Ausstellung in Metz
Chagall als Glaskünstler: Durch Licht zum Leben
Die Glasfenster für die Kathedrale St. Etienne von Metz gehörten nach jenen für die kleine Kirche Notre-Dame de Toute Grâce in Savoyen zu den ersten, die Marc Chagall für ein christliches Gotteshaus schuf. Der Zyklus nach biblischen Motiven entstand zwischen 1959 und 1967. Zum ersten Mal sind jetzt die Skizzen und Modelle dafür zusammen mit den in der Folge entstandenen Entwürfen zu sehen: Glaskunst auch für Reims und Sarrebourg, neun Fenster für St. Stephan in Mainz und für Kirchen und Synagogen in Israel, den USA, Großbritannien und der Schweiz.
15 Zyklen präsentiert die in Zusammenarbeit mit dem Musée Chagall in Nizza konzipierte Ausstellung in Metz, zusammen mit den Entwürfen sowie begleitend dazu entstandener Tapisserie, Malerei, Skulptur und Keramiken des 1985 in Saint-Paul-de-Vence gestorbenen Künstlers. „Für mich ist ein Buntglasfenster die durchscheinende Trennung zwischen meinem Herzen und dem Herzen der Welt. Buntglas ist ergreifend, es verlangt Feierlichkeit, Leidenschaft. Es muss durch das aufgenommene Licht zum Leben erwachen“, sagte Chagall.
Neue Lebenskraft für „müde Menschheit“
Sein Ziel war es, so auch der „müden Menschheit in einer Epoche, in der alte religiöse und andere Ideale verblassen“, neue Lebens kraft zu schenken. Er sprach von den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, ihre Wirksamkeit kann seine Glasmalerei aber auch in Corona- und voraussichtlich auch noch Post-Corona-Zeiten unter Beweis stellen. Seit dem ursprünglichen Eröffnungstermin sind virtuelle Besuche und Gespräche mit der Kuratorin Elia Biezunski und Chagall-Enkelin Meret Meyer im Internet möglich. Bis 15. März 2021 soll Chagalls Glaskunst noch in Metz bleiben.