Enjoy Jazz RHEINPFALZ Plus Artikel Das Festival Enjoy Jazz und sein Programm für eine Corona-Spielzeit

Der amerikanische Pianist Brad Mehldau wird am 2. Oktober das Festival im Feierabendhaus der BASF eröffnen.
Der amerikanische Pianist Brad Mehldau wird am 2. Oktober das Festival im Feierabendhaus der BASF eröffnen.

Keine Amerikaner, kein Programmheft, weniger Zuschauer, weniger Konzerte, viele Unwägbarkeiten: Bei der 22. Ausgabe des Festivals Enjoy Jazz ist vieles anders. Immerhin trotzt Deutschlands größtes Jazzfestival der Pandemie und will die Metropolregion Rhein-Neckar vom 2. Oktober bis 14. November wie gewohnt mit sechs Wochen Livemusik begeistern.

Pianist Brad Mehltau eröffnet das Festival

Zuletzt musste Festivalleiter Rainer Kern noch das Eröffnungskonzert umplanen. Eigentlich sollte im BASF-Feierabendhaus in Ludwigshafen die Sitarvirtuosin Anoushka Shankar auftreten. Die hat aber abgesagt, und nun wird Pianostar Brad Mehldau einspringen, was weit mehr als ein Ersatz ist. Hielte sich der amerikanische Pianist zurzeit statt in Amsterdam in seiner Heimat auf, wäre aber auch dies nicht möglich gewesen, da die USA aktuell als Corona-Hochrisikogebiet gelten und Musiker von dort nicht nach Deutschland einreisen dürfen. Diesem Umstand fielen auch die Konzerte mit Dionne Warwick, John Scofield und Craig Taborn zum Opfer. Auch der Plan, Starsaxofonist und Festivalliebling Joshua Redman zum Artist in Residence zu machen, muss wohl verschoben werden.

Rainer Kern meinte mit leicht bitterer Ironie, dass er die künstlerische Leitung in diesem Jahr mit der für die Einreiseerlaubnis zuständigen Bundespolizei teile. Die Hoffnung, dass wenigstens die junge, in Baltimore lebende Trompeterin Jaimie Branch bei Enjoy Jazz dabei sein kann, hat er immerhin noch nicht ganz aufgegeben.

Kein Programmheft in dieser Saison

Weil es viele solcher Ungewissheiten gibt, verzichtet das Festival diesmal auch auf ein Programmheft. Nebenbei spart das Geld, was wiederum dringend benötigt wird, um die Ausfälle aus dem Kartenverkauf zu kompensieren. Nur etwa 20 Prozent der Platzkapazitäten der Konzertsäle in den Festivalstädten Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen darf unter Wahrung von Hygieneauflagen genutzt werden. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass das Festival in zwei Bundesländern stattfindet und sich die Regeln dort teilweise deutlich unterscheiden. In Rheinland-Pfalz liegt die Obergrenze für Konzerte in Innenräumen derzeit noch bei 150 Personen, in Baden-Württemberg bei 500. Am Freitag wurde allerdings in Mainz beschlossen, diese Grenze ab 15. September von 150 auf maximal 250 hochzusetzen. Einige Konzerte wie Mehldaus Soloauftritt werden deshalb wiederholt, um wenigstens etwas größere Kartenkontingente anbieten zu können. Angesichts all dieser Widrigkeiten war es dem Festivalleiter wichtig zu betonen, dass „alle Fördermittel von Kommunen, Ländern und Sponsoren weiterlaufen“. Eine Selbstverständlichkeit in Krisenzeiten sei dies nicht.

Kern konnte sein in Heidelberg vorgestelltes Programm – abgesehen von den abwesenden Amerikanern – deshalb auch so kompromisslos und eigenwillig wie gewohnt umsetzen. In den ersten beiden Wochen leistet er gleich mal einen Beitrag zu mehr Gendergerechtigkeit und bestreitet das Programm in dieser Zeit ausschließlich mit Musikerinnen. Da trifft man dann auf die britische Trompeterin Laura Jurd und ihre Band Dinosaur, auf die Berliner Pianistin Julia Kadel, die belgische Vibrafonistin Els Vandeweyer oder die niederländische Saxofonistin Tineke Postma. Im vergangenen Jahr schaffte das Festival bereits eine Frauenquote von 40 Prozent, diesen Wert will man in diesem Jahr noch toppen.

Auch Michael Wollny ist dabei

Bei den bekannteren Namen dominieren dennoch weiter die Männer. Der deutsche Pianostar Michael Wollny wird in der Mannheimer Christuskirche das Abschlusskonzert bestreiten, wie Mehldau mit dem Programm eines neuen, in coronabedingter Abgeschiedenheit entstandenen Soloalbums. Ebenfalls eingeladen sind der französische Akkordeonspieler Vincent Peirani im Duo mit dem Saxofonisten Emile Parisien, der österreichische Gitarrist Wolfgang Muthspiel und der Keyboarder Steve Stapleton mit seiner Band Slowly Rolling Camera. Pianistin Johanna Summer improvisiert über Schumann-Kompositionen, und Schlagzeug-Unikum und Krautrock-Legende Mani Neumeier trifft auf den japanischen Avantgarde-Gitarristen Uchihashi Kazuhisa. Die Jazzszene der Region ist mit Schlagzeuger Erwin Ditzner und den Saxofonisten Alexandra Lehmler und Lömsch Lehmann vertreten.

Info

Festival Enjoy Jazz vom 2. Oktober bis 14. November in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg. Programm und Karten im Netz unter www.enjoyjazz.de.
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