Kultur 50 Zeilen Nachlese: Die endlose Spirale der Gewalt

Placeholder-Image

Der 1954 in Jerusalem geborene David Grossmann – 2010 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet – schreibt mit seinem literarischen Werk an gegen die sich immer weiter zuspitzende Spirale der Gewalt in Nahost. Er bekämpft den Hass zwischen Israelis und Palästinensern, obwohl er 2006 seinen eigenen Sohn verlor, der bei Kämpfen im Südlibanon fiel. Wörter sind stärker als Waffen, die Fantasie ist größer als der Hass – und die Liebe kennt keine Grenzzäune. Grossmanns Roman „Das Lächeln eines Lammes“ (Fischer Taschenbuch, 2004, 14,99 Euro) erschien 1982 im Original, hat aber nichts von seiner Brisanz verloren. Seine Hauptfiguren sind der israelische Soldat Uri, ein ebenso naiv wie verletzlich wirkender Idealist, der glaubt, die Situation der Palästinenser im Westjordanland verbessern zu können, und der alte Geschichtenerzähler Chilmi. Halbblind, leicht verrückt, aber von einer tiefen Lebensweisheit geprägt, in der es für den Hass eigentlich keinen Platz gibt. Doch als sein Sohn Jasdi bei einem missglückten Anschlag von der israelischen Armee getötet wird, ist es vorbei mit seinem Dulden. Er nimmt Uri als Geisel, droht, ihn zu töten, wenn die Soldaten nicht aus den besetzten Gebieten abziehen. Doch am Ende stirbt Uris Freund und Vorgesetzter Katzmann, der Uri befreien wollte. So weit die politische Seite dieser Geschichte, die wie ein orientalisches Märchen erzählt wird. Aber da sind ja noch die anderen Personen um Uri: seine Frau Schosch, eine Psychoanalytikerin, die mit schwer erziehbaren Jungs arbeitet und einen in den Tod treibt, indem sie ein Verhältnis mit ihm eingeht. Und mit Katzmann betrügt sie Uri auch. Da wären da noch Schoschs Eltern Avner und Lea, die Uri wie einen Sohn angenommen haben. Auf all diesen Menschen lastet der Krieg, die Gewalt wie ein Alpdruck, der ihnen die Luft zum Atmen, zum Leben nimmt.

Mehr zum Thema
x