Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel Der letzte Lyrik-Enthusiast: Zum Tode des Schriftstellers und Literaturkritikers Peter Hamm

Peter Hamm starb im Alter von 82 Jahren.  Foto: dpa
Peter Hamm starb im Alter von 82 Jahren.

Dieser leidenschaftliche Lyrik-Enthusiast und große Literaturkritiker kam aus einer Epoche, die heute schon wieder versunken ist. Peter Hamm, 1937 in München geboren, verließ im Alter von 14 Jahren die Schule, lebte aber schon früh in engem Kontakt mit den wichtigsten Lyrikern seiner Zeit. Er sucht nach Anerkennung für seine eigenen Gedichte, die bereits ab 1954 in den führenden Zeitschriften erschienen.

Peter Hamm hatte früh seine Mutter verloren. Sie starb bei Kriegsbeginn an Diphtherie, mit der sie durch ihn angesteckt worden war. Dieser Verlust blieb mit dauerhaften Schuldgefühlen belastet. Der Vater schob ihn ab in katholische Internate, in denen er von rigiden Erziehern gepeinigt wurde. So wurde ab 1957 die spätere Literaturnobelpreisträgerin Nelly Sachs für ihn zu einer Heiligenfigur, eine jüdische Mutter, der er mitunter auch mit Selbstmorddrohungen zusetzte, um ihre Aufmerksamkeit zu erzwingen.

Politik wichtiger als Poesie

In den sechziger Jahren vollzog der genialische Jungdichter einen spektakulären Positionswechsel. In seiner Lyrik-Anthologie „Aussichten“ forderte er 1966 in marxistischer Diktion die „Wiederentdeckung der Wirklichkeit“ und den Primat der Politik vor der Poesie. 20 Jahre lang schrieb er keine Gedichte mehr. Als dann 1982 sein Gedichtband „Der Balken“ erschien, war er bereits auf seinen Status als Großkritiker festgelegt. In anrührenden Porträtfilmen widmete er sich seinen literarischen Hausheiligen Robert Walser, Ingeborg Bachmann und Peter Handke. Viele Jahre arbeitete Hamm als Redakteur für den Bayerischen Rundfunk, bis zuletzt war er Mitglied in diversen Jurys und beim „Literaturclub“ des Schweizer Fernsehens. Als Interpret und Vermittler der poetischen Moderne hat Peter Hamm, der am Montag mit 82 Jahren gestorben ist, Großes geleistet.

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