Frankfurt
Angus Stone hat den Swag: Dope Lemon in der Frankfurter Batschkapp
Angus Stone weiß einfach nicht, wohin mit all seiner Kreativität. Eigentlich müsste der Australier als ein Teil des überaus erfolgreichen Geschwisterduos Angus & Julia Stone ja gut ausgelastet sein. Seit 2006 haben er und sein Schwesterherz immerhin fünf Alben (und einen Soundtrack) veröffentlicht, zuletzt das wunderbare „Cape Forestier“ (2024), bei den beiden ist also immer etwas los.
Aber ein Outlet allein ist bei der Fülle an Ideen, die Angus Stone mit sich herumträgt, offenbar zu wenig. Und so hat der mittlerweile 39-Jährige seit jeher eine Solokarriere laufen, hat unter anderem unter seinem bürgerlichen Namen Alben veröffentlicht, aber auch unter den Monikern Lady of the Sunshine - und eben Dope Lemon.
Er passt irgendwie in keine Schublade
Bewegt er sich mit seiner Schwester eher in Folk- und Indie-Pop-Gefilden, rührt Angus als Dope Lemon eine etwas andere Mixtur an. Lo-Fi-Psych-Pop mit Blues-Anleihen, so könnte man den Sound hier wohl am besten beschreiben. Sein Label verortet ihn hingegen unter „Psyschedelic-Indie-Soul-Rock“, also alles außer Schlager und Volksmusik, wenn man so will, erklären Sie mal einem Plattenhändler, wo er die Erzeugnisse dieses Musikers einsortieren sollte. Wie auch immer man seinen Sound aber auch nennen mag: Er zieht, wenn man sich das rappelvolle Haus am Freitagabend in der Frankfurter Batschkapp so anschaut, wo Stone eines von insgesamt nur fünf Deutschland-Konzerten in diesem Jahr gab.
Im Gepäck hatte der Australier sein neues Album „Golden Wolf“, das in diesem Mai auf den Markt gekommen war, sein nunmehr fünfter Dope-Lemon-Longplayer, sein siebtes Solo-Album insgesamt. Ein durchaus verletzliches Werk, Stone beschäftigt sich hier mit Themen wie Sterblichkeit, Vermächtnis und den Übergang ins Jenseits. Es geht hier also um die ganz großen, existenziellen Fragen. „Auch wenn es auf der Platte um das Leben danach geht, sollten wir nicht vergessen, auch in diesem Leben Spaß zu haben“, rief Stone ins Frankfurter Publikum - und dieses nahm diese Einladung dankbar an.
Die Stimmung ist grandios
Die Stimmung: von Anfang an grandios. Die Vorband Piri & Tommy hatte schon gut eingeheizt, und als dann die Silhouetten von Dope Lemon und Kollegen aus der Dunkelheit auf die Bühne traten, war der Jubel direkt groß. Nach einem längeren Intro, das gleich den Vibe für den Abend setzte, ging es direkt mit „Stonecutter“ los. Der Setlist-Opener war gleich eines der Glanzlichter des Abends.
Zu denen gehörte unter anderem auch „Marinade“ (vielleicht der Song, der am ehesten so etwas wie ein Hit der Band ist) und auch „John Belushi“, eine Hommage an den 1982 verstorbenen Schauspieler, der durch „Saturday Night Live“ und den Film „Blues Brothers“ berühmt wurde - einer der Kindheitshelden von Angus Stone. Stone gehört zu der Sorte Musiker, die sich eher von Filmen inspirieren lassen denn von anderen Musikern, wie er selbst schon zu Protokoll gab.
Absolut cool
Keine Frage: Stone und Band, allesamt dunkel gekleidet und mit Cowboy-Hüten ausgestattet, bringen diesen gewissen Swag mit, dieses gewisse Etwas, das man nicht lernen kann. Eine Coolness, die man einfach hat. Das Publikum fraß ihnen entsprechend aus der Hand, verlor sich so sehr in der Musik, dass selbst die Smartphones nur selten gezückt wurden. Band und Zuhörer, vereint im Moment, eins im Hier und Jetzt. Das geht noch, auch im Jahr 2025. Erfrischend.
Stone hat den Ruf, ein Slacker zu sein. Einer, der es eher entspannt angehen und Fünfe gerade sein lässt. Wenn man sich so den Fleiß und den Output des Mannes anschaut, passt das Etikett nicht so ganz. Wenn man sich allerdings die Konzertlänge so betrachtet, dann wird da doch wieder ein Schuh draus. Es war früh Feierabend, nach 80 Minuten (inklusive einer Zugabe) war schon wieder Schluss. In das überschaubare Set hätten Perlen wie „Miami Baby“ noch gut reingepasst.
Am Ende hatte man sich im Publikum nochmal eben kurz verwundert die Augen gerieben: Waren da wirklich gerade auf der Bühne noch Menschen in überlebensgroßen Tiermasken erschienen? Oder haben die penetranten Cannabis-Ausdünstungen des Nebenmannes erste Wirkung gezeigt?