Jubiläum RHEINPFALZ Plus Artikel Der amerikanische Gitarrist und Klangzauberer Pat Metheny feiert seinen 70. Geburtstag

Metheny kommt im Oktober nach Ludwigshafen.
Metheny kommt im Oktober nach Ludwigshafen.

Er hat auch Fans, die mit Jazz sonst wenig anzufangen wissen. Das liegt daran, dass Pat Metheny auch Anspruchsvolles melodisch eingängig und ziemlich lässig zu servieren versteht. Der US-Amerikaner ist zu einem der stilbildenden Gitarristen des modernen Jazz geworden. Am 12. August feiert er 70. Geburtstag.

Er war ein Systemsprenger im Gewand eines smarten Sonnyboys. Pat Metheny hat sich von seinen professionellen Anfängen Ende der 1970-Jahre zu einem der profiliertesten und eigenständigsten Gitarristen des Jazz entwickelt. Dabei blieb seine Musik stets harmonisch, er verpackte auch das Schwierige in eine charmante Leichtigkeit und brachte damit auch Menschen dazu, seine Musik zu mögen, die dem Jazz, wenn er widerborstiger und abstrakter wird, eher distanziert gegenüberstehen. So brachte er das kleine Wunder zustande, ein von Kritikern und Kollegen anerkannter Musiker zu sein – und gleichzeitig ein Publikumsliebling.

Pat Metheny bei einem Auftritt in der Kaiserslauterer Kammgarn.
Pat Metheny bei einem Auftritt in der Kaiserslauterer Kammgarn.

Aufgewachsen ist er in Kansas City in einer musikbegeisterten Familie. Mit acht lernte er Trompete, mit zwölf Gitarre, und schon drei Jahre später mischte er in lokalen Bands mit. Sein musikalisches Universum war von Beginn an weit gesteckt, Gitarrenvorbild war der berühmte Wes Montgomery, aber auch Beatles-Songs und Miles-Davis-Platten hatten ihren Platz. Und schon früh sollte aus all diesen Einflüssen etwas Neues, Eigenes entstehen.

Dass er mit 19 bereits in der Band des Vibraphonisten Gary Burton landete, war natürlich ein Glücksfall. Bei dem pingeligen Bandleader hat er eine Menge gelernt, erzählte Metheny immer wieder in Interviews, die vielen Liveauftritte waren eine harte Schule. Und Burton verhalf dem talentierten Gitarristen auch zu seinem ersten Plattenvertrag beim damals noch ziemlich jungen ECM-Label in München. „Bright Size Life“ hieß sein Debütalbum von 1976, keine prominenten Kollegen fungierten hier als Starthelfer, sondern sein Trio mit Schlagzeuger Bob Moses und dem damals noch unbekannten E-Bassisten Jaco Pastorius gingen ins Studio. Auch dazu hatte Gary Burton geraten. Die Platte wurde ein Erfolg, und Pat Metheny konnte durchstarten.

Pat Metheny.
Pat Metheny.

In wechselnden Besetzungen stellte er in den folgenden Jahren eigene Bands zusammen, der Pianist und Keyboarder Lyle Mays wurde dabei zum konstanten Faktor und musikalischen Alter Ego des Leaders. Auf der Welle des Fusion-Jazz schwamm die Pat Metheny Group munter mit und wurde mit ihren harmonietrunkenen, gerne auch von südamerikanischer Perkussion angetriebenen Stücken zum Renner der Festivals. Bis ins neue Jahrtausend ging diese Erfolgsgeschichte.

Da hatte Pat Metheny aber längst seinen Aktionsradius erweitert, spielte auch kammermusikalischen Jazz, startete orchestrale Projekte, schrieb Filmmusiken, war auf Popalben von Joni Mitchell, David Bowie und Bruce Hornby zu hören und gern angefragter Partner von Jazzgrößen wie Herbie Hancock, Michael Brecker, John Scofield oder Jack DeJohnette. Mit dem Kontrabassisten Charlie Haden entstand das wunderbare Duoalbum „Beyond the Missouri Sky“, und zusammen mit dem Free-Jazz-Pionier Ornette Coleman nahm er das Album „Song X“ auf. Natürlich interessierte ihn bei Coleman weniger die schroffe Aufbruchsgeste, als dessen musikalischer Freiheitsbegriff. So ganz anders Methenys Musik auch klingen mag, im Kern all der manchmal überharmonisierten Freundlichkeit lauert auch bei ihm ein radikaler Wille zu Aufbruch und Neuerung.

Manches Projekt misslang auch

Manchmal führte dies auch in Sackgassen. 2010 war er auf der „Orchestrion“-Tour mit einer gigantischen Musikmaschine unterwegs. Und auch die nach seinen Wünschen gebaute Pikasso-Gitarre, ein doppelhalsiges Monstrum mit 42 Saiten, stellte Metheny bei Liveauftritten eher vor technische Herausforderungen, als dass es seine Kreativität beflügelt hätte. Dabei genügen auch so seine unterschiedlichen elektrischen und akustischen Gitarren, um seine atemberaubende Fingerfertigkeit, seine technische Raffinesse und sein bei aller Intensität jederzeit anmutiges Spiel zu demonstrieren. Keiner lässt das Komplizierte und Schwierige so lässig aussehen wie Metheny, dessen Markenzeichen viele Jahrzehnte Ringelpullis und eine hippiemäßige Haarmähne waren.

Das Jungenhafte hat mit 70 natürlich etwas gelitten, aber sein Gitarrenspiel ist frisch wie eh und je. Beim Festival Enjoy Jazz in Ludwigshafen kann man sich im Oktober davon wieder einmal überzeugen. Zu seinem Soloauftritt im Feierabendhaus bringt er natürlich Neues mit, nämlich Material seiner aktuellen Alben „Dreambox“ und „Moon Dial“, das meiste eigene Kompositionen, aber auch Stücke von Chick Corea, Tommy Dorsey und den Beatles. Methenys Universum ist noch immer weit offen.

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