Geschichte RHEINPFALZ Plus Artikel 1500 Jahre christliche Zeitrechnung

Der römische Mönch Dionysius Exiguus begründete anno 525, also bereits vor 1500 Jahren, die christliche Zeitrechnung.
Der römische Mönch Dionysius Exiguus begründete anno 525, also bereits vor 1500 Jahren, die christliche Zeitrechnung.

Die bei uns übliche christliche Jahreszählung wird in diesem Jahr 1500 Jahre alt und ist ein Werk des römischen Mönchs Dionysius Exiguus.

Der römische Mönch Dionysius Exiguus begründete anno 525, also bereits vor 1500 Jahren, die christliche Zeitrechnung. Zentraler Bezugspunkt war für ihn die Geburt Jesu. Aber lebte laut der Weihnachtsgeschichte nicht noch König Herodes, der nach heutigen Erkenntnissen schon im Jahr 4 v. Chr. gestorben sein muss? Und was ist mit dem Jahr null?

Die Arbeit von Dionysius legte den Grundstein für die heute weit verbreitete Zeitrechnung, die im Mittelalter von der christlichen Kirche übernommen wurde. Aber Forschungen haben inzwischen eindeutig nachgewiesen, dass die Himmelserscheinung, die wir als Stern von Bethlehem bezeichnen, bereits im Jahr 7 v. Chr. stattfand. Da scheinen sich Ungereimtheiten eingeschlichen zu haben.

„Zu den wichtigsten Quellen über das Leben des historischen Jesus gehören Schriften aus dem Neuen Testament. Neben den vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sind auch die Briefe des Apostels Paulus und die Apostelgeschichte zentrale Texte für die historisch-kritische Jesusforschung“, erklärt der evangelische Theologe Wolfgang Reinbold, Professor für das Neue Testament der Uni Göttingen.

Wann Ostern ist

Im Jahr 519 war der Gelehrte Dionysius Exiguus – das bedeutet so viel wie „der Kleine“ bzw. „der Geringe“, vermutlich nannte er sich aus klösterlicher Demut selbst so – von Papst Hormisdas mit der Berechnung des Osterkalenders beauftragt worden. Die Wahl fiel auf den vom Westufer des Schwarzen Meeres stammenden Mann, da er weit über die Grenzen hinaus für seine umfassende Bildung berühmt war: Er beherrschte perfekt mehrere Sprachen, spielte eine bedeutende Rolle als Übersetzer und Herausgeber des Kirchenrechts, bekleidete lange Jahre ein Lehramt und diente zudem mehreren Päpsten.

Eigentlich sollte Dionysius das bewegliche Osterdatum für die kommenden Dekaden festlegen, denn die letzten verfügbaren Ostertafeln waren gerade abgelaufen. Die Gelehrten waren sich uneinig, wann im Jahr 526 Ostern sein sollte. Beim „Ersten Konzil von Nicäa“ im Jahr 325 war festgelegt worden, dass Ostern auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsbeginn bei Vollmond und dem jüdischen Pessachfest folgen sollte.

Seit dem Jahr 284 wurde für die Zeitrechnung der Diokletianische Kalender verwendet worden, doch den lehnte Dionysius wegen der Christenverfolgungen des römischen Kaisers ab. Er wollte den Lauf der Jahre lieber „nach der Menschwerdung Christi“ berechnen und bestimmte dessen Geburt auf das Jahr 1 (Anno Domini – „im Jahr des Herrn“), fortan sollten die Jahre danach gezählt werden. Als den Tag der „Inkarnation des Herrn“ betrachtete Dionysius den 25. März und den Tag seiner Geburt demzufolge am 25. Dezember.

Zuvor waren kalendarische Berechnungen beispielsweise in Rom seit Gründung der Stadt „anno urbis conditae“ DCCLIII (753) vor Christus vorgenommen worden. Viele Elemente eines Zeitrechnungssystems, insbesondere zyklische Strukturen mit Sonnenjahren, Monaten, Wochen und Wochentagen wurden aus älteren Zivilisationen übernommen und kommen in Zeitrechnungen anderer Kulturen bis heute vor.

Kein Jahr Null

Schon in der Antike wurden die Regierungsjahre ab der Thronbesteigung eines Monarchen gezählt. In verschiedenen Religionen gelten unterschiedliche Zeitrechnungen. 2025 n. Chr. ist bei Juden bis zum Herbst das Jahr 5785. Die hinduistischen Kalender Vikram-Samvat und Shaka-Samvat beginnen 57 Jahre vor beziehungsweise 78 Jahre nach der christlichen Ära, Hindus begehen demnach 2025 die Jahre 2081 oder 1947.

