1. FC Kaiserslautern
Marlon Ritters Liebe zu Schalke 04 hält
Die Unbeherrschtheit hat schwerwiegende Folgen für Andreas Luthe. Nur ahnt das der Torwart des 1. FC Kaiserslautern nicht in diesem Augenblick. Am 5. August 2023 gehört Luthe der Startelf des FCK in der Partie beim FC Schalke 04 an. Es wird aber das letzte Mal sein. Luthe fliegt in der 39. Minute mit einer Roten Karte vom Platz. Ungestüm mäht er Thomas Ouwejan völlig unnötig an der rechten Strafraumgrenze um. Zuvor allerdings hatten auf der rechten Seite Jan Elvedi und Kapitän Jean Zimmer gedöst. Ouwejan nutzt das aus. Luthe erkennt die Situation zu spät, und versucht, den heranstürmenden Ouwejan auszubremsen. Für Luthe rückt Julian Krahl ins Tor – und bleibt, bis heute. Von da an war der junge Krahl die Nummer eins. Ein geräuschloser Wechsel.
Denkwürdiges Datum
Der 5. August 2023 ist für Andreas Luthe ein denkwürdiges Datum, für Julian Krahl ein erfreuliches. Und die Veltins-Arena, die Heimspielstätte des FC Schalke 04, ist für Krahl ein Ort mit besonderen Erinnerungen. „Es war 100 Prozent Emotionalität, nicht, weil ich es mit Schalke 04 oder einem Spieler verbinde. Es war für mich persönlich ein ganz besonderer Moment“, erzählt Krahl fast drei Jahre später: „Es war ein einmaliges Erlebnis, dort eingewechselt zu werden. Ich habe schon öfter noch einmal zurückgedacht, auch wenn das Spiel nicht so optimal gelaufen ist.“
Für Krahl war die Wachablösung beim FCK kein selbstverständlicher Vorgang. Ein Torhüter sieht die Rote Karte und muss vom Platz, ein anderer kommt dafür in die Mannschaft und rechtfertigt von da an seine Position als Nummer eins. Der heute 26 Jahre alte Torhüter des 1. FC Kaiserslautern verbindet mit S04 Emotionen, Glücksgefühle, auch wegweisende Veränderungen in seinem Leben. Als Profisportler arbeite man auf dieses Ziel hin, Spiele in der Profiliga zu bekommen. Der Blick richte sich zunächst nur auf einen selbst, dann werde es immer mehr und man komme in eine Führungsrolle. „Der Erfolg vom Verein hängt auch davon ab, wie es bei dir läuft, dein ganzes Leben verändert sich da“, sagt Krahl.
Beinahe hätte sich das Leben von Julian Krahl schon viel früher geändert. Angeblich war Schalke schon 2019 an Krahl interessiert Der Revierklub soll den damals 19 Jahre alten Nachwuchskeeper des 1. FC Köln beobachtet haben, als feststand, dass Alexander Nübel S04 verlässt. Von diesem Werben wisse er nichts, sagt Krahl.
Nun ein Führungsspieler
Heute ist der Familienvater Führungsspieler beim FCK. Er ist in der Mannschaft eine Person, die auch mal unbequeme Dinge anspricht. Auch wenn Krahl nicht dem Mannschaftsrat angehört, nimmt er in der Hierarchie einen oberen Platz ein. Krahl ist ein klar denkender Mensch, strukturiert, organisiert. Seit sein Sohn vor gut einem Jahr geboren wurde, noch mehr. Und Krahl bekennt sich mehr denn je zum FCK. Vor der Saison verlängerte er seinen Vertrag. Vor kurzem zog er aus Kaiserslautern in die Nordpfalz, nicht weit von Ex-FCK-Kapitän Jean Zimmer. Krahl und Zimmer können gut miteinander. Krahl trat sogar dem FCK-Fanclub in der Region bei. Er ist quasi Fan der Fans.
Die Liebe hält
Marlon Ritter hat eine innige Beziehung zum FC Schalke 04. Das hängt mit seiner Vergangenheit zusammen. Die Familie Ritter trägt Schalke 04 im Herzen. Marlon Ritter, eigentlich gebürtiger Essener, spielte von 2002 bis 2008 in der Knappenschmiede. Eine Liebe, die bis heute hält – und die Ritter nicht verhehlt. So trat er vorigen Sommer in Mallorca in einem Schalke-Trikot – jenes von Ex-FCK-Profi Jannik Bachmann – und mit S04-Hut in der Öffentlichkeit auf. Ein Bild, das für Aufsehen sorgte. Der FCK-Kapitän bekennt sich offen zu seinem Herzensklub. „An 32 von 34 Spieltagen bin ich für Schalke“, sagt Ritter. Am Sonntag (13.30 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de) aber ruht die Jugendliebe. Ritter: „Wir müssen gegen Schalke nicht in die Trickkiste greifen. Wir fahren zum Tabellenführer, da weiß jeder, was uns dort erwartet. Das Stadion ist immer ausverkauft und es herrscht, wie bei uns, gute Stimmung. Wir wollen eher bei den Fans in Rot als bei denen in Blau für Stimmung sorgen.“ Seine Zuneigung zum Revierklub geht so weit, dass der aktuelle FCK-Trainer Torsten Lieberknecht sogar einmal das Training um eine halbe Stunde vorverlegte, damit Ritter am Abend das Schalke-Spiel live im Fernsehen sehen konnte.
Vertrag verlängert
Ritters sehnlicher Wunsch ist es, noch einmal für Schalke zu spielen. Das wird aber schwer, denn der 31 Jahre alte FCK-Kapitän verlängerte vor kurzem seinen Vertrag beim FCK. Das bestätigte Geschäftsführer Thomas Hengen. Beim FCK nehmen sie die Liebesbekundungen Ritters mehr oder weniger gelassen. Ritter ist ein anerkannter und respektierter Kapitän. Kein anderer Spieler im Kader kennt seine Mitspieler besser. Ritter setzt sich für die Belange der Mannschaft ein. Er verhandelt dann mit Trainer Torsten Lieberknecht. Ritter wächst mit seiner Rolle. Lieberknecht lobt Ritter immer wieder, wie er sein Amt ausübt und wie er sich in den Dienst der Mannschaft stellt. So habe Ritter es zu Saisonbeginn akzeptiert, als er von Lieberknecht zeitweise auf die Ersatzbank verbannt wurde. Ritter gefiel das nicht. Seinen Missmut spürte der Trainer durchaus. Denn Ritter will spielen. Zwölfmal stand er diese Runde in der Startelf, fünfmal wurde der Kapitän eingewechselt. Lieberknecht und Ritter fanden eine Lösung. Ritter spielt, stellt sich in den Dienst der Mannschaft und erfüllt die Vorgaben des Trainers.
Das wird er auch am Sonntag bei seiner großen Liebe Schalke 04 tun. Da nimmt der Edeltechniker keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten in seiner Familie. Das tat er schon in der Hinrunde nicht. Beim 1:0-Sieg des FCK verwandelte Ritter einen Elfmeter. Wie sagte Ritter noch mal: „An 32 von 34 Spieltagen bin ich für Schalke.“ In den beiden Duellen gegen Kaiserslautern ruht die Zuneigung Ritters zum Revierklub. Da zählt nur der FCK.
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