Kultur Bayreuth: Publikum feiert neuen „Lohengrin“ bei den Festspielen

 Piotr Beczala als Lohengrin Foto: Enrico Nawrath/Festspiele Bayreuth/dpa
Piotr Beczala als Lohengrin

Mit tosendem Applaus feierte das Publikum am Mittwochabend die Neuinszenierung von Richard Wagners „Lohengrin“ bei den Bayreuther Festspielen. Bejubelt wurden vor allem die Sänger - allen voran der polnische Tenor Piotre Beczala in der Titelrolle - und Dirigent Christian Thielemann. Die bildgewaltige, aber leider auch sehr statische Inszenierung von Yuval Sharon in der Ausstattung des Künstlerpaares Neo Rauch und Rosa Loy erntete dagegen vereinzelte Buhs.

Der übliche Promilauf



Es war der übliche Promiauflauf am Nachmittag auf dem Roten Teppich. Allein die Königsloge war prall gefüllt mit Politprominenz. Kanzlerin Angela Merkel, ihre Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, um nur ein paar Beispiele zu nennen, verliehen auch dieser Premiere Glanz und Glamour.

Märchen, das an manchen Stellen Batman gleicht



Für Glanz sollte auch der Leipziger Großkünstler Neo Rauch zusammen mit seiner Frau Rosa Loy sorgen. Sie haben für diesen „Lohengrin“ großformatige, von der Farbe Blau dominierte Bühnenkulissen geschaffen, die durchaus ihren ästhetischen Reiz besitzen. Nur leider war diese Kunst vielleicht zu groß, zu mächtig, so dass eine wirkliche Regie und eine überzeugende Personenführung kaum noch möglich waren. Yuval Sharon erzählt ein Märchen, das an manchen Stellen so aussieht wie ein Batman-Abenteuer beziehungsweise wie frühe Science-Fiction-Filme. Das Brabant, in das der Gralsritter Lohengrin ja entsendet wurde, um die unschuldig angeklagte Elsa zu retten, ist ein heruntergekommener Staat, in dem das Licht ausgeschaltet wurde. Lohengrin bringt den Strom, die Elektrizität zurück, scheitert aber, weil er in der Hochzeitsnacht versagt. Dort erweist er sich als brutaler Macho, der Elsa an eine Neonröhre fesselt. Er ist auch nicht besser als die anderen Männer in dieser Gesellschaft und räumt am Ende das Feld für einen grünen Phophorjüngling, vor dem alle in die Knie gehen. Außer den beiden Frauenfiguren Elsa und Ortrud. Die machen sich auf in ein neues, emanzipiertes Leben.

Piotr Beczala ist der Star des Abends



Star des Abends war sicherlich Piotr Beczala als Lohengin. Erst vor dreieinhalb Wochen war er in die Produktion eingestiegen, nun präsentierte er einen Lohengrin mit herrlich glänzenden Spitzentönen, aber auch sehr leisen, lyrischen Momenten. Zurecht gefeiert wurden aber auch Anja Harteros als Elsa, Waltraud Meier als Ortrud, Georg Zeppenfeld als König Heinrich und Tomasz Konieczny als Telramund. Und natürlich Christian Thielemann am Pult des Festspielorchesters, der einen zupackenden, sehr detailverliebten, dann aber auch wieder sehr emphatischen „Lohengrin“ dirigierte.

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