Kultur 50 Zeilen Pop: Shoegaze in Kusel mit dem Trio Jaguwar
Eine kleine Zeitreise, bald in Kusel zu erleben: Das Berliner Trio Jaguwar huldigt den britischen Shoegaze-Gitarrenbands der frühen 1990er, aber auch dem verträumten Indiepop der späten 80er aus Neuseeland und den USA. Klangwände aufschichten können sie ebenfalls. Und so laden Songs wie „Night Out“ ein, auch mal wieder die Go-Betweens, Ride und natürlich My Bloody Valentine („diese Band ist der Grund, warum ich Musik liebe und lebe“, sagt Bassistin, Gitarristin und Co-Sängerin Oyèmi Noize) aufzulegen. Bei „Crystal“ kommen Slowdive, aber auch Ultra Vivid Scene oder Galaxie 500 in den Kopf, deren Album „On Fire“ ohnehin ein zeitloses Meisterwerk ist. Wie Galaxie 500 einst ist auch Jaguwar ein Trio. Lemmy Fischer, Oyèmi Noize (oder Wendy Warhol) und Chris Krenkel verleugnen ihre Vorbilder auch nicht, so betrieb Oyèmi einen Blog namens „Shoegaze Love“. Und die Band hat Humor. Auf Pressefotos wird schon mal auf die Schuhe geblickt: Die Bezeichnung „Shoegaze“ hatten englische Musikmagazine geprägt, da die Frontleute dieser gitarrenorientierten Bands oft zu ihren Schuhspitzen blickten. Weniger aus Schüchternheit allerdings, sondern um ihre Armada an Effektgeräten im richtigen Moment per Fuß bedienen zu können. Aber der Blick nach unten ließ sich auch als Botschaft verstehen, nicht auf die Rockstar-Show-Pose setzen zu wollen, sondern sich lieber in die Musik zu vertiefen. Als „Krach & Detail“ beschreibt die Band selbst ihren vielschichtigen Sound, bei dem es sich der Gesang angenehm vage im Hintergrund gemütlich macht. Eine Ode an die letzten Sommersonnenstrahlen ist das Video zu „Crystal“ – idealer Vorbote fürs nächste Konzert: Am Sonntag spielen Jaguwar in Kusel, in der Musikkneipe Schalander, ohnehin eine feine Adresse für hörenswerte Bands abseits des Mainstreams (www.facebook.com/schalander).