Nachruf
Der Papa von Obelix: „Asterix“-Zeichner Albert Uderzo mit 92 Jahren gestorben
Wie ein Freudenfest im kleinen gallischen Dorf aussieht, ist bekannt: eine große Tafel mit reichlich Wildschwein und Cervisia, der Barde Troubadix gefesselt und geknebelt. Jetzt aber ist eine Trauerfeier angesagt, denn Albert Uderzo, einer der Väter von Asterix und Obelix, ist tot. 50 Jahre lang zeichnete er mit unverwechselbarem, filigranem Strich die Abenteuer um den pfiffigen kleinen Kerl und seinen etwas stämmigen (nicht dicken!) Kumpel.
Albert Uderzo wurde am 25. April 1927 als Kind italienischer Einwanderer geboren, wuchs in Frankreich in bescheidenen Verhältnissen auf. Schon als Knirps zeichnete er viel. Eigentlich wollte er Automechaniker werden, doch fasste er dank seines Talents und trotz einer Rot-Grün-Sehschwäche früh in der Pariser Verlagsbranche Fuß. Großes Vorbild des Autodidakten, der nie eine Kunstakademie besuchte, war der US-Amerikaner Walt Disney.
Inspiration Pastis
Anfang der 1950er Jahre begegnete Uderzo Jean Michel Charlier und René Goscinny, die heute zu den bedeutendsten Autoren des europäischen Comics gerechnet werden. Mit ihnen entstanden frühe Serien wie „Pitt Pistol“, „Tanguy und Laverdue“ oder „Umpah-Pah“, mal humoristisch, mal realistisch im Zeichenstil. „Ein wenig ernsthaftes Metier, das sehr ernsthaft betrieben werden muss“, beschrieb Uderzo einmal seine Kunst.
Mit dem ein Jahr älteren Goscinny, Franzose polnisch-ukrainischer Abstammung, verband Uderzo eine lebenslange Freundschaft, gemeinsam entwickelten sie ein Heldenduo, das die Comic-Welt veränderte. Bei einem Pastis, so will es die Legende, sollen sie auf die Idee gekommen sein, die gallo-römische Historie auf den Kopf zu stellen. Am 29. Oktober 1959 war es so weit: In der ersten Ausgabe des Comicmagazins „Pilote“, das sich nicht mehr nur an Kinder richtete, hatte auch Asterix seinen ersten Auftritt. Obelix als treuer Begleiter war dabei Uderzos Idee.
Ab 1968 erschienen die „Asterix“-Hefte auch auf Deutsch
1961 wurde ein erstes Album auf den Markt gebracht – vorsichtshalber in einer Auflage von lediglich ein paar tausend Exemplaren. Das änderte sich rasch, sechs Jahre später wurde die Millionengrenze überschritten. Die widerspenstigen Gallier trafen einen Nerv, begeisterten ein Publikum quer durch alle Alters- und Bildungsschichten. Asterix, ausgedacht von zwei Einwandererkindern, wurde zum kulturellen Phänomen und zum französischen Nationalhelden. Ab 1968 konnte man die Geschichten auch auf Deutsch lesen. Heute gibt es Übersetzungen in mehr als 100 Sprachen, 350 Millionen Bände wurden verkauft.
Dabei stand die Serie nach nicht einmal 20 Jahren fast vor dem Aus. 1977 starb René Goscinny im Alter von nur 51 Jahren völlig überraschend an Herzversagen nach einem Belastungstest. Albert Uderzo war am Boden zerstört und überzeugt, dass damit auch Asterix tot sei. Doch die treuen Leser ließen das nicht zu. Uderzo machte also allein weiter, für zehn Alben war er danach als Autor und Zeichner verantwortlich. Die Erzählkunst seines Partners Goscinny blieb allerdings unerreicht.
Zum Schluss ließ er los
2009 legte Uderzo den Zeichenstift endgültig aus der Hand. Doch die populäre Serie endete damit nicht. Nachdem unschöne familiäre Streitigkeiten um die Rechte an dem millionenschweren Asterix-Universum geklärt waren, übergab er seine Gallier in neue Hände. 2011 erschien der erste Band von Texter Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad, „Asterix bei den Pikten“. Schaute Uderzo den beiden Franzosen zunächst stark auf die Finger, ließ er ihnen bei den bislang drei folgenden Bänden immer mehr Freiraum. Er wusste sein großes Erbe wohl gut aufgehoben und hat dafür gesorgt, dass weiterhin Freudenfeste im kleinen gallischen Dorf gefeiert werden können.