CD-Tipp RHEINPFALZ Plus Artikel Das Palestrina-Oratorium von Carl Loewe mit Tristan Meister

Büste des Komponisten Carl Loewe in seinem Geburtsort Löbejün in Sachsen-Anhalt.
Büste des Komponisten Carl Loewe in seinem Geburtsort Löbejün in Sachsen-Anhalt.

Dass Carl Loewe (1796 bis 1869), der vor allem durch seine Balladen im kollektiven Musikgedächtnis verankert ist, immerhin 18 Oratorien komponiert hat, ist wenig geläufig.

Dem Mannheimer Dirigenten und Dozenten Tristan Meister gelang im vergangenen Jahr im Blick auf den mutmaßlich 500. Geburtstag des großen Erneuerers der Kirchenmusik, Giovanni Pierluigi da Palestrina, eine Art Erweckung. Er hat das Oratorium „Palestrina“ von Carl Loewe vom Staub des Archivs befreit und im Frühjahr 2025 in der Mannheimer Christuskirche in packender Wiedergabe – hoffentlich! - wieder in den Repertoires fähiger Chöre verortet. Ein Mitschnitt dieses außergewöhnlichen Konzerts ist jetzt beim CD-Label Rondeau und als Ersteinspielung des Werks erschienen.

Ringen um die „rechte Kirchenmusik“

Loewe hat das oratorische Drama – der Text stammt vom Historiker und Dichter Ludwig Giesebrecht –, das dem zähen Ringen um die „rechte Kirchenmusik“ während des Konzils zu Trient 1545 – 1563) Gestalt verleiht, 1843 komponiert. Er lässt beachtliches Personal aufmarschieren, allen voran Palestrina, den „Retter“ der mehrstimmigen Kirchenmusik, sodann dessen Frau Fiametta, Papst Pius IV. und weitere Köpfe, dazu Gruppen des Volkes. Winzer, Jesuiten, Krieger preisen Gottes Schöpfung, begehren gleichzeitig nach Neuerung; Katholiken und Lutheraner treten in Konfrontation, werden ermahnt: „Brecht nicht den Glaubensfrieden“. Gar manches leuchtet, bei genauem Hinhören, in unsere Jetztzeit.

Liaison zwischen Renaissance und Romantik

Loewe gelingt eine fast unglaubliche Synthese aus romantischem Melos – und gerade damit prunkt das Werk in verschwenderischer Weise – und schlicht tiefspiritueller, kirchentöniger Strenge. Eine Liaison zwischen Renaissance und Romantik. Er zitiert mehrfach Palestrina wörtlich, zum Beispiel mit dem „Ave Maria“ und dem Sanctus aus dessen signifikanter „Missa Papae Marcelli“. Aus den (protestantischen) Chorälen, die er ebenso wie die Zitate a-cappella musizieren lässt, schimmert ein sanfter Hauch von Schütz hindurch.

Eine wahrhaft spektakuläre Wiederauferstehung, die hier ihre(n) Meister gefunden hat. Ein ganzes Kollektiv von Preziosen versammelt der Mannheimer Dirigent da vor seinem Pult. Zum einen öffnet sich da ein sinfonischer Garten Eden mit der vorzüglich disponierten und wie stets verlässlich und hochsensibel agierenden Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Sodann steht mit Meisters ureigenem Gewächs, dem Kammerchor Vox Quadrata, ein Vokalensemble zu Gebote, von dem man eigentlich nur träumen kann; mit einer geradezu mustergültigen Registermischung, eher jung, zupackend, dabei von einer chorischen Disziplin wie aus dem selbstgemalten Bilderbuch; mit lupenreiner Intonation, makellosen Absprachen, dynamischem Spektrum von Pol zu Pol, virtuoser Wendigkeit und einem Gestaltungsspektrum, das kein professioneller Rundfunkchor überzeugender hinbekäme. Dahinter steckt, keine Frage, die vorzügliche stimmbildnerische Arbeit, die tiefengeschärfte Gestaltungskompetenz Meisters – Nomen est Omen –, der einfach weiß, wie’s geht.

Großartige Solisten

Nicht minder hinreißend das Solisten-Ensemble. Mit Lukas Siebert in der Titelpartie ist ein Palestrina im Spiel, dessen leuchtende tenorale Höhenflüge, nicht zuletzt auch die zuweilen eindringliche, gleichwohl höchst subtile Art der Darstellung rundweg überzeugen. Mit alabasterschönen Tönen, samtigem Diskantgold und eindrücklicher Gestaltung umschmeichelt die Sopranistin Johanna Beier Ohr und Seele. Nicht minder eindrucksvoll agieren die Baritone Johannes Hill und Florian Hartmann mit jeweils eigenem Stimmcharakter, aber gleicherweise hoher Sensibilität und prächtiger vokaler Strahlkraft. Und der an einschlägigen Wagner-Partien geschulte Bass Markus Piontek in der Partie des Medici-Papstes Pius IV liefert eine ebenso stimmmächtige wie ausgefeilte Charakterstudie.

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