Deutsche Staatsphilharmonie
Der Traum von der Insel: Staatsphilharmonie plant Ende April Konzerte auf Malta
Der Traum lebt in der Ludwigshafener Philharmonie. Der Traum von Malta, der ja nur stellvertretend steht für eine Zeit, an die wir uns nach einem Jahr Pandemie schon gar nicht mehr so richtig zurückerinnern können: Der Traum von Konzertreisen, von Vorstellungen vor ausverkauften Häusern, von internationalen Solisten, die weltweit ihre Kunst präsentieren.
Künstler sind ziemlich auf sich selbst zurückgeworfen in diesen Zeiten. Selbstständige und freischaffende noch viel mehr als Musikerinnen und Musiker in einem staatlichen Orchester. Die Staatsphilharmonie ist weder im ersten noch im zweiten Lockdown verstummt, hat sich nicht unterkriegen lassen, hat digitale Formate entwickelt und präsentiert. Und möchte von 25. bis 29. April vier Konzerte in der maltesischen Hauptstadt Valletta spielen. Im Mediterranean Conference Centre beim InClassica-Festival. Klingt angesichts eines Inzidenzwertes von 250 auf der Insel nach Utopie. Nach viel Sehnsucht und wenig Realität.
Blick auf Florida
Nicht für Chefdirigent Michael Francis. Der probt seit Montag mit dem Orchester für die Konzerte auf Malta. Und ist guter Dinge: „Es gibt eine sehr gute Chance, dass wir das machen können.“ Francis begründet seinen Optimismus mit der Flexibilität des Orchesters, aber auch mit dem Verantwortungsbewusstsein der Organisatoren vor Ort, die sichere Hygienekonzepte entwickelt hätten. Der britische Dirigent hat die vergangenen Monate in seiner Wahlheimat Florida verbracht, wo er auch seinem Beruf nachgehen konnte – als Musikdirektor des Florida Orchestra: „Wir haben alleine im Januar 17 Konzerte gegeben.“ Erlaubt gewesen sei eine Publikumsauslastung von 25 Prozent. In den USA gebe es anders als in Deutschland keine landesweite Regelung, so seien beispielsweise in Kalifornien gar keine Konzerte möglich gewesen. Er habe beobachten können, dass die Begeisterung der Menschen viel größer sei als vorher: „Geimpfte Menschen kamen wieder in unsere Konzerte, und man konnte spüren, wie sehr ihnen das gefehlt hat.“
Ein Abenteuer, aber nicht unrealistisch
Auch Intendant Beat Fehlmann glaubt an die erste Auslandsreise des Orchesters mit Michael Francis als Chefdirigenten. „Das Festival beginnt ja erst Ende April, und die Verantwortlichen in Malta gehen davon aus, dass es stattfinden kann.“ Es sei sicherlich auch ein Abenteuer, „aber es ist nicht komplett unrealistisch.“
Überhaupt zeigt der Blick in andere europäische Länder, dass der deutsche Weg, die Kultur ausnahmslos in den Lockdown zu schicken, nicht überall eingeschlagen wurde. In Spanien beispielsweise sind Theater, Kinos und Museen offen. „Das hätte man hier auch machen können“, so Fehlmann. „Die Sicherheitskonzepte waren da, es gab genügend Studien, die bestätigt haben, dass die Gefahr nicht von einem Konzert ausgeht.“ Aber Fehlmann möchte nicht hadern. „Es hilft ja nichts, auf andere zu schauen. In Deutschland hat man eben anders entschieden, und vielleicht haben wir dadurch doch auch unseren Teil dazu beigetragen, dass das Land bisher glimpflicher als andere davongekommen ist.“ Auch Michael Francis mag die deutsche Politik nicht verurteilen. „Es ist schwer zu sagen, was der richtige Weg ist. Ich weiß aber, dass Deutschland die Kultur mehr respektiert und schützt und unterstützt als andere Länder. Diese Hilfen für die Kulturschaffenden gibt es in anderen Ländern nicht.“
Beethoven für Korea
Malta ist sozusagen die derzeit noch etwas ungewisse analoge Zukunft des Orchesters. Die digitale Gegenwart heißt „I-DearR“, ein in Korea entwickelter ferngesteuerter und mit einer 360-Grad-Kamera ausgestatteter Roboter. Der wird am kommenden Freitag, 10 Uhr, abfilmen, wie die Staatsphilharmonie unter Michael Francis die siebte Sinfonie von Ludwig van Beethoven spielt und dies live nach Korea streamen. Verfolgen kann man das über den YouTube-Kanal der Deutschen Staatsphilharmonie.
„Dies kann etwas sein, was uns im digitalen Bereich nochmals Türen öffnet“, erläutert Fehlmann. Und Francis betont die völkerverbindende Bedeutung des Projekts: Durch die zeitgleiche Übertragung in Korea und Deutschland verbinden wir die Welt mithilfe von Beethovens siebter Sinfonie.“ Das passt auch in das Credo der Staatsphilharmonie in diesen schwierigen Zeiten: „Wir tun alles, um die Kultur am Leben zu erhalten“, so Francis.