Kulturgeschichte RHEINPFALZ Plus Artikel Der Feinschmecker-Fürst: Vor 150 Jahren starb Hermann von Pückler-Muskau

Berühmtes Eis, rot-weiß-braun: Gefrorenes à la Pückler.
Berühmtes Eis, rot-weiß-braun: Gefrorenes à la Pückler.

Er war eine schillernde Persönlichkeit. In Erinnerung geblieben ist er vor allem wegen einer Eis-Kreation: Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Sein ungewöhnlicher Lebensweg endete heute vor 150 Jahren, am 4. Februar 1871, auf Schloss Branitz bei Cottbus.

Der am 30. Oktober 1785 auf Schloss Muskau geborene Sonderling und Erbe ausgedehnter Besitzungen in der Lausitz schrieb in sein Tagebuch, es sei „immer schwer das gewöhnliche Gleis zu verlassen u. zu wagen durch Dorn u. Gestrüpp unbekümmert um das Geschrey der Vorübergehenden den eigenen Weg zu gehen“.

Mit 26 Jahren trat der wegen zahlreicher Eskapaden als hoffnungsloser Fall geltende „tolle Pückler“ das väterliche Erbe an. In Berlin lernte er die neun Jahre ältere Lucie (1776-1854) kennen. Sie war die Tochter des preußischen Staatskanzlers Karl August von Hardenberg. Pückler heiratete sie 1817. Bei der Gestaltung des Muskauer Landschaftsgartens häufte das Paar enorme Schulden an und fasste einen verwegenen Plan. Zuerst ließen sie sich scheiden. Anschließend reiste Pückler nach England, um sich eine reiche Braut zu suchen. Da er auf seiner Jagd nach einer Geldheirat gleich mehrere Damen auf einmal umwarb, hatte er seinen guten Ruf bald ruiniert.

„Meine Haupteigenschaft ist der Geschmack“

Pückler brach die Brautschau ab und bereiste von 1826 bis 1829 England, Wales und Irland. Fast täglich schrieb er Briefe an Lucie, in denen er über ehrenwerte Mitglieder der Gesellschaft lästerte und seine Eindrücke von den etwa 70 besuchten Landschaftsgärten beschrieb. Die auf den britischen Landsitzen gewonnenen Eindrücke kamen später seinen eigenen Gartengestaltungen zugute. Er nutzte sie später als Grundlage seiner kritischen Beschreibung der englischen Verhältnisse, die unter dem Titel „Briefe eines Verstorbenen“ 1830/31 erschienen und ein internationaler Bucherfolg wurden. Pücklers Biograf Ulf Jacob urteilt: „Er hatte Muskau als Standesherr alten Stils verlassen und kehrte als aristokratischer Intellektueller zurück.“

Der Fürst rühmte sich, Feinschmecker zu sein. Zu seinen Ehren kamen Gerichte „à la Pückler“ auf. Etwa für Schnepfen, Rinderfilet, Hummer und Eis-Kreationen. Die bekannteste ist das rot-weiß-braune „Fürst-Pückler-Eis“, das in Ludwig Kurths 1861 veröffentlichten Kochbuch noch „Gefrorenes aus geschlagener Sahne à la Pückler“ hieß. Weit über die Tafelkultur hinaus bescheinigte sich Pückler: „Es ist schon wahr, daß ich nur künstlerisch schaffend in meinem wahren Elemente bin. Dies ist mein mir von der höheren Macht über uns bestimmter Beruf, wie ich immer mehr einsehe. Meine Haupteigenschaft ist der ,Geschmack’ – der in allem das möglichst Vollkommenste zu erreichen sucht, und es zu finden versteht.“ Aber der Fürst war nicht immer obenauf, wie sein Biograf Jacob betont: „Schübe melancholischer Verstimmungen und lähmender Depressionen durchzogen sein gesamtes Leben.“

Als „Gartenpharao“ in Brandenburg

Seine von 1834 bis 1840 währende Orientreise absolvierte Fürst Pückler nach eigenen Worten wie „immer auf dieselbe ziemlich abenteuerliche Manier, d. h. ohne einen bestimmten Plan für die Zukunft, wohin es Gott gefallen würde mich zu führen.“ An seinen Dichtung und Wahrheit mischenden Reiseerlebnissen schrieb der nun gern in orientalischer Gewandung auftretende Pückler bis 1848. Bereits 1845 hatte er den Muskauer Besitz verkauft und sich mit Lucie in Branitz niedergelassen. Auf ihre Bitte hin widmete er sich auch dort der Landschaftsgestaltung, die er als „letzte Verrücktheit zweier Greise“ bezeichnete. Der eindrucksvollste Bereich ist die orientalisch angehauchte Pyramidenflur. In ihr erheben sich zwei aus Erde aufgeschüttete und begrünte Bauwerke: Die Landpyramide sowie die auf der Insel des Tumulussees errichtete Seepyramide.

Fürst Pückler starb in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 1871 an Altersschwäche. Für den Umgang mit seinem toten Körper hatte er eigenwillige Regeln festgelegt: „Mein Leichnam soll chemisch oder auf andere Weise verbrannt“ und in die Seepyramide eingesetzt werden. Seine Vertrauensärzte wählten den chemischen Weg. Das in eine gläserne Phiole gelegte Herz übergossen sie mit Schwefelsäure. Den Körper aber legten die Ärzte in einen Metallsarg und setzten ihn der Auflösung durch Ätznatron und andere kaustische Alkalien aus. Am 9. Februar wurden die Überreste des „Gartenpharaos“ zur Seepyramide überführt und in den Grabstollen eingesetzt. Der „Görlitzer Anzeiger“ berichtete: „Zuschauer waren äußerst wenige vorhanden, nur einige Landleute trotzten dem unerfreulichen Wetter, ein Begräbniß anstaunend, wie ein solches noch nie gesehen worden ist.“

Am 4. Februar begeht die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Branitz den 150. Todestag ihres Namensgebers mit einem „stillen Gedenken“. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit werden Kränze zur Seepyramide übergesetzt. Diese Zeremonie ist Auftakt des Jubiläumsjahres „175 Jahre Park Branitz“.

Lesezeichen

  • Ulf Jacob, Simone Neuhäuser und Gert Streit (Hrsg.): „Fürst Pückler. Ein Leben in Bildern“; be.bra verlag; 480 Seiten; 34 Euro.
  • www.pueckler-museum.de

So malte 1846 August Gosch (nach Franz Krüger) den Genussmenschen Hermann Fürst von Pückler-Muskau.
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Pückler brachte Pyramiden nach Branitz: Vor der Seepyramide liegt die Insel mit dem Gedenkstein für das Fürstenpaar.
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