TV RHEINPFALZ Plus Artikel Der Fernsehkrimi-Check: Ein ungewöhnlicher Weihnachts-„Tatort“

Kurios: Der „Tatort: Mord unter Misteln“ führt am 26. Dezember die Münchner Kommissare nach England. SIe mutieren zu Chief Inspe
Kurios: Der »Tatort: Mord unter Misteln« führt am 26. Dezember die Münchner Kommissare nach England. SIe mutieren zu Chief Inspector Francis Lightmyer (Udo Wachtveitl, links vorne) und Constable Ivor Partridge (Miroslav Nemec, daneben) und ermitteln in einem Krimidinner-Mord (mit Sunnyi Melles, Ferdinand Hofer und Alexander Hörbe).

Zwei sehr unterschiedliche „Tatort“-Folgen stehen auf dem Programm in den kommenden Fernsehkrimiwochen: ein Solo für Mark Waschke und ein weihnachtlicher Kostümkrimi aus München.

„Die Wahrheit ist das einzige, was zählt im Leben“, hat der Berliner Kommissar Robert Karow (Waschke) schon in jungen Jahren gelernt und hält bis heute an diesem Grundsatz fest. Deshalb und weil er „Das Opfer“ im gleichnamigen „Tatort“ (morgen, 20.15 Uhr, Das Erste) in eben jenen jungen Jahren kannte, ermittelt er, obwohl er eigentlich gar nicht zuständig ist. „Das ist nicht Ihr Fall, Karow!“, bekommt er nachdrücklich von einem Kollegen zu hören. Auch die Staatsanwältin (Jasmin Tabatabai) möchte ihn am liebsten in Urlaub schicken.

Karow bleibt stur

Der Tote, um den es geht, war ein verdeckter Ermittler, und ihr geht es hauptsächlich darum, endlich Mesut Günes (Sahin Eryilmaz) hinter Gitter zu bringen, einen lange gesuchten Clanchef, in dessen Umfeld eben jener Ermittler eingesetzt war. Karow, der erst im Mai Kollegin Nina Rubin (Meret Becker) verloren hat und nun den Jugendfreund, besteht jedoch darauf: „Ich will die Wahrheit“ und mischt sich erfolgreich ein.

Entstanden ist eine gelungene Kombination aus Krimi, Thriller und tragischem Drama, die dem etwas spröden und über lange Zeit unzugänglichen Kommissar unerwartete Tiefe verleiht: mal ruhig und mal temporeich und, was die Gewalt angeht, hart, mit herausragenden Darstellern und einer überraschenden Volte am Schluss. Nächstes Jahr wird – als Kommissarin Susanne Bonard – die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin Corinna Harfouch an Mark Waschkes Seite rücken. Gemeinsam starten sie in der Doppelfolge „Nichts als die Wahrheit“.

Zwei Münchner in England

Ganz anders gelagert ist „Mord unter Misteln“ (Zweiter Weihnachtsfeiertag, 20.15 Uhr, Das Erste), der zu den Münchener „Tatort“-Folgen zu rechnen ist, jedoch nach Middleton im Nordwesten Englands, und dann ins lange zurückliegende Jahr 1922 führt.

Die altgedienten BR-Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) sind leichtsinnigerweise auf eine Einladung ihres jungen Kollegen Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) eingegangen, nicht ahnend, dass dies die Teilnahme an einem Krimidinner mit einschließt. Der originelle „Tatort“ illustriert ihr Spiel, das sie selbst in Chief Inspector Francis Lightmyer und Constable Ivor Partridge verwandelt und mit Lady Bantam (Sunnyi Melles) konfrontiert.

„Hier sieht’s ja aus wie bei Rosamunde Pilcher“, bemerkt Partridge in ihrem Anwesen, während man sich gleichermaßen auch an „Downton Abbey“ oder Sherlock Holmes und Agatha Christie erinnert fühlen kann, wenn unter dem Weihnachtsbaum der Lady der Leichnam ihres Butlers liegt. Wie der Inspector und sein Constable ermitteln, wer ihn auf dem Gewissen hat, ist zwar nicht sonderlich spannend, aber dennoch ein großes Vergnügen.

Unser Fernsehkrimi-Kolumnist Stefan Otto.
Unser Fernsehkrimi-Kolumnist Stefan Otto.
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