Kultur Beethoven, nimmersatt

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Neues zu Beethoven? Gibt es, wenn man die richtigen Weichen stellt. Im BASF-Feierabendhaus Ludwigshafen beschäftigten sich der Dirigent Jan Caeyers, das Orchester Le Concert Olympique und der Pianist Francois-Frédéric Guy mit dem durch drei Beethoven-Werke wandernden „Prometheus“-Thema, dargestellt an einer Auswahl aus der Ballettmusik zu „Die Geschöpfe des Prometheus“, den Klaviervariationen op. 35 und der dritten Sinfonie Es-Dur, der „Eroica“.

Das Phänomen ist nicht unbekannt, wurde aber so wohl noch nie dem Publikum präsentiert. Beethoven, Beethoven und noch einmal Beethoven. Manchmal auch die Musik von Kollegen wie Haydn, Mozart, Schubert und Mendelssohn. Der belgische Dirigent und Musikwissenschaftler Jan Caeyers scheint nichts anderes zu kennen. Seine 2009 vorgelegte, 2012 in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Beethoven: Der einsame Revolutionär“ bei Beck erschienene Beethoven-Biografie gilt inzwischen als Referenzwerk. Nun ist Caeyers eben auch Musiker und als solcher hat der ehemalige Assistent von Claudio Abbado beim Mahler-Jugendorchester das 45 Musiker starke, sehr schnell sehr erfolgreiche Beethoven-Orchester „Le Concert Olympique“ gegründet, das sich aus Mitgliedern renommierter europäischer Orchester zusammensetzt, projektbezogen arbeitet und einen „traditionsbewussten“ Aufführungsstil kultiviert, aber nicht in die Falle der immer auch anfechtbaren „historisch informierten Musizierpraxis gegangen ist. Lebendige, hochgespannte, ja: unbedingt zeitgenössische Interpretationen sind das Ergebnis. Systematisch hat Caeyers das Werk des Komponisten nach heißen Themen abgegrast, und wer könnte interessanter sein als der als Zivilisationsbringer durch die intellektuellen Debatten des frühen 19. Jahrhunderts geisternde Titan Prometheus, der Menschen schuf nach seinem Bilde, den Göttern das Feuer stahl und dafür grässlich bestraft wurde. Nun ist Beethovens Ballettmusik „Die Geschöpfe des Prometheus“ nicht unbedingt ein Renner, nach dem man süchtig werden könnte. Aber so energiegeladen und selbstverständlich wie Jan Caeyers und das hervorragend besetzte Le Concert Olympique das über die Rampe bringen, muss die mäkelige Hörerin schwer Abbitte leisten. Hochbewusst-perfektes, fast uneitles Musizieren auf solider stilistischer Grundlage auch bei Francois-Frédéric Guys Sicht auf die als „Eroica-Variationen“ bekannten 15 Variationen mit Finale alle Fuga op. 35 („Thema als Charakterdarsteller“), bei dem der Pianist problemlos mit Kollegen wie Richter, Brendel oder Gould mithalten kann – also Chapeau. Die „Eroica“ (Thema im Finalsatz) dann als finale Krönung, was die leise Vermutung nährt, Beethoven habe anstelle des nach seiner Kaiserkrönung verworfenen Napoléon doch den mythischen Prometheus als den wahren und echten Widmungsträger gemeint. Spekulation oder nicht Spekulation: Es war blitzsauber gespielt, klang herrlich und in jener makellosen Reinheit des historischen Hintergrundes, den man sich von unseren Orchestern öfter wünschen mochte. Kein bedeutungsschwer dröge sich hinschleppender Trauermarsch. Kein pladdernder Wildwuchs im Scherzo, das Finale nicht rechthaberisch überreizt. Ein wunderbarer Abend, man hätte – Prometheus hin oder her – gerne mehr davon gehört.

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