Für Muslime beginnt die Zeitrechnung, als Mohammed 622 n. Chr. in die Stadt Medina ausgezogen ist. Der islamische Kalender wird nach dem Lauf des Mondes berechnet, deshalb sind die Jahre im Vergleich zu unserer Zeitrechnung um etwa zehn bis zwölf Tage kürzer. So entspricht 2025 bis zum Sommer dem islamischen Jahr 1446. In China wird traditionell eine fortlaufende Jahreszählung ab der Herrschaft des legendären Gelben Kaisers berechnet, dabei wird 2698 v. Chr. als Jahr 1 verwendet. Somit beginnt 2025 das chinesische Jahr 4723.

Dionysius bezeichnete das erste Jahr des Lebens Christi mit einer Eins ohne ein Jahr Null, schließlich dauerte die Geburt Jesu kein ganzes Jahr: Deshalb folgte auf das Jahr 1 v. Chr. (lateinisch „Ante Christum“) unmittelbar das Jahr 1 n. Chr. Allerdings bleibt es bei Unstimmigkeiten, da die Evangelien in der Bibel besagen, dass Christus unter Herodes dem Großen geboren wurde, der jedoch schon im Jahr 4 v. Chr. starb.

Anfang des 6. Jahrhunderts war die Null als Zahl in Mitteleuropa noch unbekannt, sie wurde von den Maya und den Indern entdeckt und gelangte über Babylonien, Griechenland und Italien nach Deutschland. Bei uns wurde die Null erst im 16. Jahrhundert durch das dezimale Zahlensystem des Mathematikers Adam Ries bekannt. Astronomen wollten auf der Zeitskala nicht auf das Jahr null verzichten, also fügten sie in ihre Jahreszählung zwischen 1 v. Chr. und 1 n. Chr. ein Jahr ein. Dadurch rückten alle Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung um zwölf Monate in die Vergangenheit.

Die Jahreszählung seit Christi Geburt konnte sich aber erst Jahrhunderte nach Dionysius durchsetzen. Denn die Fürsten des frühen Mittelalters zogen noch lange ihre eigenen Herrschaftsjahre zur Datierung vor, ebenso wie Bischöfe und Päpste. Erst zur Zeit von Karl dem Großen und seiner Kaiserkrönung im Jahr 800 rückte die christliche Zeitrechnung ins allgemeine Bewusstsein des Volkes. Langsam verbreitete sie sich über das fränkische Reich im gesamten Abendland.

Papst Gregor XIII. (Porträt von Lavinia Fontana) war 1582 der Begründer unseres bis heute gültigen Kalenders.
Papst Gregor XIII. (Porträt von Lavinia Fontana) war 1582 der Begründer unseres bis heute gültigen Kalenders.

Hermanns Annalen

Der Mönch und Wissenschaftler Hermann von Reichenau, einer der führenden Gelehrten seiner Zeit, stellte 1054 in seinem „Chronicon“ erstmals die Weltgeschichte in Form von Annalen in Bezug zum Jahr der Geburt Christi dar. Um das Jahr 1060 wurde diese Jahresrechnung von der römisch-katholischen Kirche in Gebrauch genommen. Auch in amtlichen Dokumenten wurde sie nach und nach zur Regel.

Hermann von Reichenau stellte 1054 erstmals die Weltgeschichte in Form von Annalen in Bezug zum Jahr der Geburt Christi dar.
Hermann von Reichenau stellte 1054 erstmals die Weltgeschichte in Form von Annalen in Bezug zum Jahr der Geburt Christi dar.

Im Oktober 1582 kam es unter dem Pontifikat von Papst Gregor XIII. zur Kalenderreform. Im bis dahin verwendeten Julianische Kalender wurden zur Angleichung an den tatsächlichen Jahreslauf der Sonne zehn Tage gestrichen. Seitdem gilt der Gregorianische Kalender. Vor allem katholisch geprägte Länder wie Spanien oder Portugal übernahmen ihn sofort, Preußen ab 1612, die Türkei erst 1927. Auch der Tag, an dem das Jahr beginnt, variierte noch über einen langen Zeitraum. Erst im ausgehenden Mittelalter setzte sich der 1. Januar durch. Papst Innozenz XII. sorgte ab dem Jahr 1691 mit der Verwendung in päpstlichen Bullen für seine allgemeine Anerkennung.

Die Namen unserer heutigen zwölf Monate stammen noch aus dem Julianischen Kalender, die ihre Grundlage in den zehn Monaten der altrömischen Bezeichnungen haben. Der Januar hat seinen Ursprung im Lateinischen „ianua“ und bedeutet „Tür“ und somit Eintritt ins neue Jahr. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Monate elf und zwölf mit November und Dezember eher an Neun und Zehn im Latein erinnern.

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