Kultur Aus Offenbach-Hundheim in die Carnegie Hall

Schuld an allem ist Martin Luther. Hätte der Reformator vor 500 Jahren nicht seine Thesen an die Wittenberger Schlosskirche genagelt, wäre heute vieles ganz anders – auch für einen Jugendchor aus der Westpfalz. Denn die rund 30 jungen Leute haben mit ihrem Kantor Roland Lißmann im Reformationsjahr Aufregendes vor: Erst bestreiten sie musikalisch den Eröffnungsgottesdienst beim „Ökumenischen Christusfest“ an Pfingstmontag auf der Festung Ehrenbreitstein. Mit weltweiter Übertragung im Deutschlandradio, versteht sich. Doch damit nicht genug: Wenige Wochen später reisen die Sänger nach New York, wo sie mitten im Big Apple, in der berühmten Carnegie Hall, einen weiteren Auftritt haben werden. Auch wieder wegen Luther. Und sogar als einzige Teilnehmer aus dem Stammland der Reformation. In Sachen Reformationsjubiläum ist der Kantor des evangelischen Kirchenkreises Obere Nahe schon seit Monaten im Großeinsatz. Immerhin ist es von seinem regulären Arbeitsplatz, der Abteikirche in Offenbach-Hundheim bei Kusel, zur Festung Ehrenbreitstein auch musikalisch eine Herausforderung. Ab 10 Uhr wird der Gottesdienst weltweit übertragen, in dem unter anderem das von Hanns Dieter Hüsch stammende Leitmotiv des Christusfestes „vergnügt, erlöst, befreit“ in einer speziellen Vertonung für „FriFra-Voce“ zu hören ist. Seinen Namen hat der Chor einer Sage über das „Freifraloch“ (hochdeutsch: Freifrauen-Höhle) am Hinterberg bei Offenbach entlehnt. Dort – so die Überlieferung – soll einst eine Einsiedlerin gelebt haben, die allerhand nächtliche Ausflüge unternahm. Und nach Koblenz also noch New York. Mit fast dem gleichen Ensemble doch mit völlig anderem Repertoire. „500 voices for 500 years“ steht über dem Programm am 25. Juni, zu dem Gruppen aus ganz Amerika erwartet werden. Und warum ausgerechnet der Chor aus dem Kreis Kusel? Der Kontakt in die USA geht zurück auf den Offenbacher Pfarrer Johannes Hülser, der schon mit Konfis auf Long Island war. Lißmann belebte diese Verbindungen auf musikalischer Ebene neu. Im einst von deutschen Auswanderern gegründeten lutherischen Concordia College im Norden von New York fand er einen perfekten Partner. Und dessen musikalischer Leiter organisiert das Abschlusskonzert der lutherischen Kirche zur 500-Jahr-Feier der Reformation. „FriFra-Voce“ wird moderne Lieder amerikanischer Komponisten singen. Einige wurden extra für diese Aufführung komponiert. Seit zwei Jahren unterhält der Kirchenkreis enge Kontakte zu dem College in Bronxville. Erst im vergangenen Jahr gab der Concordia Chor in der Pfalz Konzerte und besuchte Stätten der Reformation im Land. Bereits im Sommer davor waren die Deutschen in New York, und damals posierte „FriFra Voce“ – allerdings eher spaßeshalber – noch vor der Carnegie Hall. Nun gehört dem Chor aus Offenbach sogar die Bühne. Übrigens nicht nur wegen Luther…