Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel Clara Schumann: Weit mehr als nur Roberts Frau

Clara und Robert Schumann auf einem Doppelporträt des Dresdner Bildhauers Ernst Rietschel.
Clara und Robert Schumann auf einem Doppelporträt des Dresdner Bildhauers Ernst Rietschel. Foto: dpa

Sie war eine emanzipierte, eine moderne Frau – vielleicht die erste in der deutschen Musikgeschichte. Und zusammen mit Robert Schumann schrieb sie eine der größten Liebesgeschichten aller Zeiten – die tragisch endete. Am 13. September feiert die Musikwelt den 200. Geburtstag von Clara Schumann – auch mit einer neuen Dauerausstellung im Leipziger Schumann-Haus. Deren aussagekräftiger Titel: „Experiment Künstlerehe“.

Von Frank Pommer

Eine Liebe gegen alle Widerstände. Nicht von dieser Welt, weil viel, viel größer. Stärker. Und am Ende doch zu schwach. An der Wirklichkeit, die sich eben nicht in romantische Kunst verwandeln ließ, zerbrechend. Clara und Robert Schumann, das Traumpaar der deutschen Musik. Hochbegabt beide. Sie ihm als Pianistin deutlich überlegen, zumal nach seiner Fingerlähmung. Ihre Karriere als Komponistin opferte sie dem geliebten Mann. Und der Familie mit sieben Kindern.

Tragische Liebesgeschichte

Die größte Lovestory der Musikgeschichte, schöner und berührender als jede Literatur. Clara Schumann, geborene Wieck, war vielleicht die bedeutendste Pianistin in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und sie war das Kunstprodukt eines ehrgeizigen Vaters. Friedrich Wieck hatte die Karriere seiner Tochter genauestens geplant, schon als junges Mädchen spielte sie europaweit umjubelte Konzerte und war damit der lebende Beweis für den Erfolg der Wieck’schen Klavierausbildung, die vor allem auf unerbittlicher Disziplin beruhte.

Claras Vater forcierte ihre Pianistinnen-Karriere

Für Schumann war Friedrich Wieck zunächst so etwas wie eine Art Ersatz für den früh verstorbenen eigenen Vater. Er nahm bei ihm Klavier- und Kompositionsunterricht, quälte und mühte sich, sein Klavierspiel zu perfektionieren, und fand in ihm sogar Unterstützung, als es galt, der Mutter den in Heidelberg gefassten Entschluss zu vermitteln, das Jurastudium aufzugeben und ganz auf die Musik zu setzen. Doch das gute Verhältnis änderte sich schlagartig, als Vater Wieck bemerkte, was sich hinter seinem Rücken abspielte. Er verbot der Tochter den Umgang mit Schumann – auch weil er ja nicht ganz zu Unrecht fürchtete, eine mögliche Heirat könnte die Karriere seiner Tochter abrupt beenden.

Die beiden Liebenden kämpften verzweifelt um eine gemeinsame Zukunft, und erst im August 1840, mehr als zwei Jahre nach ihrer heimlichen Verlobung, erteilte ein Leipziger Gericht Robert Schumann und Clara Wieck den so genannten „Ehekonsens“: Sie konnten nun, am 12. September 1840, gegen den Willen des Vaters heiraten.

Heirat gegen den Willen des Vaters

Nun also begann das „Experiment Künstlerehe“, wie es die neue Ausstellung nennt. Zunächst in Leipzig, später in Dresden. Es folgte das schlimme Ende in Düsseldorf, wo der unter Depressionen leidende Schumann versuchte, sich 1854 das Leben zu nehmen, indem er sich in den Rhein stürzte. Er wurde von Fischern gerettet, verbrachte den Rest seines Lebens bis 1856 in der Nervenheilanstalt Endenich bei Bonn. Clara und seine Kinder sollte er nie wieder sehen.

Nach Roberts Suizidversuch musste Clara alleine zurechtkommen

Clara wurde wieder Konzertpianistin, was sie zuvor für die Familie zurückgestellt hatte. Einziger Trost in dieser schweren Zeit: der junge Johannes Brahms. Weit mehr als nur ein guter Freund, wohl auch ihr Geliebter. Das aber würde einen Schatten auf die Liebesgeschichte mit Robert werfen. Robert Schumann selbst hatte Brahms in seiner „Neuen Zeitschrift für Musik“ als eine Art Messias der Musikwelt gefeiert. Schumann wurde Mentor für den jungen Brahms. Und Brahms eine wichtige Stütze für Clara, erst Recht nach dem Tod ihres Mannes.

Claras Kompositionen zu selten zu hören

Das Gedenkjahr für Clara Schumann sollte jedoch Anlass genug sein, von diesen ebenso romantisch-verklärten wie tragisch-zugespitzten Lebensumständen abzusehen. Clara war weit mehr als nur die Frau von Robert Schumann und womöglich die Geliebte von Johannes Brahms. Sie war auch weit mehr als nur eine herausragende Pianistin. Sie war eben auch eine großartige Komponistin, was sich leider in nur wenigen vollendeten Werken zeigt. Ihre Klaviermusik – darunter auch ein Klavierkonzert – hätte es allemal verdient, häufiger in Konzertsälen zu erklingen.

Clara Schumann auf einer Sonderbriefmarke zu ihrem 200. Geburtstag.
Clara Schumann auf einer Sonderbriefmarke zu ihrem 200. Geburtstag. Foto: dpa
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