Fußball
Wieder in Trulben und beim FKP: Ex-Profi Mike Andreas ist „angekommen“
Der blonde Mittelfeldspieler schaffte es, wenn auch nicht in Deutschland, zum Erstliga-Profi. Nun ist er 27, wieder in Trulben und beim FKP, mit dem er als Oberliga-Tabellenführer ins Heimspiel gegen Mechtersheim geht.
„Ich wollte ankommen.“ So erklärt Mike Andreas, warum er vergangenen Winter seinen Vertrag mit dem luxemburgischen Fußball-Erstligisten UNA Strassen auflöste, nun wieder in seinem Heimatdorf Trulben wohnt und zu seinem Jugendverein, dem FK Pirmasens, zurückgekehrt ist. „Ich bin in den vergangenen zwölf Jahren einige Male umgezogen. Irgendwann reicht es. Ich hatte Heimweh und wollte mich niederlassen“, sagt der 27-Jährige, der jetzt in „Trulwe“ im Haus seiner Großeltern wohnt (Opa Gerhard Cölsch war früher lange Jahre Vorsitzender des SV Trulben) und für den FKP in der Oberliga spielt.
Der gute Jahrgang 1997
Mike Andreas gehörte zum außerordentlich guten Jahrgang 1997 des FK Pirmasens, der in der Saison 2011/12 in der höchsten C-Junioren-Spielklasse, der Regionalliga Südwest, nur zwei von 26 Partien verlor und als Dritter hinter Meister Saarbrücken (den die Pirmasenser 2:1 schlugen) und dem 1. FC Kaiserslautern vor Mainz 05 abschloss. „Luca Eichhorn, Jonas Singer, Tim Dudek oder Kristof Scherpf waren da meine Mitspieler, Harry Ehrhart und Dirk Kapitulski hießen die Trainer“, erinnert sich der blonde Mittelfeldspieler gerne an diese Zeit. Er machte auf sich aufmerksam. Der DFB lud ihn zweimal zu Sichtungslehrgängen für die Junioren-Nationalmannschaft ein, Mainz 05 holte ihn zu seinen Bundesliga-B-Junioren.
Ein großer Schritt für Mike Andreas. Er zog von Trulben, wo er einst als Knirps mit dem Kicken bei der SG Grenzland begonnen hatte, in die Landeshauptstadt, wohnte dort mit anderen 05-Talenten im Kolpinghaus in der Altstadt und besuchte fortan die IGS Mainz-Bretzenheim, wo er auch sein Abitur ablegte. Schon im ersten B-Junioren-Jahr war er Stammspieler, in der zweiten U17-Saison führte er als Kapitän die Mainzer zur Meisterschaft in der Bundesliga Süd/Südwest und ins Halbfinale um die deutsche B-Junioren-Meisterschaft 2014 gegen RB Leipzig. Insgesamt wurden es 90 Junioren-Bundesligaspiele für Mike Andreas, der in dieser Zeit auch vom späteren Bundesligacoach Sandro Schwarz (jetzt RB New York) trainiert wurde.
Meister in Luxemburg
Der Übergang ins Mainzer Drittliga-Profi-Herrenteam gestaltete sich schwierig. „In meinem letzten A-Jugendspiel habe ich mich verletzt, musste lange pausieren, und als ich wieder fit war, setzte der Trainer im Abstiegskampf auf die erfahrenen Spieler“, erzählt Andreas. Er wechselte daraufhin in die Regionalliga, stand dort erst bei Röchling Völklingen (mit seinem heutigen FKP-Teamkollegen Luka Dimitrijevic), dann beim SC Wiedenbrück unter Vertrag. Seit 2019 verdiente er dann in Luxemburg sein Geld als Fußballer. Mit Swift Hesperingen wurde er Meister der Zweiten Liga des Großherzogtums, dann unterschrieb er beim Erstligisten UNA Strassen, für den insgesamt 37-mal im defensiven Mittelfeld auflief.
Mike Andreas setzte aber nicht nur auf die Karte Fußball. Er machte seinen Bachelor in Sportmanagement und arbeitete zu seiner Luxemburger Zeit auch schon in diesem Bereich. Aktuell verdient er bei einer Sportgerätefirma sein Geld, berät dabei Kunden in Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Hessen und Thüringen. „Wir verkaufen beispielsweise Fußballtore, Schutzgitter für den Diskuswurf, Volleyballpfosten oder Basketballständer.“
Flexibel und routiniert
Als FKP-Präsident Jürgen Kölsch im Winter erfuhr, dass Mike Andreas seinen Vertrag mit Strassen auflöst und in die Heimat zurückkehrt, kontaktierte er ihn sogleich über seinen Vater. Mit Erfolg. Andreas trainierte den Rest der vergangenen Saison oft mit dem FKP-Oberligakader und sagte fürs Spieljahr 2024/25 zu.
„Wir sind absolut froh, ihn zu haben. Mike bringt Erfahrung, Ruhe am Ball und Professionalität mit. Außerdem ist er total flexibel, was man auch vergangenen Mittwoch gesehen hat, als wir im Spiel bei Schott Mainz drei verschiedene Grundordnungen hatten“, lobt Trainer Daniel Paulus. Er setzt Andreas sowohl im defensiven Mittelfeld als auch in der Abwehrkette ein. Der Rückkehrer merkt dazu an: „Ich spiele lieber auf der Sechs, aber auch gerne hinten – eben da, wo mich der Trainer hinstellt.“
TuS kommt ohne Rapolder
Im Heimspiel des Tabellenführers am Samstag (14 Uhr) gegen den TuS Mechtersheim fehlen von seinen Teamkollegen die verletzten Luca Eichhorn, Thomas Selensky und Silas Gutmann, wobei Gutmann nach seiner Schulterprellung laut Paulus „deutliche Fortschritte“ macht und wohl nächste Woche wieder voll trainieren kann. Noch angeschlagen sind auch die Pendler zwischen Ober- und Verbandsligateam, Corvin Ayers und Lennart Vogt. „Mechtersheim hat gerade Wormatia Worms geschlagen, kann also nicht schlecht sein“, sagt Paulus zum nächsten Gegner, bei dem Co-Trainer Volker Klein den urlaubenden Interimscoach Uwe Rapolder vertritt.
Zurück zu Mike Andreas: Er ist sichtlich zufrieden mit seiner Entscheidung vom vergangenen Winter. „Es läuft sportlich, ich spüre Euphorie. Und ich habe hier kurze Wege, kann Privatleben, Beruf und Fußball gut verbinden.“ Er ist angekommen.