Arzt ihm tausende Psychopharmaka-Pillen verschrieben haben. Das war zu viel für seinen Körper: am 16. August 1977 wurde Elvis tot in seinem Bad aufgefunden. Der Mythos aber bleibt bis heute. Und Elvis wird weiter gefeiert. Im hessischen Bad Nauheim – Elvis war von Herbst 1958 bis Anfang 1960 als Soldat im benachbarten Friedberg stationiert – wird von 18. bis 20. August das „European Elvis Festival“ zelebriert. Fans können beispielsweise das Pensionszimmer besichtigen, in dem er für mehrere Monate lebte. Im bayerischen Grafenwöhr, wo er zweimal zum Manöver war, wird ihm ab heute im Kultur- und Militärmuseum die Schau „Elvis als GI – der King in Grafenwöhr“ gewidmet. Und in Memphis erwarten die Graceland-Organisatoren „die größte Elvis-Woche aller Zeiten“. Wird Hochstadt das nächste Kallstadt? Seit Jahren geistert die Nachricht durch die Welt, dass Elvis Presley aus der kleinen Weinbaugemeinde in der Südpfalz stammen soll. Es gibt dort sogar schon eine Straße, die nach ihm benannt ist. Während Kallstadt bei Bad Dürkheim mit dem Makel leben muss, dass die Vorfahren des blonden Fallbeils Donald Trump von dort aus in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten auswanderten, würde sich Hochstadt freuen, wenn endlich klar wäre, dass der King of Rock’n’Roll pfälzische Wurzeln hat. Denn er steht nicht für Verbalharakiri, sondern für die sanften Töne. In einem nun ins Deutsche übersetzen Buch mit dem Titel „The Rhineland to Graceland“, das vergangene Woche bei einer Pressekonferenz in Hochstadt vorgestellt wurde (wir berichteten kurz), möchte Elvis’ Cousin Donald Presley endgültig beweisen, dass der Mann mit der Schlafzimmerstimme Pfälzer Wurzeln hat – mit einem DNA-Test. Ist damit alles geklärt? „Die DNA-Sequenzen zeigen ganz eindeutig einen Zusammenhang“, sagt Gerd Pressler, Hobbyhistoriker aus Hochstadt, der, sollte das alles stimmen, selbst mit Elvis verwandt wäre. Die Elvis-Sage funktioniert aus Sicht der Vertreter der Pfalz-These so: Valentin Pressler, ein Winzer aus Hochstadt, wanderte 1709 als protestantischer Glaubensflüchtling mit seiner Familie in die nordamerikanischen Kolonien aus. Dort nannte sich der Pressler-Clan bald Presley. „Es gibt ein Hochstadt in Pennsylvania, in denen viele Presslers leben, die aus unserem Hochstadt stammen“, sagt Pressler, der seit Jahren eng mit Donald Presley zusammenarbeitet. Ein darauf spezialisiertes Institut in Houston, Texas, hat das Erbgut von direkten Verwandten Elvis’ mit dem von Mitgliedern der Pressler-Familie aus Pennsylvania verglichen, die nachweislich aus Hochstadt im Kreis Südliche Weinstraße stammen. „Es kam heraus, dass es signifikante Übereinstimmungen gibt. Das hat mich am Ende überzeugt“, sagt auch Christian Besau aus dem südpfälzischen Bellheim, Radiojournalist und Musiker, der das Buch übersetzt hat. Ihn habe aber noch etwas anderes überzeugt: Als Elvis 1960 nach seiner Militärzeit im hessischen Friedberg Deutschland verließ, vergaß seine Großmutter, die ihn begleitet hatte, eine alte Familienbibel. Darin standen die Namen der Clanmitglieder, die das Buch einst besaßen – und diese Ahnenreihe deckt sich mit den Forschungen von Donald Presley und Edwin Dunn, einem Historiker der Uni Stanford, der den Elvis-Cousin bei seinen Forschungen unterstützt hat und Co-Autor des Buchs ist. Würde er, Christian Besau, als Journalist die folgende Schlagzeile formulieren? „DNA-Test beweist: Elvis stammt aus Hochstadt!“ „Nein, aber ich würde sagen, dass der Test die These fundamental untermauert. Und wir können uns sicher sein, dass die Vorfahren von Elvis Presley aus Hochstadt kommen.“ „Immer etwas zurückhaltend“ reagiert Maria Hestersberg von der Elvis-Presley-Gesellschaft mit Sitz in Bonn auf regelmäßige Meldungen, wonach das Rätsel um die Herkunft des US-amerikanischen Sängers endgültig gelöst sei. Das neue Buch mit dem DNA-Test werde man erst einmal aufmerksam lesen und zudem mit den Autoren sprechen, sagt die Präsidentin des nach eigenen Angaben weltweit größten deutschsprachigen Elvis-Fanclubs mit rund 2000 Mitgliedern. Ob Elvis ein Junge aus Hochstadt ist, wird sich vermutlich erst zeigen, wenn der Gentest von anderen Instituten geprüft wurde. Übrigens: Auch Jimmy Carter, der ehemalige US-Präsident, soll von Valentin Pressler abstammen. Fake News? Egal. Make the Pfalz great again. Oder, Donald? Lesezeichen Das E-Book „The Rhineland to Graceland“ ist bei Amazon erhältlich. Preis: 3,83 Euro.

Eventuell mit Elvis verwandt: Gerd Pressler aus Hochstadt.
Eventuell mit Elvis verwandt: Gerd Pressler aus Hochstadt.
Donald Presleys Buch ist jezt auf Deutsch erhältlich.
Donald Presleys Buch ist jezt auf Deutsch erhältlich.
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