Betze-Geflüster RHEINPFALZ Plus Artikel Seit 25 Jahren auf dem Betze: Für Reporter Michael Hasslinger ist der FCK Drama pur

Für seinen Vorbericht auf das Spiel gegen Wehen Wiesbaden führte Michael Hasslinger ein Interview mit FCK-Kapitän Jean Zimmer.
Für seinen Vorbericht auf das Spiel gegen Wehen Wiesbaden führte Michael Hasslinger ein Interview mit FCK-Kapitän Jean Zimmer.

Betze-Geflüster: Michael Hasslinger bezieht seit drei Jahren Rente. Aber der 68-Jährige ist nicht wirklich Rentner, sondern weiter als Live-Reporter für Radio RPR am Mikrofon. Auch am Samstag (13 Uhr), wenn der FCK im Abstiegskampf auf den SV Wehen Wiesbaden trifft.

Für viele Freunde und Kollegen ist Michael Hasslinger einfach nur „de’ Michel“. So nannte ihn einst bei den Anfängen von RPR Gerhard Specht, der damalige Chef vom Dienst, weil’s einen zweiten Michael in der Redaktion gab. Längst aber ist Michael Hasslinger eine Reporter-Ikone des Privatsenders. Als Reporter erlebt der gebürtige Bad Kreuznacher seine 40. Saison bei den Adlern Mannheim, bei den Spielen des 1. FC Kaiserslautern ist Hasslinger seit 25 Jahren am Mikrofon. Er ist nah dran an der Mannschaft, den Protagonisten in kurzen Hosen, dem Trainer, den Offiziellen. In seiner Zeit hat das RPR-Urgestein 23 Trainer und über 200 Spieler erlebt. Die jetzige FCK-Pressesprecherin Ann-Kathrin Beisiegel-Hauck war einst Praktikantin Hasslingers, der 2004 Studioleiter in Kaiserslautern wurde. Damals residierte RPR noch in der Nordtribüne im Fritz-Walter-Stadion. Kurze Wege für Interviewgäste oder auch für die „jungen Wilden“ wie Daniel Halfar, Fabian Schönheim, Steffen Bohl oder Marcel Ziemer, die beim „Michel“ gerne schon mal Tickets für Adler-Spiele fuggerten.

Hasslinger: „Ich bin immer Optimist“

Am Donnerstag begann für den in Mannheim beheimateten Hasslinger, verheiratet mit einer ehemaligen Rechtsanwältin, drei Kinder, sechs Enkel, die Spielvorbereitung für Samstag, für das Schlüsselspiel gegen Wehen Wiesbaden, eins von fünf Endspielen vor dem Pokal-Endspiel. Hasslingers Vorbericht beinhaltet ein Interview mit Kapitän Jean Zimmer und einen Beitrag von der Pressekonferenz mit Trainer Friedhelm Funkel. „Ich bin immer Optimist“, sagt Michael Hasslinger, der an den Klassenverbleib der Roten Teufel glaubt: „Der FCK – das ist immer Dramatik. Es wird gut gehen, vielleicht auch erst in der Relegation. Friedhelm Funkel, der schafft das!“

Michael Hasslinger, der einst Handball bei Eintracht Bad Kreuznach spielte, studierte erst BWL, dann Geschichte und Geografie und kam so nach Mannheim. Über ein Betriebspraktikum beim Südwestfunk in Baden-Baden, zu dem ihm der legendäre Rudi Michel die Tür öffnete, kam Hasslinger in den Journalismus und über Radio Weinstraße am 1. Mai 1986 zu Radio RPR. Er war drei Jahre „rasender Reporter“, Dieter Mauer sein Chef. Es folgten 13 Jahre als Programmleiter bei RPR 2. Betze-Premiere als Reporter hatte Michael Hasslinger am 19. September 1999 beim 2:0-Sieg der Lauterer gegen den HSV: „Harry Koch und Olaf Marschall trafen.“

,Michel, warum schreist du so?’

FCK-Reporter zu sein ist das gelebte Gegenteil von langweilig. „FCK – das ist immer Drama pur. Für Reporter ist das toll, es ist immer was los. Trainerwechsel, Spieler und Vorstände kommen und gehen, Aufstieg, Abstieg, Insolvenz …“ Michael Hasslinger hat viele Dramen erlebt – und so manches Happy End. Wie jenes am 18. Mai 2008, als der FCK erstmals mit einem Bein in der 3. Liga stand und in einem sagenhaften „Endspiel“ den 1. FC Köln 3:0 besiegte. „Ich war emotional so angefasst wie nie zuvor. Als Josh Simpson das 1:0 schoss, fragte die Regie: ,Michel, warum schreist du so?’ Ich hab’ das gar nicht so realisiert“, erzählt der 68-Jährige von einem unfassbaren Spiel: Simpson traf, Regen hatte eingesetzt und bei Fritz-Walter-Wetter traf Marcel Ziemer zum 2:0 und 3:0.

Michael Hasslinger hat 23 FCK-Trainer erlebt, besonders gefallen hat ihm Kosta Runjaic: „Der hatte Stil und viel Wissen, obwohl er oft wegen seiner angeblich zu defensiven Spielweise kritisiert wurde. Mit Marco Kurz hat mich ein sehr freundschaftliches Verhältnis verbunden. Sehr sympathisch war auch Tayfun Korkut.“

Guter Ruf als fairer Kritiker

Hasslinger genoss und genießt bei Profis, Trainer und Offiziellen einen guten Ruf als fairer Kritiker, der sachlich und unaufgeregt Fragen formuliert, ein feines Gespür fürs seelische Empfinden hat. Alte Schule – gute Schule! „Eine besondere Beziehung hatte ich mit ,Tobi’ Sippel. Axel Bellinghausen sagte immer direkt, impulsiv was er dachte. Sehr gemocht hab’ ich Alexander Bugera“, erzählt der RPR-Reporter, der auch den FCK-Ikonen Fritz und Ottmar Walter und Horst Eckel begegnet ist. „Er sagte nur: Ich bin der Fritz“, erinnert sich Hasslinger an die erste Begegnung mit dem Ehrenspielführer, unvergessen auch das Interview mit Horst Eckel daheim in Vogelbach.

Am Samstag aber ist Klassenkampf. Hasslinger wird mit Emotion vom Betze berichten. Vielleicht ist ja Fritz-Walter-Wetter …

Horst Konzok
Horst Konzok

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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