Film RHEINPFALZ Plus Artikel Der deutsche Katastrophenfilm-Regisseur Roland Emmerich wird 70

Roland Emmerich
Roland Emmerich

Seine größte Leistung war es, das Weiße Haus in die Luft zu sprengen, 1996 in „Independence Day“. Das hatte sich vorher kein Amerikaner im Blockbuster getraut.

„Independence Day“, der Angriff der Aliens auf die USA (und ein bisschen auch auf den Rest der Erde), an deren Nationalfeiertag, setzte so hohe Maßstäbe für die Hollywood-Weltuntergangsfilmwelt, das der am 10. November 1955 in Stuttgart geborene Regisseur Roland Emmerich den Ehrennamen „Master of Disaster“ bekam - und sein gleichalter Kumpel Volker Engel den Oscar für die visuellen Effekte. Sicher, „Independence Day“ überraschte mit einem scheibenförmigen Raumschiff, dessen Fläche größer als die der Stadt Washington, Los Angeles und New York, sodass es als übergroße Bedrohung über allem schwebte und mit blauem Laser alles Mögliche zerstörte.

Das alles mit Modellen, denn die computergenerierten Effekte waren noch nicht so weit, Die eingescannten Modelle und Fotos mussten extrem mühsam animiert werden. Dass mit Will Smith ein schwarzer Schauspieler zu dem Rettertrio gehörte (neben Bill Pullman als US-Präsident und Jeff Goldblum als Satelliteningenieur) war auch neu in diesem Hollywoodgenre. Vor allem aber hatte Emmerich ein Gespür dafür, wie man eine fiktive Bedrohung so bildgewaltig und spannend inszeniert, dass die Zuschauer mitfiebern. „Ich wollte den ultimativen Katastrophenfilm machen“, sagte Emmerich bescheiden. Es gibt also einen Emmerich vor „Independence Day“ und einen danach.

Der Roland Emmerich davor war ein Jugendlicher aus reichem (Unternehmer-)Elternhaus, ein Schwabe, ein begnadeter Zeichner, der Kunst oder Architektur studieren wollte, sich ohne große Hoffnung dann doch bei der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen angenommen wurde und zum Außenseiter wurde, weil er mit dem dort propagierten intellektuellem Autorenfilm nichts zu tun haben wollte. Er wollte Unterhaltungskino machen. Für seinen Abschlussfilm, „Das Arche Noah Prinzip“, gründete er 1982 eine eigene Produktionsfirma, damit ihm niemand reinreden konnte. Denn ein Genrefilm, ein Science-Fiction-Film, das war etwas ebenso Irres wie Neues in Deutschland. Zwei Astronauten auf einer Raumstation entwickeln eine Wetterkontrolltechnologie, die die US-Regierung für ihr Militär haben will, das wollen die Astronauten nicht, sie sabotieren ihre Erfindung, um eine katastrophale Flut zu verhindern.

Drehbuchschreiben war noch nie Emmerichs Stärke, aber schon damals wusste er. „In jedem Film sollte es zweimal eine überraschende Wendung geben“. „Arche Noah“ wurde belächelt wegen der Effekte, die selbstgebastelt waren, was man auch sah. Aber drei Filme weiter, bei „Moon 44“, wieder Science-Fiction, immer noch im Schwabenland gedreht, aber für 7,5 Millionen Mark, mit internationalen Schauspielern wie Malcolm McDowell und erstmals mit dem Trickspezialisten Volker Engel, war das Ergebnis immerhin schon so beeindruckend, dass sich Hollywood-Produzent Mario Kassar bei Emmerich meldete. Der Rest ist Geschichte. Auch „Godzilla“, „The Day After Tomorrow“, „White House Down“ und „Independence Day: Die Wiederkehr“ sind gutes US-Unterhaltungskino, seine späten Ausflüge in andere Genres wie „Anonymus“ (über Shakespeare) und „Stonewall“ (über den Beginn der Christopher-Street-Bewegung) waren nicht so packend, da hätte er eher das Autorenfilmerhändchen gebraucht, das er früher nicht haben wollte.

Emmerich, der seit 1990 in den USA lebt und mit seiner Schwester Ute im Produktionsteam und Amerikaner wurde, um Barack Obama wählen zu können, ist trotz mehrerer Villen ein netter, bodenständiger, sympathischer Typ geblieben. Seit 2017 ist er mit seinem langjährigen Freund Omar de Soto verheiratet. Es mag sein, dass auch seine erstmals 2001 diagnostizierte Krebserkrankung dazu beitrug, dass er ein bisschen ruhiger wurde, auf jeden Fall lässt er sich nicht unterkriegen. Er ist auch Produzent und fördert deutschsprachige Talente wie Tim Fehlbaum. In seiner Gladiatorenserie „Those About to Die“ von 2024, für die er fünf der zehn Folgen auch inszenierte, gibt es spektakuläre Aufnahmen aus der Luft, die an „Independence Day“ erinnern. Er hat Pläne wie die Neuverfilmung von „Lawrence von Arabien“ und will „drehen, bis ich umfalle“. Aber erst einmal will es der erfolgreichste und innovativste deutsche US-Blockbuster-Regisseur am 10. Oktober „mit 70 Freunden ordentlich krachen lassen.“

Info

In der Arte-Mediathek gibt es zum 70. die informative Doku „Roland Emmerich – Weltenzerstörer, Weltenerbauer“.

Roland Emmerich
Roland Emmerich
Szene aus „Moonfall“ mit Patrick Wilson als Ex-Astronaut Brian Harper.
Szene aus »Moonfall« mit Patrick Wilson als Ex-Astronaut Brian Harper.
Szene aus „The Say After Tomorrow“.
Szene aus »The Say After Tomorrow«.
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