1. FC Kaiserslautern
Vorbereitung in der Türkei: Vollgas-Woche beim FCK
Das Golfkart mit der Nummer zehn am mondänen Eingang des Kempinski-Hotels ist bislang äußerst selten benutzt worden – zumindest von jenem Gast, dessen Name an der Frontscheibe prangt. Das Kart Nummer zehn ist extra für Thomas Hengen reserviert. Aber der Geschäftsführer des 1. FC Kaiserslautern läuft lieber die 800 Meter zum Trainingsplatz. Jede Einheit schaut sich Hengen an. Er steht dabei abseits, meist alleine. Denn Hengen telefoniert. Er telefoniert viel. Eigentlich sehr viel. Die heiße Phase der Transferperiode beginnt nun. Hengen sagt schon vor Wochen, dass sich das Karussell Mitte Januar, kurz bevor die Rückrunde der Fußball-Bundesliga am 21. Januar startet, zu drehen beginnt.
Ja, und dann ist auch Hauptsaison für die Gerüchteküche. Die etwa 30 bis 40 Fans, die im Mannschaftshotel des FCK sind, saugen jede Neuigkeit auf. So waberte am Samstagmorgen beim Frühstück eine – unbestätigte – Info umher, dass der FCK noch einen „Kracher“ verpflichte. Thomas Hengen äußert sich zu solchen Spekulationen nicht. Er sagt: „Wenn die Tinte unter dem Vertrag getrocknet ist, dann verkünden wir etwas.“ Bislang kam nichts. Allerdings wird der Verein nicht in Aktionismus verfallen. „Sorgfalt vor Eile“, sagt Trainer Dirk Schuster. Der Verein werde nicht irgendeinen Spieler verpflichten, nur, um etwas getan zu haben.
Schuster: „Platz in hervorragendem Zustand“
Ganz untätig war der Tabellenvierte der Zweiten Liga auch wieder nicht. Kurz vor Abflug ins Trainingslager am 3. Januar kam Nicolai Rapp zum FCK. Der defensive Mittelfeldspieler lebt sich sehr gut ein ins Team. Boris Tomiak, der seinen Vertrag vor Kurzem „längerfristig“ verlängerte, liegt mit Rapp in einem Zimmer. Er soll dem Neuling die Integration erleichtern. Dirk Schuster jedenfalls hob den Daumen, was das Ankommen von „Rappo“, wie er genannt wird, angeht.
Trainingslager gehören zum Profigeschäft dazu. Es gibt Vereine, die fliegen nach Katar, in die USA, andere nach Asien, nach Spanien oder in die Türkei. Es gab Zeiten, da blieb der FCK im Winter zu Hause. Das ist vorbei. Die Bedingungen im Mannschaftshotel in Belek mit seinen 158 Zimmern und 28 Villen am Golfplatz sind nahezu perfekt. Dirk Schuster lobt die Gastfreundlichkeit des Personals, den Service, ja und auch den Arbeitsplatz, wie er das grüne Geläuf bezeichnet. „Der Platz ist in einem hervorragenden Zustand“, sagt er. Wichtig ist ihm gewesen, dass das Trainingsgelände zu Fuß erreichbar ist. „Ich wollte keine zehn Minuten mit dem Auto irgendwo hinfahren“, betont Schuster.
Nicht alle Spieler mögen Trainingslager
Das hätte auch keine Begeisterungsstürme bei seinem kickenden Personal ausgelöst. Denn viele Spieler mögen nicht unbedingt Trainingslager. Kenny Prince Redondo wäre lieber bei seiner Familie. Er nimmt sogar sein eignes Kissen mit, weil er so besser schlafen kann. Und Schlaf können die Lauterer Jungs gut gebrauchen. Bis zu dreimal am Tag scheucht Schuster die Spieler umher. Beim 5,5 Kilometer langen Morgenlauf dämmert es noch, wenn die Spieler um den berühmtesten Golfkurs in der Türkei rennen
Jean Zimmer ist auch kein großer Freund eines Trainingslagers. Das „Nein“, kommt wie aus der Pistole geschossen. Aber der FCK-Kapitän weiß, dass so eine Vorbereitungswoche in der Fremde dazugehört. Er bevorzugt – wie Redondo – ebenfalls das eigene Bett. Gerade jetzt. Denn Zimmers Frau erwartet Ende Januar das zweite Kind. Und für den Kapitän ist so ein Trainingslager außerdem ein ernährungstechnisches Abenteuer. Aufgrund seiner Erkrankung darf Zimmer nicht alles essen. „Zu Hause habe ich meine Abläufe“, sagt er. Hier aber klappt nicht alles so, wie es eigentlich sollte bei der kulinarischen Zubereitung. Dennoch lobt auch der Kapitän die sehr gute Infrastruktur in Belek.
Erkältungswelle sorgt für Ausfälle in Belek
Das kommt Dirk Schuster entgegen. Er legt den Schwerpunkt auf das Passspiel. Immer wieder werden Pässe, das Passtempo, die Passpräzision trainiert. „Der gute Platz ermöglicht so ein Passtraining“, sagt Zimmer. Er teilt sich übrigens das Zimmer mit Aaron Basenach. Er und Gekas Stavridis flogen mit nach Belek. Beide unterschrieben vor Wochen einen Profivertrag. Sie präsentieren sich sehr gut.
Weil die Erkältungswelle auch den FCK erwischt hat, musste Daniel Hanslik zu Hause bleiben und in Belek liegen Jonas Weyand und Aaron Opoku seit Tagen flach. Lucas Leibrock und Mika Haas, zwei Spieler aus der U19, reisten daher am Mittwoch nach. Am Freitag fehlten jedoch sechs Spieler im Training. „Das ist natürlich ärgerlich, weil man mit so vielen Spielern wie möglich das Programm durchziehen will“, sagt Schuster. Aber die Neu- und Nachkömmlinge haben Qualität. „Der Aaron ist ein sehr guter Junge“, sagt Zimmer. Überhaupt sind das alles feine Jungs. In Belek sieht man, dass das Innenleben der Mannschaft völlig intakt ist. Dieser Teamgeist ist ein Erfolg von Schuster und Hengen. Ob das Trainingslager am Ende erfolgreich verlief, hängt von mehreren Faktoren ab. Aber zur Halbzeit gibt es nichts zu meckern.
