Beziehungskiste Beziehungskolumne: Grenzen

Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann sind systemische Therapeutinnen in Neustadt.
Gabriele Engel (links) und Ursula Klotmann sind systemische Therapeutinnen in Neustadt.

Wie finden Eltern wieder Zugang zu ihrem Kind, wenn es sich völlig zurückzieht? Geduld ist gefragt.

„Unsere Tochter, 12 Jahre, hat sich in den letzten Wochen sehr verändert. Wir hatten ein sehr offenes und vertrauensvolles Verhältnis und konnten über alles reden. Nun zieht sie sich völlig zurück, ist patzig, wenn man nachfragt und möchte nur noch in Ruhe gelassen werden. Was ist da los? Wie finden wir wieder Zugang zu ihr?“

Sie machen sich Sorgen um Ihre Tochter und können vermutlich nicht einschätzen, ob ihr verändertes Verhalten mit der Entwicklung in der Pubertät zusammen hängt oder ob es andere Gründe dafür gibt. Beides ist möglich. Rückzug ist ein typisches Pubertätsverhalten, kann aber auch ein Hinweis auf ein belastendes Erlebnis sein.

Die Grenzziehung Ihrer Tochter ist offensichtlich. Respektieren Sie dies, bleiben Sie aber gleichzeitig präsent. Bedrängen Sie sie nicht, wenn sie nicht reden möchte, aber seien Sie gesprächsbereit, wenn sie auf Sie zugeht. Hören Sie dann zu, zeigen Sie Interesse an den Themen, die sie von sich aus anbietet. Auf diesem Weg erfahren Sie am ehesten, wie es ihr geht und was sie braucht. Vermeiden Sie emotionale Beziehungsgespräche und Vorwürfe.

Jetzt ist übrigens ein guter Zeitpunkt, im Familienalltag Regeln zu verändern und mit Ihrer Tochter zu verhandeln, etwa über die Anzahl gemeinsamer Mahlzeiten, abschließbare Zimmer- und Badtüren, Medienzeiten, Taschen- und Kleidergeld und vieles mehr. Ihre bisherige vertrauensvolle Beziehung ist eine gute Basis. Viel Geduld!

x