Kultur Der „Alkohol“-Dichter

Guillaume Apollinaire, verwundet im März 1916.
Guillaume Apollinaire, verwundet im März 1916.

Am 9. November 1918 starb, gezeichnet von einer Granatsplitter-Verletzung am Kopf und an der Spanischen Grippe erkrankt, Guillaume Apollinaire: einer der bedeutendsten Dichter Frankreichs. Nach einem Leben, das nur 38 Jahre dauerte, quer durch Europa und indirekt auch in die Nordpfalz führte.

Es sagt viel über das Europa der Künstler allgemein und die Anziehungs- und Integrationskraft von Paris im Besonderen in jener Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, wenn einer wie er in den Olymp der nationalen Dichtung einziehen konnte und dort auch 100 Jahre nach seinem Tod noch thront: Wilhelm Albert Wlodzimierz Apolinary de Waz-Kostrowicki, geboren in Rom am 26. August 1880, Enkel eines mit einer Italienerin verheirateten polnischen Adligen mit russischer Staatsangehörigkeit in Diensten des Vatikans. Die Mutter war die Geliebte eines Offiziers des im Staat Italien aufgegangenen Königreichs Neapel (der Vater?). Aufgewachsen ist Wilhelm de Kostrowitzky in Rom, später in Monaco. Schon als Gymnasiast – ohne Abschlussprüfung – begann er zu dichten. Und er dichtete weiter, als seine Mutter mit ihm, seinem Bruder und einem Liebhaber 1899 nach Paris zog. Wilhelm Kostrowitzky, wie er sich jetzt nannte, schrieb im Auftrag anderer, schrieb Kunst- und Literaturkritiken, arbeitete auch mal als Bankangestellter, betätigte sich als Hauslehrer mit einiger Anziehungskraft auf die Damenwelt und reiste. Nach Köln, Dresden, Prag, Berlin und Wien zum Beispiel. Seit 1902 erst nennt er sich Guillaume Apollinaire – ohne den der Mythos Montmartre nicht denkbar ist. Zum Freundeskreis im Pariser Künstlermilieu gehören der Dichter Max Jacob und die Maler André Derain und Pablo Picasso. Dieser wiederum bringt ihn zusammen mit einem Deutschen, der 1907 in Paris eine Galerie eröffnet hat: Daniel Henry Kahnweiler, der später als Entdecker Picassos gelten wird. Ein wenig kann man ihn wohl auch als Förderer des jungen Dichters sehen, dessen literarischen Fähigkeiten er im Gegensatz zu den Kunstkritiken sehr schätzte. Vor allem aber war Kahnweiler von der Idee begeistert, Poesie und Kunst zu vereinen: Verse und Bilder von Künstlern, die sich kannten und schätzten – wie Guillaume Apollinaire und André Derain. Und so war 1909 das erste im Verlag Kahnweilers publizierte Buch Apollinaires Gedichtsammlung „L’Enchanteur pourissant“, illustriert mit 32 Holzschnitten von André Derain. Und Derain entwarf auch das Verlags-Signet mit den beiden Muscheln: Coquilles, was auch Druckfehler bedeutet. Mehr als zwei sollten es nie sein. Berühmter wurde Apollinaire später noch für die Sammlung „Alcools“ (1912) und seine Bildgedichte – und für seinen sprachlichen Wagemut. Der „Große Krieg“ aber setzte der Zusammenarbeit mit Kahnweiler wie Apollinaires Dichterleben ein Ende.

Von André Derain entworfen: das Verlags-Signet für Daniel Henri Kahnweiler, Logo des Kahnweilerhauses in Rockenhausen.
Von André Derain entworfen: das Verlags-Signet für Daniel Henri Kahnweiler, Logo des Kahnweilerhauses in Rockenhausen.
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